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Kategorie: FlatFluteDivers (Seite 10 von 12)

Thorstens Gedanken zur ersten eigenen Ausrüstung: das Jacket

Nachdem Annette sich ihre Gedanken zur ersten eigenen Ausrüstung gemacht hat, möchte ich meine nicht verschweigen, die in manchen Punkten etwas anders sind. Das macht aber nichts, sondern bestätigt nur Annettes Aussage, dass man sich selbst klar werden muss, was man genau braucht und will. Und sie hat schon sehr schön die einzelnen Alternativen dargelegt, deswegen lasse ich das in hier mal außen vor.

Ja, ADV, Hybrid oder Wing… das stand bei mir nicht so sehr im Vordergrund. Zwar war mir klar, dass ich auch ein Jacket (Vulgo: „Tarierweste“) brauchen würde, das mir eine ruhige Lage ermöglicht, weil ich auch fotografieren wollte, aber da waren auch noch andere Faktoren.

Ich habe es in meinen Berichten vom Scuba-Diver-Kurs nicht erwähnt, aber es gab zwei Probleme, die ich noch hatte. Ich habe sie nicht böswillig verschwiegen, sondern einfach vor lauter vergessen. Das kam mir erst wieder, als ich rekapitulierte, warum ich das Jacket habe, das ich habe. Also, holen wir das schnell nach.

Beim zweiten Tauchgang zeigte sich bei mir ein Problem, das ich im Pool schon hatte. Wir waren eigentlich schon fertig und sollten noch die Abschleppübungen machen. Ich trieb im Wasser und bewegte die Flossen ein bisschen, als ich auf einmal feststellte, dass sich an meiner Hüfte was bewegte. Reaktionsschnell griff ich an den Inflatorschlauch und pustete mein Jacket auf, bis die Überdruckventile reagierten, dann spreizte ich die Beine. Gerade noch rechtzeitig, denn mein Bleigurt war gerade dabei, sich zu verabschieden. Er war nicht aufgegangen, nur irgendwie hatte er sich geweitet und hing nun auf meinen Oberschenkeln. Etwas ähnliches war mir im Pool auch schon passiert. Ich hielt ihn mit beiden Händen fest, dann musste mir der Tauchlehrer helfen, das Ding wieder auf Hüfthöhe zu befestigen. Bei einer Übung beim Indoor-Tauchen etwas später verlor ich den Gurt ganz und merkte es nicht mal – ich wunderte mich nur, warum ich auf einmal in Richtung Wasseroberfläche schoss.

Damit waren Jackets mit integriertem Bleisystem bei mir ganz vorne. Anstatt das Blei auf einen Gurt aufzufädeln wird es hier in spezielle Taschen gesteckt, die mit einem Clipverschluss am Jacket eingerastet werden. An den Verschlüssen finden sich große Griffe, wenn man an denen zieht, hat man das Blei auch schnell wieder draußen für den Notabwurf.

Die andere Sache hat ein wenig was mit Gewöhnung zu tun. Natürlich hatte ich mich – nach zwei Tauchgängen – nicht wirklich an ein bestimmtes Jacket gewöhnt. Aber dadurch, dass ich seit meiner Jugend schnorchle, hatte ich mir eine gewisse Körperhaltung angewöhnt: die Arme locker seitlich des Körpers, die Hände ungefähr auf Hüfthöhe. Damit bekam ich beim Tarieren mit dem Inflatorschlauch Probleme. Zum Luftablassen griff ich nämlich mit der linken Hand einfach mal schnell an den Schlauch und drückte auf den Knopf. Nun hängt der Schlauch nach unten, Luft hat aber die Tendenz, nach oben zu strömen. Ich weiß nicht, wie oft mir der Tauchlehrer das Zeichen geben musste, dass ich den Inflatorschlauch nach oben halten musste, damit sich was tat. Es sah zunächst so aus, als würde ich mich da noch umgewöhnen müssen.

Dachte ich… Annette hat geschrieben, dass man sich ausführlich beraten lassen soll, bevor man etwas kauft und es am besten sogar probiert. Genau das taten wir. Und in einem Laden sah ich dann etwas, das mich spontan ansprach. Es war ein Hybridjacket, das keinen Inflatorschlauch hatte, sondern einen Hebel an der linken Seite, ungefähr auf Hüfthöhe. Das System war auch noch denkbar logisch: Hebel nach oben lässt Luft einströmen, man steigt auf; Hebel nach unten lässt Luft ab, man sinkt. Es hat ein integriertes Bleisystem, zudem Trimmblei-Taschen. Obwohl es genau das war, was ich suchte, informierte ich mich sicherheitshalber noch weiter. Ein ähnliches System sah ich aber nur bei einem weiteren Anbieter, und das gefiel mir nicht. Dieser hatte statt dem eleganten Hebel einen riesigen, groben Knopf mit zwei Schaltern. Der Hebel aber bietet noch den Vorteil, dass man das Ablassen stufenlos regulieren kann. Der Hebel steuert hier nämlich beide Auslassventile an. Je mehr man ihn nach unten drückt, desto weiter werden die Ventile geöffnet und desto mehr Luft entweicht auf einmal. Außerdem gibt es noch einen Notablass mit einem Seilzug über der rechten Schulter.

Letzten Endes wurde es dann das Jacket, das ich zuerst entdeckt hatte. Umgewöhnen von der Lage her musste ich mich nicht, da ich mir – wie auch Annette – nichts angewöhnt hatte. Aber meiner gewohnten Körperhaltung kommt das Jacket sehr entgegen. Man tariert wirklich „aus dem Handgelenk“, respektive mit zwei Fingern, mehr braucht es nicht. Ich hörte kritische Stimmen, dass man so einen Hebel abbrechen könnte, aber das kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen – es sein denn, man drückt wie ein Stier, und das ist wie gesagt nicht nötig.

Das einzige, womit ich bei diesem Jacket Probleme habe, ist die Oktopustasche. Bei mir hält der Oktopus da nicht, sondern nach einiger Zeit habe ich ihn rausgeschoben und er schwimmt in der Gegend rum. Aber gut, dafür hat die Weste genügend D-Ringe, an denen man einen Schlauchclip befestigen kann.

Und welches Jacket ist es nun? Wer sich auskennt, hat es schon erkannt, es ist das seaQuest Pro QD i3. Da hat mir sogar der Name gefallen, denn „seaQuest DSV“ ist der Titel einer Fernsehserie, die einer meiner persönlichen Dauerbrenner ist. Sie hätte mehr verdient als nur drei Staffeln. Aber das gehört nicht hierher. Ein andermal vielleicht.

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Gedanken zur ersten eigenen Ausrüstung: Das Jacket

An dieser Stelle möchte ich meine persönliche Meinung zum Thema „Jacket“ anbringen. Und wie ich letzten Endes die Entscheidung für „mein Jacket“ getroffen habe.

Hat sich der Tauchanfänger entschieden, sich eine eigene Tauchausrüstung zuzulegen, wird er erst mal Informationen einholen wollen. Hat er nicht gerade einen erfahrenen Taucher an der Seite, sondern ist völlig auf sich gestellt, so wie Thorsten und ich, dann wird er versuchen, sich im Internet zu informieren. So jedenfalls haben wir es gemacht.

Doch da ging der Ärger erst los. Im Internet sieht man sich einer Masse von Angeboten gegenübergestellt, von namenhaften Herstellern, und jeder behauptet, seine Jackets wären die Besten. Liest man dann in Erfahrungsberichten, ist man hinterher genauso schlau wie vorher. Jedes Jacket, auch wenn es noch so gelobt wurde, hat doch irgendwo einen Besitzer, der nicht damit zufrieden ist. Zu deutsch: Liest man 100 Artikel, dann hat man 100 Meinungen. Und ist im Endeffekt keinen Schritt weiter.

Ich selber bin blutjunger Anfänger und möchte hier keine Empfehlungen abgeben, weder zu den einzelnen Jackets noch zu der Technik. Das kann ich nicht. Ich möchte nur berichten, was mich zu meiner Entscheidung bewogen hat.

Dazu in aller Kürze die Infos, mit denen ein frisch gebackener Taucher vielleicht etwas anfangen kann:

1. Das ADV Jacket

Das ADV Jacket wird von vielen alten Hasen als „ideales Anfängerjacket“ beschrieben. Ein Allrounder sozusagen. Die Blase des Jackets umfasst fast den ganzen Oberkörper. An der Oberfläche soll das Jacket ohnmachtssicher sein. Die meisten Tauchschulen haben diese Form des Jackets in der Ausbildung.

2. Das Wing Jacket

Das Wing Jacket hat seine Blasen links und rechts neben der Flasche. Im Brustbereich gibt es keine Blasen. Daher wird das Wing Jacket von Tec-Tauchern bevorzugt, die genügend Platz für eine doppelte Ausrüstung haben müssen. Aber auch von Fotografen wird das Jacket genutzt, da es eine stabile Unterwasserlage garantiert und man durch die fehlenden Blasen im vorderen Bereich eine große Bewegungsfreiheit hat. Wenn man ein bisschen stöbert findet man Wing Jackets, die sicherlich für den Tec-Taucher hergestellt wurden, aber es gibt auch Wing Jackets im Sporttauchen. Kritikpunkt des Wingjackets ist die nicht sichere Ohnmachtslage. An der Oberfläche kann es dazu kommen, dass man durch die aufgeblasenen „Flügel“ mit dem Gesicht ins Wasser gedrückt wird. Viele Taucher bezeichnen daher das Wing als ungeeignet für Anfänger und bemängeln die „Umgewöhnung“ vom ADV auf ein Wing.

3. Das Hybrid Jacket

Das Hybrid Jacket ist eine „Mischung“ aus einem ADV und einem Wing. Es ist also ein kleinvolumiges ADV Jacket mit aufgesetzter Wing Blase. Die Nachteile dieses Jackets ergeben sich aus den Nachteilen des ADV und des Wing Jacket. Wenn auch in abgschwächter Form. Insgesamt habe ich häufig darüber gelesen, dass es ein „Jacket für Ambitionierte und Fortgeschrittene“ sei.

Und was nehmen wir jetzt?

Ich bin folgendermaßen vorgegangen:

Ich habe mich zuerst einmal gefragt, wozu ich das Jacket einsetzen möchte. Tauchen – klar. Aber ich war mir auch schon darüber im Klaren, dass ich gerne unter Wasser fotografieren möchte. Also würde ich eine stabile Wasserlage unter Wasser bevorzugen. Ich hätte auch gerne ein Jacket, dass mehr als nur einen Schnellablass hat. Und ich lege Wert darauf, dass an meinem Jacket auch noch ein Fangriemen installiert ist, der meine Flasche zusätzlich sichert, falls doch mal die Schnalle aufgehen sollte. Und es sollten genügend Taschen und D Ringe vorhanden sein.

Soweit war ich schon mal. Jetzt kam die Frage: Wing, ADV, Hybrid?

Was mich persönlich am ADV in der Ausbildung gestört hat, war die „Einengung“, die ich verspürt hatte. Als Anfänger neigt man dazu, das Jacket an der Oberfläche derart aufzublasen, dass die Überdruckventile aufgehen. Schließlich hat man Angst, mit dem Gesamtgewicht der Ausrüstung unterzugehen. So ist das aber nicht. Es reicht, wenn man nur ein wenig Luft ins Jacket läßt. Ich habe diesen Fehler natürlich bei meinem ersten Freiwassertauchgang auch gemacht, und von daher weiß ich, wie unangenehm das sein kann, wenn man von dem Jacket fast erdrückt wird.  Und wie eingeschränkt dann die Bewegung ist. Da ich persönlich viel Freiraum in jeder Beziehung brauche, auch unter Wasser, kam für mich das ADV nicht in Frage.

Hybrid. Hört sich doch gut an. Eine gute Zwischenlösung. Lange hab ich damit geliebäugelt. Ok, da wäre wieder das Problem der Blase, die sich auch vorneherum aufbläst, aber so gravierend wird das nicht sein. Ich konnte mich nicht entscheiden…denn eigentlich wollte ich das Wing. Das Wing hatte alles, was ich wollte, bis auf die ohnmachtssichere Lage. Ich hatte Bammel, dass ich an der Oberfläche ständig mit der Nase im Wasser hängen würde. Aber ich musste eine Entscheidung treffen. Bei näherem Hinsehen fiel mir dann auf, dass jedes Jacket irgendeinen Nachteil hat. Ein perfektes Jacket gibt es nicht. Man muss sich nur entscheiden, mit welchem Nachteil man leben kann.

Und wißt Ihr, für was ich mich letztendlich entschieden habe? Ich tauche mit einem Wing. Als Anfänger. Jawoll!

Und hier die Gründe:

1. Die Bewegungsfreiheit. Hatte ich ja schon erwähnt.

2. Die Umgewöhnung: Welche Umgewöhnung bitte schön? Ich bin Anfänger! Ich habe zwei Tauchgänge mit einem ADV gehabt. Da kann man nicht von „Gewöhnung“ sprechen. Ich muss mich an nichts neu gewöhnen. Das Jacket, das ich kaufe, an das gewöhne ich mich. So einfach ist das.

3. Die Fotgrafiererei: Die Lage unter Wasser ist einfach spitze!

4. Ohnmachtssichere Lage: Hier sage ich nur eins: Wenn ich bewusstlos an der Oberfläche treibe…wo ist mein Buddy? Zudem kann ich nur sagen: Wenn man das Wing an der Oberfläche moderat aufbläst, also nicht derart, dass die Überdruckventile aufgehen, dann bin ich kerzengerade im Wasser. Ohne die Tendenz, mit der Nase im Wasser zu liegen. Ich merke von diesem „Druck“ nichts! Wirklich nichts!

Das waren meine Überlegungen, die mich geleitet haben. Und wie ich feststellen durfte, war meine Entscheidung goldrichtig. Ich liebe mein Jacket! Damit Ihr das Gleiche sagen könnt, gebe ich Euch noch folgendes mit auf den Weg:

1. Geht erst mal unverbindlich in die Tauchgeschäfte und laßt Euch beraten. So haben wir das auch gemacht. Kauft Euer Jacket nicht einfach so im Internet. Man muss es probiert haben. Man muss wissen, ob es paßt. Ob es sitzt. Am Besten ist es, wenn der Tauchladen die Möglichkeit hat, das Jacket auszuprobieren, zB in einem Tauchturm. Oder Ähnlichem. Wir haben sicherlich fünf Tauchgeschäfte abgeklappert und uns alles von vorne bis hinten erklären lassen. Um überhaupt mal einen Eindruck zu kriegen. Die Verkäufer in den Läden sind wirklich nett und hilfsbereit, wir hatten nie den Eindruck, dass uns etwas „aufgeschwatzt“ werden sollte.

2. Fragt Euch, was ihr später mal machen wollt. Fotografieren? Tieftauchen? Nicht jeder hat das Geld, sich jedes Jahr ein neues Jacket zu kaufen, weil man seine Ansprüche geändert hat. Wenn es ein Wing wird, bitte auch nicht übertreiben. Es gibt Wings für Sporttaucher. Wenn man die Tec-Wings anguckt, dann werdet ihr schnell merken, dass DAS sicher kein Jacket für einen Anfänger ist. Zudem macht man sich lächerlich, wenn man mit so einem Wing zu seinem 3. Tauchgang erscheint. Achtet auf Taschen, Schnellablässe, D-Ringe und Fangriemen.

Zum Schluß möchte ich noch bemerken: Kein Jacket ist „wirklich schlecht“. Das Jacket ist nur so schlecht wie derjenige, der damit taucht. Das gilt auch für mich.

Ihr wollt wissen, womit ich tauche? 😀 Ich mache keine Schleichwerbung, aber es ist das „Cressi Back Jac…“

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Fortsetzung folgt… und ein paar Gedanken

Eine kurze Zwischenbemerkung, wie es hier weitergeht: Wir werden die chronologische Reihenfolge ein wenig aufbrechen. Bevor wir zur nächstem „Tauchabenteuer“ schreiten, soll das etwas genauer beleuchtet werden, was wir zwischen dem Urlaub in Ägypten und dem ersten Tauchgang in Deutschlang gemacht haben – eine Ausrüstung anschaffen. Eingestreut in solche allgemeinen Artikel geht unsere Geschichte natürlich weiter. Wer die Artikel dieser Geschichte gesammelt ansehen will, der wähle hier am Rand bei den „Kategorien“ unter „Ausbildungsstufe“ den Punkt „Scuba Diver“.

Und bevor es weitergeht, noch ein paar Gedanken. Annette und ich haben uns, wie wir geschrieben haben, im Internet weiter informiert und sind auf diverse Foren und Webseiten gestoßen. Dabei ging es natürlich auch um die unterschiedlichen Ausbildungsarten, es gibt PADI (deren Ausbildung wir gemacht haben), CMAS, SSI, VDTL… und wie sie alle heißen. Wir haben auch die Kritik gelesen, die an manchen Ausbildungssystemen geübt wird, dass manche quasi „jedem“ das Brevet „nachwerfen“. Meine persönliche Erfahrung ist, dass sowas von jedem selbst abhängt. Sicher hätten wir sofort den „Open Water Diver“ machen können. Dann hätten wir uns einfach Flaschen und Ausrüstung schnappen dürfen und in den nächsten See hüpfen. Und ja, unser Tauchlehrer hat mit der Aussage, dass es uns bald nerven würde, immer nach einem Instructor als Begleitung zu schauen, Recht behalten. Natürlich wäre es toll, sich nicht immer nach so jemandem erkundigen zu müssen. Auf der anderen Seite haben wir aber auch festgestellt, dass es so ganz gut ist, weil nämlich immer noch jemand dabei ist, der einen auf Fehler aufmerksam macht und einem hilft, sich sicherer zu fühlen. Hätten wir den OWD gleich gemacht, wären wir deswegen nicht sicherer oder besser gewesen wie als „Scuba Diver“. Denn Sicherheit kann man nur dadurch gewinnen, indem man tauchen geht. Es ist also sehr wichtig, sich selbst nicht zu überschätzen und zu glauben, nur weil man nun einen Schein (bzw. eine Karte) in der Hand hält, die einem bestätigt, diesen oder jenen Ausbildungsstand zu haben, dass man jetzt wirklich tauchen könne. Es ist wie beim Autofahren, irgendwann hat man den Führerschein und darf allein auf die Straße, aber richtig können tut man es noch nicht. Das Einparken klappt noch nicht so routiniert, man würgt den Motor vielleicht auch mal ab… und genauso ist das mit dem Tauchen auch (mit dem Unterschied, dass man hier keinen Motor abwürgen kann, aber das gehört jetzt nicht hierher).

Wir haben uns mit dem Thema ausgiebig befasst und können uns auch soweit selbst einschätzen, dass wir nichts unüberlegtes tun. Auf der anderen Seite haben wir schon viele Pläne geschmiedet und dann über den Haufen geworfen. Und das sollte nicht besser werden. Davon wird aber auch noch berichtet werden…

Die Zeit von Dezember 08 bis April 09

Anfang Dezember waren wir wieder in Deutschland. Aber das Erlebte in Ägypten hatte uns nachhaltig geprägt. Schon auf dem Heimflug sprachen wir über nichts anderes mehr als über das Tauchen. Und wie sehr uns das gefallen hatte. So beschlossen wir, uns einmal umzuhören und Kontakte zu knüpfen, damit man wenigstens einmal im Monat einen Schwimmbadtauchgang machen könnte.

Zu Hause angekommen berichtete ich jedem, der es hören wollte oder auch nicht, dass ich jetzt unter die Taucher gegangen war. Das wurde von meinen Freunden mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Tatsächlich, der Mann einer Freundin von mir besaß auch den Tauchschein – das wußte ich nicht – aber er hatte das Tauchen nicht weiter verfolgt. Andere wiederum waren gar nicht begeistert von meinem Plan. Da würde doch so viel passieren…

Dem Faß den Boden schlug es aus, als ich erfuhr, dass der Vater des Freundes meiner besten Freundin Tauchlehrer mit eigener Tauchschule war. Dummerweise war der aber schon in Rente. Also hieß es für mich… abwarten. Und hoffen, dass Thorsten etwas finden würde. Den traf ich kurze Zeit später, um Fotos zu tauschen. Und er berichtete mir, dass er tatsächlich jemanden gefunden hatte. Ein Kollege von ihm war Instructor. Und Rettungstaucher. Er versprach uns, uns mit ins Schwimmbad zu nehmen, da dort die Rettungstaucher über Winter trainierten. Das war ja perfekt. Für die Ausrüstung würde auch gesorgt werden. Besser konnte es nicht laufen.

Thorsten und ich sprachen an diesem Nachmittag nochmals über viele Dinge. Wie es der Zufall so wollte, war ich gerade aus dem Urlaub wieder da, da musste ich schon meinen Jahresurlaub für das folgende Jahr eintragen. Ich trug mich wieder im November für zwei Wochen ein. Warum? Weiß ich nicht. Ich machte es einfach. Irgendjemanden würde ich schon finden, der mit mir nach Ägypten gehen würde. Da war es so toll. Da erzählte mir Thorsten, dass er genau die gleichen Wochen angegeben hatte. Auch eigentlich ohne feste Absichten. Wir sahen das als Zeichen. Obwohl wir so gesehen nicht geplant hatten, nochmals zusammen zu verreisen, stand die Entscheidung innerhalb von Sekunden: Wir würden nochmals nach Ägypten fliegen und dort unseren OWD fertig machen. Wir waren Feuer und Flamme.

Soweit stand der Plan. Ägypten November 2009. Bis dahin wollten wir das Gelernte immer und immer wieder üben, damit das richtig saß. Darin waren wir uns einig. Dann überlegten wir… wie war das noch gleich mit der eigenen Ausrüstung? Ich sagte zu Thorsten, dass ich mir einen Tauchcomputer zulegen würde. Das ist ein persönlicher Gegenstand und eine gute Anlage. Irgendwann dann würde ich mir noch einen Lungenautomaten besorgen, denn ständig auf Mundstücken herumzukauen, die schon Hunderte vor mir im Mund hatten, fand ich ekelig. Aber das hatte ja Zeit.

So viel Zeit nun auch wieder nicht. Weihnachten stand vor der Tür. Mein Vater schenkte mir Geld, und noch während ich mir überlegte, wie ich meinen neu erworbenen Reichtum verwalten könnte, fiel mir sofort der Tauchcomputer ein. Schließlich entschied mich mich für den Viper 2 von Suunto. Doch damit war es nicht getan. Eine Freundin schenkte mir ein wunderschönes Logbuch, eine andere ein sehr interessantes Buch über das Tauchen. Ich fing an zu lesen. Und kam immer tiefer in die Materie hinein. Ich las, was das Zeug hielt. Im Internet. Bücher. Und konnte es kaum erwarten, dass endlich Januar war. Denn da sollten wir uns das erste Mal mit den Rettungstauchern treffen. Doch im Leben kommt immer alles anders, als man es erwartet. Und so auch hier. Denn drei Tage bevor wir uns mit den Rettungstauchern hätten treffen sollen brannte das Schwimmbad bis auf die Grundmauern ab. Kein Witz. Ein technischer Defekt. Und so zerplatze der Traum.

Wir waren frustiert. Der Sommer lag noch in weiter Ferne, denn sonst hätte man ja in ein Freibad gehen können, aber dazu war es noch zu kalt. Auch die Rettungstaucher mussten erst nach einer Ausweichmöglichkeit suchen. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns weiter mit der Theorie zu beschäftigen. Nicht nur mit der Tauchtheorie. Auch mit der Ausrüstungstheorie. Zwischen Thorsten und mir entbrannte fast eine Art Wettstreit, wer mehr zu einem Thema wußte. Ohne dass es uns selbst so bewusst geworden wäre, hatten wir längst die Enscheidung getroffen, uns doch die komplette Ausrüstung anzuschaffen. Das war aber gar nicht so einfach. Wir hatten nur bedingt Hilfe. Und so entschlossen wir uns, die Zeit bis zum endgültigen Tauchtermin zu verkürzen, indem wir das „Tauchshop-Hopping“ begannen. Wir besuchten so ziemlich alle Läden in unserer Umgebung, um uns erst mal kundig zu machen, was es denn alles gab. Die Besitzer der Läden waren alle sehr zuvorkommend und erklärten uns Anfängern von A bis Z alles, worauf man achten muss, worin die Unterschiede lagen. Das war sehr angenehm. Stück für Stück wuchs die Ausrüstung, erst gedanklich, schließlich auch materiell. So einfach war das freilich nicht. Besonders ich hatte aufgrund meiner Körperlänge mehr als einmal Probleme, etwas Passendes zu finden. So albern es auch klingt, ich hatte die reinste Odyssee vor mir, was den Neoprenanzug anbelangt. Ich wollte einfach nicht in so einen Anzug passen, und dabei ließ ich keine Peinlichkeit aus. Man zog mich mit Druckluft an, rupfte und rüttelte an mir herum, es ging nicht. Die Anzüge waren zu klein. Im Internet machte ich mich kundig und erfuhr, dass die durchschnittliche europäische Taucherin gefälligst nicht größer als 172 cm zu sein hat. Leider bin ich fast 180 cm, und was ich am Anzug in die Länge zog, fehlte mir nachher entweder in der Breite oder ich bekam die Arme nicht mehr hoch. Nach langem Suchen jedoch wurde auch ich fündig, die Italiener (Cressi)  hatten ein Herz für mich, und zu meinem Erstaunen und Unglauben durfte ich einen Anzug wählen, der noch nicht einmal die größte Größe hatte. Vor lauter Glück und Dankbarkeit kleidete ich mich dort komplett ein. Gut, das ist jetzt geschwindelt… ich hatte sowieso vor, mir von Cressi das Jacket zu kaufen. Das tat ich auch. Und lag damit goldrichtig wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Nur… lächerlicherweise hatten Thorsten und ich die komplette Ausrüstung bereits zusammen bevor wir überhaupt wenigstens einmal tauchen waren! Was hatte unser TL gesagt? Es dauert nicht lange, dann würden wir anfangen, unsere eigene Ausrüstung zu kaufen? Da hatte er wohl die Rechnung ohne uns übereifrige Menschen gemacht. Die zwei Tauchnieten, von denen er sicher am wenigsten gedacht hatte, sie überzeugt zu haben, waren mehr als nur einfach infiziert. Wir sprachen fast über nichts anderes mehr. Da wir uns nur selten sehen, hatten wir doch plötzlich einen intensiven email Kontakt aufgebaut, und es gab sicher keine einzige email, in der wir nicht über das Tauchen sprachen. Ich träumte stellenweise sogar davon. Ich, die Angst vor Wracks hat, träumte davon, dass ich zur Thistlegorm tauchen würde! Ich träumte von der Salem Express! Es verging kein Tag, an dem ich nicht intensiv an’s Tauchen dachte. Ich wurde immer unruhiger. Und hoffte darauf, dass es bald soweit sein würde.

Doch es sollte noch dauern, genau genommen bis April. Durch Zufall entdeckte eine Bekannte von Thorsten eine Internetadresse mit einem Indoortauchzentrum bei München. DAS war genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Und natürlich buchten wir uns da ein. Endlich war der Tag gekommen, an dem wir tauchen – und auch unsere eigene Ausrüstung testen konnten! Wir waren gespannt,  was uns in München erwarten würde. Aber davon erzähle ich dann das nächste Mal!

Scuba Diver: Was danach kam

Irgendwie könnte die Geschichte damit zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Zu Ende war lediglich unser Urlaub in Ägypten. Oder sie könnte langweilig werden. Tut sie aber nicht. Auf dem Rückflug von Hurghada gab es für uns hauptsächlich ein Gesprächsthema: Tauchen. Wir wollten uns um Trainingstauchgänge im Schwimmbad bemühen, um wenigstens „drin“ zu bleiben.

Zurück in Deutschland geschahen zwei Dinge: Zum einen stand bei mir sofort die Urlaubsplanung für das kommende Jahr an, zum anderen bekam ich einen Hinweis auf einen Kollegen, der selber Taucher war und uns möglicherweise bei unseren Schwimmbadtauchgängen würde helfen können.

Dann geschahen nochmal zwei Dinge: Ich konnte mich bei der Urlaubsplanung nicht mit Annette absprechen und nahm auf gut Glück den gleichen Zeitraum wie im Vorjahr für einen Urlaub. Bei einem Treffen stellte sich heraus, dass sie das gleiche gemacht hatte – für den gleichen Zeitraum. Hier entstand eine neue Idee: Wir würden weitermachen – die nächste Stufe auf der Leiter, den „Open Water Diver“ (OWD). In Ägypten, im November. Wieder waren wir elektrisiert, so wie an dem Tag, als wir die Entscheidung fällten, den Tauchkurs zu machen. Allerdings wussten wir diesmal, dass wir nicht ganz so nervös werden würden. Hoffentlich!

Mein Kollege entpuppte sich als Instructor, genau das, was wir brauchten, um uns auf den „Open Water Diver“ vorzubereiten. Er hatte sogar die Möglichkeit, uns Leihausrüstungen zu besorgen, da er bei einem Rettungstaucherzug war. Und er würde es organisieren, dass wir mit ihm zum Training in ein Hallenbad kommen könnten.

Gleichzeitig überlegten Annette und ich, ob es nicht gut wäre, den einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand doch anzuschaffen. Also begannen wir, verschiedene Tauchshops aufzusuchen und ließen uns beraten. Umfassend. Obwohl es eigentlich nicht nötig war. Schließlich wollten wir nur das eine oder andere. Oder? Also zum Beispiel einen eigenen Tauchcomputer… vielleicht Regulatoren…

In der Folgezeit ging ich meinem Umfeld auf die Nerven mit meiner doch sehr stark vorhandenen Begeisterung für das im Urlaub begonnene Tauchabenteuer. Ich begann, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten, bestellte Kataloge und suchte mein Arbeitsmaterial von der Rettungsdienstschule wieder zusammen. Das war allerdings nicht hilfreich, da es mittlerweile hoffnungslos veraltet war. Und dann war da Weihnachten. Von meiner Familie bekam ich ein Tauch-Diorama geschenkt, das als Dekoration für ein Geldgeschenk diente (das in einen Ausrüstungsgegenstand investiert werden sollte). Und von Annette ein Buch über die Fische des Roten Meeres. Das hat mich sehr überrascht, aber natürlich auch sehr gefreut.

Tauch-Diorama

Und dann passierte eine von den Merkwürdigkeiten, die das Leben manchmal bereithält: das Hallenbad, in dem wir unser „Training“ abhalten sollten, brannte im Januar ab, nur Tage bevor wir dort sein wollten. Damit fiel das Training erstmal flach, eine Ausweichmöglichkeit gab es nicht. Ab Mai würde das Freibad öffnen und es sah so aus, als würden wir uns bis dahin vertrösten müssen. Mittlerweile waren unsere Gedanken über die eigene Ausrüstung weiter gediehen. Weiter als gedacht. Ein Neoprenanzug war mit „auf die Liste“ gekommen, außerdem war ich entfacht für eine spezielle Tarierweste, die ich in einem Tauchladen gesehen hatte. Unser Plan war nun, bis November Stück für Stück anzuschaffen, damit wir für den Ägypten-Urlaub die Sachen beisammen haben würden.

Doch wieder wurde alles über den Haufen geworfen, respektive, ich warf meine Ideen über den Haufen. Unablässig sagte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf: „Wenn Du es willst, dann tu es doch!“ Warum auch nicht? Ich informierte mich weiter, besonders über die Tarierweste, die ich ins Auge gefasst hatte. Die war teuer, aber andererseits genau das, was einer ganz speziellen Eigenart von mir entgegen kam. Der erste wirkliche „Ausrüstungsgegenstand“, den ich mir dann anschaffte, war jedoch ein Neoprenanzug. Das hatte recht pragmatische Gründe, er gefiel mir, er passte und ich sah gut drin aus. 😉 Aber damit fing es an. Einen Monat später hatte ich den Großteil meiner Ausrüstung zusammen, einschließlich der Tarierweste, die mir ins Auge gefallen war. So viel zum Thema „bis zum November“.

Ein Problem bestand aber weiter: Was würde aus unseren Trainingstauchgängen werden? Ich hatte mich mittlerweile weiter erkundigt nach Tauchschulen und lernte etwas kennen, das ich die „Drei-Minuten-Regel“ nannte – wann immer ich unsere Situation erklärte und nach Schwimmbadtauchgängen fragte, wurde ich nach spätestens drei Minuten gefragt, ob wir nicht gleich hier in Deutschland den OWD fertig machen wollen. Zu dem gewünschten Training kamen wir nicht. Dann kam mir eine Kollegin und gute Freundin zu Hilfe, aber eigentlich unfreiwillig – was wieder eine jener Geschichten war, die von Zeit zu Zeit passieren. Besagte Freundin war eigentlich auf der Suche nach Hotels in und um München. Dabei war sie auf ein Hotel gestoßen, an dem ein so genanntes Indoor-Tauchcenter angeschlossen war. Ich hatte einige Dinge zu klären, denn immerhin brauchten wir immer noch einen Instructor als Begleitung, aber schließlich war es so weit – wir sollten endlich zu unserem ersten Tauchgang machen nach unserem Kurs. Mittlerweile war es April. Annette hatte leider nicht ganz so viel Glück gehabt wie ich, denn zum Teil scheiterte der Erwerb ihrer Ausrüstung daran, dass sie einfach nichts passendes fand. Aber sie machte einen Laden in der Nähe von München ausfindig und wir sollten unseren Tauchausflug gleich mit einem „Kaufausflug“ verbinden. Aber das soll sie selbst berichten.

Die Situation hatte sich nun völlig verändert – mal wieder. Bevor wir überhaupt einen einzigen Tauchgang in Deutschland hinter uns hatten, hatten wir tatsächlich unsere Ausrüstung soweit zusammen. Kleinigkeiten fehlten nur noch, aber dem Tauchen stand nichts mehr im Weg. Unsere Überlegung war nun, falls uns das Indoor-Tauchcenter zusagen sollte und das mit den Tauchlehrern dort reibungslos funktionieren, dass wir bis November ein paar Mal dort hinfahren und unser geplantes Training doch noch durchziehen. Ja. Gute Idee. Aber vielleicht kennt jemand noch dieses Sprichwort:

„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…“

Schnorcheln mit der Galatea, Annettes Version

Wir wurden mit dem Bus zu dem Segelboot „Galatea“ gebracht, das uns an diesem Tag zweimal im Roten Meer zum Schnorcheln absetzen sollte.

Da wir spät dran waren, mussten wir die Plätze nehmen, die übrig waren. Das Segelboot verfügte über zwei Sonnendecks, auf denen man liegen konnte  eine Art Matratze wurde gestellt) bis das Schiff anlegte. Wir lagen ziemlich am Rand. Was sich als etwas lästig herausstellte, da ich ununterbrochen die Abgase des Schiffes einatmete. Es setzte erst auf hoher See die Segel.

Das Schiff fuhr aus dem Hafen. Wie der Zufall es so will, fuhren wir direkt neben unserer Tauchbasis aufs Meer hinaus. Ich warf einen Blick rüber. Das Tauchboot, das wir noch vor ein paar Minuten da hatten liegen sehen, hatte inzwischen auch abgelegt. Ich sah nach vorne. Es war aber nicht in Sicht. Ich legte mich auf die Matratze und genoss die Sonne und den Wind. Ich konnte mir nicht erklären warum, aber mir war nicht zum Reden zumute. Das hatte nichts mit Thorsten zu tun, der neben mir lag. Ich hatte einfach mit mir zu tun, ich suchte nach der Ursache für meine aufkommende schlechte Laune. Lag es daran, dass der Urlaub in zwei Tagen vorbei war, auf den wir uns so lange gefreut hatten? Dann ging das Arbeiten wieder los, und das ist sehr sehr anstrengend. Ich wusste es nicht. Also hielt ich lieber Augen und Mund geschlossen und versuchte, abzuschalten.

Wir fuhren eine ganze Weile, dann erreichten wir schließlich unseren ersten Schnorchelplatz. Nun war es so: Wir mussten ein motorisiertes Schlauchboot besteigen um zu dem Riff zu gelangen. Da wir ein Haufen Leute waren, gab es sozusagen 2 Fuhren. Thorsten und ich fuhren bei der ersten Fuhre mit. Wir ließen uns ins Wasser fallen und durften unter der Aufsicht eines Führers ein bisschen herumschnorcheln bis die zweite Fuhre eintreffen würde. Das taten wir auch. Neugierig blickte ich nach unten. Das Riff war so ähnlich wie das, was wir beim zweiten Tauchgang betaucht hatten. Nur… alles erschien so weit weg. In der Tiefe sah ich Zebrafische und noch viele andere Lebewesen, aber das war eindeutig zu weit weg. Ich hatte mir für diesen Ausflug extra eine Einmal-Unterwasserkamera gekauft. Ich knipste wie wild, aber ich konnte mir schon denken, dass die Fische im Nachhinein sehr klein herauskommen würden. Das hob meine eh schon angeschlagene Stimmung nicht sonderlich.

Zebrafische vor einem Korallenriff

So langsam trudelten die anderen ein. Ich trieb auf der Stelle, da kam Thorsten vorbei. Ich sagte irgendwas zu ihm, da unterbrach er mich plötzlich und schnellte nach vorne. „Vorsicht!“ , fiel er mir ins Wort, “ du bist zu dicht am…“ *ditsch. „Riff!“. Das war eine Sekunde zu spät. In der Bewegung war ich mit dem Unterschenkel an das Riff gekommen. Eigentlich nicht so schlimm, könnte man meinen, aber in dem Moment durchfuhr mich ein stechender Schmerz. Ich paddelte nach vorne. “ Könntest du das das nächste Mal vielleicht eine Sekunde früher sagen?“, fragte ich ironisch nach. “ Tut mir leid“, sagte Thorsten, „ich hab es auch gerade erst gesehen.“

Annette beim Schnorcheln

Inzwischen war die zweite Fuhre auch im Wasser. Unser Führer legte los. Wir schnorchelten. Ich sah wieder runter ins Wasser. Konnte mich aber erstmal nicht konzentrieren. Mein Unterschenkel brannte wie Feuer. Ich nahm an, dass ich mir am Riff irgendwas aufgeschnitten hatte und nun das Salzwasser sein Übriges dazu beitrug. Ich schnorchelte weiter. Es wurde nicht besser. Nach zehn Minuten dachte ich, dass der Schmerz jetzt vielleicht mal langsam nachlassen könnte. Entsetzt fiel mir ein, was unser TL sagte… es gäbe auch giftige Tiere und Pflanzen, daher: NICHTS ANFASSEN. Klasse, dachte ich, bei meinem Glück… aber den Gedanken verdrängte ich ganz schnell. Ich hatte keine Atemnot, ich konnte alles bewegen, da heißt mein Patentrezept: Aggressives Zuwarten. Wird schon weg gehen.

Ich blickte wieder nach unten. Und traute meinen Augen nicht. Da unten war ein Taucher! Mit Unterwasservideokamera! Er filmte die Schnorchler. (Es handelte sich um einen Angestellten, der anschließend die CDs verkaufte.). „Hat der es gut“, schoss es mir durch den Kopf, „der kann sich alles aus der Nähe ansehen“. Ich merkte, wie ich den Mann da unten zutiefst beneidete. Ich konnte doch auch schon auf die Tiefe, in der er war. Und ich musste jetzt hier oben an der Oberfläche rumschnorcheln. Meine Laune verschlechterte sich immer mehr.

Wir bogen um das Riff herum ab wieder Richtung Segelschiff. Plötzlich bemerkte ich, dass ich überhaupt nichts von dem Riff gesehen hatte, ich hatte tatsächlich die ganze Zeit auf den Taucher gestiert. Da wurde es mir klar. Das war der entscheidende Moment, in dem es mir bewusst wurde, dass DAS ganz sicher nicht das letzte Mal war, dass ich tauchen ging. Und dass ich auch keine Lust hatte, den nächsten Tauchgang lange vor mir herzuschieben.

Als wir wieder auf dem Boot waren, zeigte ich Thorsten meinen Unterschenkel. Er war entsetzt. Eine Qualle war das nicht gewesen. Ich hatte feuerrote Pusteln, mit roten Höfen drum herum, und es brannte immer noch höllisch. Da ich aber immer noch nicht reanimationspflichtig war, befolgte ich weiter mein Konzept. Aggressives Zuwarten. Sie wissen schon!

Jetzt war es soweit. Ich vertraute mich Thorsten an. Dazu muss man wissen, dass wir bis dato schon immer über Gott und die Welt geredet haben, aber den aktuellen Gefühlszustand und unser emotionales Erleben hatten wir bisher außen vor gelassen. Insofern war das Neuland. Ich fragte ihn, ob er den Taucher auch gesehen hätte und ebenfalls Neid empfunden hätte. Er bejahte. Dann sagte ich ihm, dass ich mich entschlossen hätte, sehr wohl in Deutschland das Tauchen weiter zu verfolgen. Nicht im Freiwasser. Aber ich würde gerne pro Monat einmal ins Schwimmbad gehen und die Technik üben üben üben, damit man dann im Falle eines weitern Urlaubs im darauffolgenden Jahr die Sache sicher beherrscht. Thorsten ging es genauso. Er rückte zwar damit nicht so emotional raus wie ich, aber man merkte sehr, dass ihn diese „überraschende“ Begegnung mit einem Taucher ebenfalls sehr nachdenklich gestimmt hatte.

Der Rest des Tages verlief unterschiedlich. Wir bekamen Essen, das sehr gut war, dann sollten wir den zweiten Schnorchelplatz aufsuchen. Leider sprang aber unser „Kahn“ nicht mehr an. Ein Tauchboot(!) kam uns zur Hilfe. Schließlich tuckerten wir los.

Inzwischen war eine Brise aufgekommen. Ich fing an zu frieren. Selbstverständlich hatte ich keine Jacke dabei. Hey! Wir sind in Ägypten! Da ist es warm!

Leider nicht. Ich fror wie ein Schlosshund. Als wir schließlich den zweiten Schnorchelplatz erreichten war mir so kalt, dass ich für nichts in der Welt nochmal ins Wasser gegangen wäre. Zudem reichte mir mein Unterschenkel immer noch, der zwar inzwischen nicht mehr so weh tat, aber ich wollte nichts riskieren. Thorsten blieb mir zu liebe auch auf dem Schiff. Ich starrte aufs Meer. Am zweiten Schnorchelplatz lagen 3-4 Tauchboote. Ich merkte, wie der Ärger in mir hochstieg. Na Gott sei Dank war ich nicht ins Wasser gegangen, wenn unter mir eine Armee Taucher herumgeschwommen wäre, dann hätte ich womöglich einen Überfall gestartet. Die anderen kamen zurück. Nun war die Heimfahrt angesagt.

Fazit: Ein schöner Ausflug. Ich bin mir zu 100% sicher, hätten wir diesen Ausflug VOR dem Tauchkurs gemacht, dann hätte ich ihn in vollen Zügen genossen. Das Essen war super, die Leute nett, die Schnorchelplätze gut ausgesucht. Aber ich konnte es nicht genießen. Es ging einfach nicht. Für mich wird dieser Ausflug trotzdem in die Geschichte eingehen als der Ausflug, bei dem ich feststellte, dass ich keine Schnorchlerin, sondern eine TAUCHERIN bin!

Schnorcheln mit der Galatea, Thorstens Version

Nun sollten wir also auf eine Schnorcheltour gehen. Und bevor hier der falsche Eindruck entsteht: Es war ein sehr schöner Ausflug, gut organisiert mit netten Leuten und gutem Essen. Ich kann so eine Tour nur jedem empfehlen, der schnorchelt oder es mal probieren möchte (wenn Sie mal in El Gouna sind: das Schiff heißt „Galatea“, die Tour kann man sicherlich bei Ihrem Reiseführer buchen). Vor allen Dingen, da man so an Riffe kommt, die weiter von der Küste entfernt sind und es wirklich einiges zu sehen gibt. Unser Problem war, dass wir unter einem völlig neuen Eindruck standen. Wir hätten diese Tour besser vor unserem Tauchkurs machen sollen…

Wir wurden vom Hotel abgeholt, zum Hafen gebracht und gingen an Bord des Segelbootes. Plätze auf dem Deck, auf gepolsterten Unterlagen. Es war wirklich schön. Der Chef persönlich gab uns eine Einführung darüber, was wir zu beachten hatten, und er hatte einen Humor, der mir gefiel. Dann ging es los. Doch etwas war komisch. Annette und ich redeten schon wieder nicht. Teilweise hing das damit zusammen, dass wir einen phantastischen Blick über das Rote Meer hatten. Dass uns hier, auf dem Deck, der Wind direkt um die Nase blies. Segeln auf hoher See. Der andere Teil zumindest meines Schweigens war, dass ich immer noch an den Eindrücken vom Tauchkurs arbeitete. Und jetzt, genau auf diesem Ausflug, kamen wieder viele Gedanken in mir hoch. Vielleicht, weil es wieder ins Meer gehen sollte.

Wir steuerten ein Riff an und wurden mit dem Schlauchboot ausgesetzt. Dann umrundeten wir das Riff schnorchelnd. Wie schon bei unseren Tauchgängen gab es einiges zu sehen. Aber anders…

Korallen im Roten Meer

…wir hingen an der Wasseroberfläche rum und konnten nur ab und zu mal kurz runter, so lange eben der Atem reichte. Ich fotografierte drauflos, versuchte zu zoomen… und dann sah ich: Unter uns aber schwamm… ein Taucher. Jemand von der Besatzung des Segelbootes, der von uns Filmaufnahmen machte. Ja, der darf tauchen, und wir nicht. Komisches Gefühl. Abgelenkt wurde ich irgendwann, als ich merkte, dass Annette ziemlich weit draußen war. Ich rief ihr zu, dass sie doch ein Stück näher ans Riff kommen soll. Wir sollten das Riff umrunden wie gesagt, und so weit draußen würde sie natürlich eine weitere Strecke zu schwimmen haben als wir alle. Tatsächlich kam sie zurück – und übertrieb in die andere Richtung!

„Äh, Annette, Vorsicht, jetzt bist Du aber zu dicht am Riff!“

Rumpel! „Aua!“

Arrgh! Grad mach ich’s Maul zu!

Annette hatte bei ihrer Kollision mit dem Riff ein paar rote Striemen davon getragen. Was genau, konnte ich im Wasser nicht erkennen. Im Neoprenanzug wäre das nicht passiert.

Wir beendeten unseren Tauchg… Verdammt! Das war kein Tauchgang! Meine Gedanken schwirrten immer wieder ums Tauchen. Zurück auf dem Boot brauchte man mich nicht auffordern, die Ausrüstung mit Wasser aus einem Schlauch abzuspülen. War doch logisch! Ich mach sowas ja nicht zum ersten Mal.

Wir legten uns auf unsere Plätze und Annette sagte mir, dass ihr der Unterschenkel, wo sie mit dem Riff kollidiert war, immer noch weh täte. Ich sah mir das an und mein innerer Sherlock Holmes wurde wach. „Kombiniere!“, sagte er – obwohl, das ist eigentlich mehr Nick Knatterton – jedenfalls sagte er: „Kombiniere, das war kein gewöhnlicher Zusammenstoß mit einem Korallenriff.“ Annettes Verletzung wies ein Muster auf, es waren Pusteln, die sich über den Unterschenkel verteilten. Sie bluteten auch nicht, die Haut war gerötet und gereizt und Annette meinte, es würde immer noch brennen. Dem Bild nach schloss ich, dass meine Tauchpartnerin Schnorchelpartnerin offenbar nicht mit dem Riff selbst, sondern mit einem Riffbewohner, einer Seeanemone Kontakt gehabt hatte. Das machte mir etwas Sorgen, aber Annette versicherte mir, dass es ihr sonst gut ginge.

Sie wechselte das Thema. Ob ich denn auch den Taucher gesehen hätte. Was für eine Frage! Aber ich merkte, dass da mehr dahinter steckte. Tatsächlich fragte sie mich dann, ob ich nicht neidisch gewesen wäre.  Ich seufzte. Doch, schon. Aber war das nicht verrückt? Wir hatten den Urlaub angetreten, um schwimmen und schnorcheln zu gehen – dann machen wir den Tauchkurs, und schon ist reicht schnorcheln nicht mehr? Das ließ mich etwas bedeckt halten. Doch nur Sekunden später merkte ich, dass ich das gar nicht hätte sein müssen, denn Annette sprach davon, zurück in Deutschland vielleicht doch weiter zu machen. Regelmäßige Trainingstauchgänge im Schwimmbad. Damit wir im nächsten Urlaub alles immer noch beherrschten und nicht ganz so blöd aussahen, wenn wir zum ersten Mal wieder ins Freiwasser gehen würden.

Auf dem Weg zum zweiten Tauchgebiet Schnorchelgebiet gab es Essen. Das brachte uns auf andere Gedanken, es waren einheimische Spezialitäten, die sehr gut waren. Ja, das war wirklich Urlaub. Und wir fanden tatsächlich auch ein paar andere Sachen, über die wir reden konnten. Schließlich erreichten wir das Zielgebiet, wo unser zweiter Tauchgang Schnorchelgang stattfinden sollte. Annette wollte nicht mehr mit. Sie hatte bedenken wegen ihrem Unterschenkel, außerdem war mittlerweile ein kalter Wind aufgekommen und so angenehm das Wasser war, so unangenehm würde es sicherlich hinterher sein, wieder rauszukommen. Und so ganz allein mitgehen? Nö. Ich blieb an Bord und verfolgte den Tauch Schnorchelgang vom Boot aus. Aber wir waren nicht die einzigen, neben uns blieben noch ein paar andere Passagiere.

An der Stelle, an der wir uns befanden, lagerten noch andere Schnorchel …nein, diesmal waren es wirklich Tauchboote. Ich hielt Ausschau, ob vielleicht das Boot von „unserer“ Tauchbasis dabei war, aber ich zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dessen Name vergessen hatte. Nachdem bei uns alle wieder an Bord waren, ging es an den Heimweg. Wieder lagen wir schweigend nebeneinander, denn das Panorama, wenn man sich der Küste des Roten Meeres nähert, war faszinierend, vor allen Dingen, da hunderte von Kite-Surfern unterwegs waren. Als ich die sah, wurde ich an etwas erinnert, das Annette irgendwann, entweder vor unserem Urlaub oder während des Fluges nach Ägypten erwähnt hatte, nämlich dass sie das Kite-Surfen mal ausprobieren wollte. Das hatte sie gar nicht getan. Da wäre ich vermutlich nicht mitgekommen. Ich sah zu Annette, die auf ihrem Platz neben mir lag. Sie hatte ihre Sonnenbrille auf, von daher konnte ich nicht sehen, ob sie die Augen offen oder geschlossen hatte, aber ich fragte mich, was sie wohl dachte. Gerade im Bezug auf das Tauchen. Ihr schien es ja ähnlich zu gehen wie mir, aber wie ähnlich? Was genau dachte ich überhaupt? Oder was fühlte ich? Weitermachen mit dem Tauchen… das fand ich gut. Aber ich erinnerte mich schmerzlich daran, wie wir versucht hatten, uns nur zum Schwimmen zu verabreden und das nicht hingekriegt hatten. Und schwimmen war ja noch einfach. Tauchen, das würde bedeuten, wir müssten uns einen Lehrer organisieren, und Ausrüstung würden wir auch irgendwie leihen müssen. Und wo überhaupt würden wir die Schwimmbadtauchgänge machen können? Wir könnten ja nicht mal eben im Neoprenanzug ins nächste Erlebnisbad stiefeln. Große Hindernisse galt es zu überwinden und ich hatte die Befürchtung, dass wir das so einfach nicht hinkriegen würden. Ich merkte, wie ich melancholisch wurde. Und die Abendstimmung verstärkte das noch. Aber ich behielt es lieber für mich.

Abendstimmung am Roten Meer

Scuba Diver: Der Erhalt des Brevets – Annettes Version

Es war soweit.

Endlich, endlich konnte ich das Wasser verlassen. Gott war ich froh. Runter mit dem schweren Zeugs. In dem Moment war ich wirklich froh, auch wenn ich die kleine, leise innere Stimme, die „schade schade“ sagte, hartnäckig überhörte.

Wir spülten grob unsere Ausrüstung ab, dann machten wir uns zum Imbiss fertig. Wir nahmen auf der Bank unten bei den Tauchflaschen Platz und aßen. Dabei schwärmten wir natürlich von den Delfinen. Die Freude war allerdings recht kurz, denn kaum dass wir den ersten Bissen im Hals hatten, erschien auch unser werter Herr TL wieder auf der Bildfläche. Mit einem riesigen Ordner. Er setzte sich auf den Boden vor uns und erklärte, dass wir mal wieder ein paar Fragen beantworten müssten. Hier möchte ich sagen, unser TL war ein wirklich lieber Kerl. Meine Sorgen, die ich anfangs hatte, hatten sich nicht bestätigt. Mit ihm zu tauchen war toll. Aber so langsam ging mir dieses Fragen-Beantworten auf den Zeiger. Hatte man denn nirgendwo seine Ruhe?

OK. Es verkürzte die Zeit der Rückfahrt. Schließlich legten wir wieder an der Basis an. Wir gaben unsere Tauchausrüstung zurück, dann warteten wir. Wir müssten doch noch zahlen? Unser TL erschien. „So Leute, jetzt müssen wir noch ein Foto von Euch machen. Für Eure Tauchscheine!“

WIE  BITTE? Ich erschrak. Fotogen wie ich nun mal bin… und dann noch nach 2 Tauchgängen! Das Bild, was jetzt entstehen würde, hätte ohne Weiters Platz auf dem RAF-Plakat gehabt. Hatte der Mann denn keine Augen im Kopf? „Muß das jetzt sein?“, widersprach ich vorsichtig. „Können wir das nicht morgen machen?“ Er grinste. Entweder kannte er das Problem der Damenwelt mit den Fotos oder er dachte sich, dass das „Morgen“ bei mir auch nicht mehr viel ändern würde. „Nein, jetzt!“ Er bestand darauf. Klasse.

Zuerst dachte ich, die Kamera sei mit mir gnädig, denn der Akku war leer. Doch ich freute mich zu früh. Tatsächlich besaß diese Basis einen Ersatzakku. Unser TL hatte inzwischen angefangen, unsere Papiere fertig  zu machen, da erschien der freundliche, nicht deutschsprachige Mensch vom Informationsdesk des Hotels. Mit Kamera. Thorsten stellte sich professionell auf, *blitz, und das Bild war im Kasten. Nun war ich dran. Der nette Mensch erklärte mir, dass er die Fotos den Damen hinterher nicht zeigen würde, denn sonst wäre er den ganzen Tag nur am fotografieren. Ein Bild, das wars. Super, dachte ich, dann trifft mich wenigstens zu Hause erst der Schlag. Ich stellte mich auf. *blitz. Ich wollte gehen. „Stop!“, rief der Herr, „I have to take another one!“ WAS? Hatte er nicht gesagt, dass er nur ein Foto…na, ich sah ja bestimmt toll aus. Es lag aber daran, dass ich zu früh weggelaufen war. 😀 Ich ging in die Geschichte ein als Frau, die von TGI Diving zweimal fotografiert wurde!

Die Zeit des Abschieds war gekommen. Natürlich nicht, ohne ein paar Ratschläge unseres TLs. Er erzählte noch eine Menge. Ob wir denn nicht gleich den OWD fertig machen wollten… (NEIN! Ganz sicher nicht!). Es würde uns schon bald auf die Nerven gehen, wenn wir immer einen „Babysitter“ dabei haben müssten… (NEIN! Ist doch gut so!). Schon bald würden wir anfangen, uns unsere erste eigene Tauchausrüstung auszusuchen… (NEIN!  Bin ich Krösus? Das Zeug kann man doch überall leihen!). Wir sollen in Übung bleiben, und wenn es nur Schwimmbadtauchgänge sind… (Was heißt hier NUR? Wer will denn ins Freiwasser?). Außerdem sollten wir uns mal im Bekanntenkreis umhören, es wäre interssant, wieviel Leute tauchen würden von denen wir das gar nicht  wüßten (KENNT er unseren Bekanntenkreis? KEIN Mensch taucht von den Bekannten!).  Schließlich mussten wir uns trennen. Am nächsten Tag sollten wir wieder erscheinen, denn leider hatte die Basis kein Kartenlesegerät für die Kreditkarte, so dass wir das bar bezahlen sollten. Und das Geld mussten wir erst einmal besorgen.

Auf dem Rückweg zum Hotelzimmer fiel eine riesige Last von mir. Ich hatte es geschafft! Ich besaß einen Tauchschein! Auch wenn er beschränkt ist, aber immerhin! Ich schwatze mit Thorsten. Auch er war völlig aus dem Häuschen. Trotzdem wunderten wir uns ein bisschen über die Ratschläge unseres TLs. Eigene Ausrüstung? Als Anfänger? Wo dachte der Mann denn hin?  Ok, einen Tauchomputer könnte man sich vielleicht gönnen, aber sonst… Und in den heimischen Gewässern tauchen? Nie im Leben! Im Bodensee sowieso nicht, da passiert ja ständig was. Zudem kennen wir keinen TL. Schwimmbad, ja. Das könnte man vielleicht noch organisiert kriegen. Vage machten wir beide Andeutungen, dass man ja eventuell nächstes Jahr irgendwo mal eine Woche hinfliegen könnte, in der man dann „auch“ tauchen gehen würde. Ich glaube aber, dass das zu diesem Zeitpunkt eher einfach daher gesagt war. Ohne ernsthaften Hintergrund. Wir waren ja schließlich nicht so hart drauf wie unser Tauchlehrer!

Wir gingen zum Abendessen. Wie sehr wir beide doch in den letzten Tagen angespannt waren, merkten wir erst jetzt. Nach zwei Tagen voller Konzentration und Selbstbeherrschung legten wir sämtliches „gutes Benehmen“, was wir uns in unserer Kindheit antrainiert hatten, ab. Die Kellner waren sicher sehr erstaunt über uns. Wir lachten  uns am Tisch kaputt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Über jeden Blödsinn. Und über reale Situationen. Wir hatten eine Kerze auf dem Tisch stehen. Die fing plötzlich an zu flackern und es drohte, ein Flächenbrand auszubrechen. Hat uns das gestört? Nein! Wir haben uns über die Kerze schief gelacht. Und sind aufgestanden, um  uns Nachschlag am Büffet zu holen! Ich kam als erste vom Büffet zurück und merkte gleich, dass die Kerze ausgetauscht worden war. Schade eigentlich. Wir waren wirklich albern. Und als wir abends auf unserem Balkon saßen, endete das Gelache nicht. Wir hatten den Eindruck, etwas Tolles getan zu haben. Zwar waren wir uns einig, dass wir sicher keine Hobbytaucher würden, die an jedem Wochenende irgendwo anders unter Wasser sitzen,  sondern eher sogenannte „Schön-Wetter-Taucher“, aber das würde uns auch reichen. So im Urlaub mal an ein schönes Riff… mehr braucht der Mensch doch nicht. Und natürlich bei warmen Wasser und guter Sicht.

Wie sehr wir uns täuschten! Oh ja! Das merkten wir erst zwei Tage später… beim Ausflug mit einem Segelboot. Wir hatten eine Schnorcheltour gebucht. Denn das war ja eigentlich unsere Absicht gewesen.

An dem Morgen, als wir zum Schnorcheln gehen wollten, mussten wir noch unseren Tauchschein bezahlen. Unser Hotel hatte einen Geldautomaten, aber leider… konnte man nur 500 ägyptische Pfund auf einmal herauslassen. Das heißt, um das Geld zu holen, mussten wir pro Person 7 Mal an den Automaten! Vor uns war ein Mann, der offenbar auch mehr Geld benötigte. Schließlich drehte er sich entschuldigend um mit den Worten, er müsse Geld für seinen Tauchschein abheben. Wir lachten. Genau das hatten wir ja auch vor. Schließlich hatten wir knapp eine halbe Stunde später unser Geld. Wir gingen zur Tauchschule zurück, um zu bezahlen. Da waren die Taucher. Sie beluden das Boot. Wir setzten uns und warteten auf den „Boss“. Ich ließ meinen Blick schweifen. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte, mich beschlich ein wenig das Gefühl des Neides. Mit Abstand betrachtet war das doch wirklich toll im Roten Meer gewesen. Und die alle durften jetzt tauchen. Hätten wir nicht doch lieber den OWD fertig gemacht?

Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als wir dann wirklich zahlen mussten. Oh weh, war das ein Hick Hack. Der Basisleiter musste die Geldscheine zählen. Er machte fast eine Doktorarbeit draus. Aber schließlich war es soweit. Wir bekamen vorläufige Brevets, PADI würde uns unsere endgültigen Brevets dann zuschicken. Jetzt mussten wir uns wirklich trennen. Ich weiß nicht, wie es Thorsten in dem Moment erging. Wir hatten es eilig, denn der Bus, der uns zu dem Segelboot bringen sollte, würde jeden Moment kommen. Aber Zeit, Bedauern zu empfinden, hatte ich allemal noch…

Scuba Diver: Der Erhalt des Brevets – Thorstens Version

Wir hatten es also geschafft. Aber so einfach wollten wir das dann doch nicht machen. Nein, ein Beweisbild musste schon sein. Leider hatte ich – trotz der wasserdichten Verpackung – meine Kamera nicht auf die Tauchgänge mitnehmen können, da die Hülle nur bis 10 Meter Tiefe dicht hält, wir aber bei beiden Tauchgängen auf 12 Metern waren. Tja, vor dem Urlaub hatte sich das noch so toll angehört, bis 10 Meter Tiefe… tiefer wird man ja wohl kaum kommen. Wir wollten doch nur schwimmen und schnorcheln. So kann man sich irren.

Also wurde meine Kamera von einem Besatzungsmitglied des Tauchboots ins Wasser gereicht und unser Tauchlehrer bot sich an, das Bild von uns beiden zu machen. Nun muss man dazu folgendes sagen: Wir waren beide erledigt, physisch, psychisch und wir hatten gewisse Erfolgserlebnisse gehabt, die uns in eine gewisse Hochstimmung versetzten. Vielleicht war auch noch der Reststickstoff für letztes mitverantwortlich, wer weiß. Jedenfalls meinte unser Tauchlehrer, uns mit einem flotten Spruch zum Lächeln zu bringen fürs Foto. Er visierte uns an und meinte: „So, und jetzt sagt mal ‚Steuerrückerstattung‘!“

Zu viel des Guten - "lächeln", nicht "sich ausschüten vor Lachen"!

Sie finden das jetzt nicht soooo witzig? Mag sein. Aber wie gesagt, in der Situation, in der wir waren, brach es einfach aus uns heraus. Ich glaube, ich hätte in dem Moment alles lustig gefunden, selbst wenn der Tauchlehrer sowas gesagt hätte wie „Hinter Euch ist ein Hai!“ Aber er war gnädig und machte noch eins.

Summon the Heros!

Na gut, ich lächelte nicht so arg, weil mich die Sonne genau blendete, aber trotzdem, das Bild hat was. Der Beweis, dass wir wirklich tauchen waren. Na ja… okay… nicht wirklich ein Beweis fürs Tauchen, aber egal. Zumindest ein Beweis, dass wir Neoprenanzüge angehabt hatten und im Wasser waren. Dann raus aus dem Wasser, raus aus den Klamotten, fertig für heute.

Fertig für heute? Nein, nicht ganz. Theorie war nochmal angesagt, respektive das Abfragen derselben, Erklärungen und natürlich die obligatorische Tauchgangsnachbesprechung. Aber zuvor hatte ich noch eine Begegnung, die mein geistiges Fassungsvermögen etwas überstieg. Es waren sehr viel Eindrücke gewesen, die ich an diesem Tag gesammelt hatte. Und dann, gerade als ich wieder mal trocken und in „Zivilkleidung“ war, stürmte die Schweizerin auf mich zu und fragte mich aufgeregt: „Did you see the dolphins??“

Vermutlich setzte ich in dem Moment einen der dämlicheren Gesichtsausdrücke auf, über die ich verfüge. Das war etwas zu viel – eine Schweizerin, die sich in Ägypten mit mir – einem Deutschen – auf Englisch unterhält? Verstand, bitte hilf mir!

Nö, keine Lust. Sieh doch selbst zu, wie Du klarkommst! Ich hab heute schon genug gearbeitet!

Zum Glück kam unser Tauchlehrer dazu. „Die beiden wissen noch gar nicht, was sie für ein Glück gehabt haben“, meinte er. „Der zweite Tauchgang, und schon kriegen sie Delfine aus der Nähe zu sehen.“ Und einer der anderen Taucher, der mit dabei stand, meinte: „Stimmt, ich habe schon über hundert Tauchgänge hinter mir, und das ist das erste Mal, dass ich Delfine sehe.“ Wow. Zu mehr war ich in dem Moment nicht mehr fähig.

Irgendwann waren wir zurück an der Basis und der Tag neigte sich dem Ende zu. Aber Moment! Erst mussten noch Bilder gemacht werden für unser Brevet. Bilder? Ich sah bestimmt furchtbar aus. Tat ich auch. Und das Bild ist jetzt auf meinem Tauchschein drauf. Ganz Klasse. Ich lächle zwar freundlich, sehe aber aus, als ob ich in einen Fallwind geraten wäre. Und es gab keine Gnade – keine Wiederholung. Das erste Bild wurde genommen. Anders bei Annette. Ja, Madame hat mal wieder eine Extrabehandlung bekommen. Sie wurde zweimal fotografiert.

Zuletzt saßen wir an einem Tisch vor der Tauchbasis und bekamen unsere vorläufigen Brevets ausgehändigt. Wir hatten die Ausbildung bestanden und dürften von jetzt an tauchen gehen. Zum Beispiel auch zu Hause in Deutschland. Aber nicht doch… wer will das denn? Und dann gab uns unser Tauchlehrer noch ein paar Weisheiten mit auf den Weg.

  • Wollt Ihr nicht die nächste Stufe, den „Open Water Diver“, gleich noch mitmachen? – Ach ne, warum denn? Außerdem ging sich das zeitlich nicht mehr aus, wir hätten zwei Tage gebraucht, aber schon eine Schnorcheltour gebucht, und nach der Tour hätten wir nur noch einen Tag gehabt.
  • Es wird Euch aber bald nerven, „nur“ Scuba Diver zu sein und immer so einen Aufpasser dabeihaben zu müssen. – Nein, nein, ist schon ganz okay so, da ist wenigstens immer einer dabei, der Ahnung hat.
  • Ihr werdet bald anfangen, Eure eigene Ausrüstung anzuschaffen. – Wie kommst Du denn da drauf? Das Zeug kann man doch überall mieten, wer braucht denn schon eine eigene Ausrüstung, wenn man nur als Urlaubstaucher unterwegs ist? Na ja, vielleicht so ein paar Kleinigkeiten, wo’s schon nicht schlecht ist, was eigenes zu haben, aber sonst… nein.
  • Ihr solltet unbedingt auch in Deutschland weitermachen mit dem Tauchen, und sei es im Schwimmbad. Besser aber im Freiwasser. – Freiwasser? Du meinst, in Deutschland in so ’nen See? Trübe, kalt – nein Danke! Schwimmbad, okay. Mal sehen, was wir da hinkriegen. Vielleicht.

So gingen wir in unser Hotelzimmer zurück, machten uns etwas frisch und gingen direkt zum Abendessen. Im Gegensatz zu dem Zeitpunkt nach dem ersten Tauchgang hatten wir nun unsere alte Form wieder und redeten, was das Zeug hielt.  Wir könnten ja, schlug Annette vor, im darauffolgenden Jahr wieder einen gemeinsamen Urlaub machen und uns einen Ort aussuchen, wo es auch Tauchreviere gibt. Dann könnten wir schwimmen, schnorcheln und tauchen. Ich weiß noch genau an welcher Stelle das war: Unsere Hotelanlage war weitläufig mit vielen Wegen und Brücken. Von unserem Bungalow aus den „Hauptweg“ entlang kam man schließlich auf eine Kreuzung, von wo aus man entweder weiter in Richtung Strand und Tauchbasis gehen konnte (nach rechts) oder auf eine Brücke zu, die direkt zum Hauptgebäude führte, wo sich das Restaurant befand (nach links). Genau an der Kreuzung war es. Ich weiß das deswegen noch, weil ich begeistert von der Idee war. Manche Situationen speichern sich bei mir sehr deutlich im Gehirn ab, so auch diese.

An diesem Abend beim Essen wurde, so kann man das sicherlich sehen, der Grundstein für die Webseite der „Flat Flute Divers“ gelegt (Sie baden gerade Ihre Hände drin. – Im Internet? – Nein, bei den Flat Flute Divers!). Aber zu dem Zeitpunkt ahnten wir das noch nicht. Dadurch, dass wir jetzt fertig waren mit dem Tauchschein, fiel der Druck der letzten zwei Tage von uns ab und wir waren stolz auf unsere Leistungen. Und was machten wir? Wir wurden albern. Am Tisch malten wir uns Szenen aus, etwa wie unser Tauchlehrer an uns verzweifelt und ähnliches – und lachten uns darüber kaputt. Wir lachten über uns selbst. Darüber, wie wir uns angestellt hatten und wie wir uns wohl noch anstellen werden, wenn wir nächstes Jahr wieder aufkreuzen, so als Urlaubstaucher, und was unser Tauchlehrer dann sagen würde… „hm, ja toll, Leute, Ihr habt zwei Tauchgänge im Meer von Eurem Scuba-Diver-Kurs und zwei anschließend im Schwimmbad, und das innerhalb eines Jahres, suuuuuper!“ Überhaupt, unser Tauchlehrer. Der arme Kerl hat für mehr als eine ausgedachte Szene herhalten müssen, wie er an uns (und unseren nicht vorhandenen Fähigkeiten) den Glauben an die Menschheit verliert.

Wir waren so albern, dass nicht mal die Tatsache, dass uns fast der Tisch abgebrannt wäre, aus der Ruhe brachte. Im Gegenteil, wir fanden das ziemlich witzig. Nach dem Essen saßen wir noch auf dem Balkon unseres Bungalows, und noch immer lachten wir uns kaputt. Schön, das hatten wir also geschafft. Wir hatten tatsächlich einen Tauchschein gemacht. Jetzt wollten wir uns noch auf ein paar schöne Tage mit Pool und Schnorcheln konzentrieren, bevor es auch schon wieder heimging ins kalte Deutschland (es war ja immerhin November).

Wir mussten aber noch den Tauchkurs zahlen. Dazu mussten wir zweimal wiederkommen. Denn die Tauchbasis sollte ein neues Kreditkartenabrechnungssystem erhalten. „In 24 hours – Egyptian time!“, hatte der Leiter der Tauchbasis gesagt, deswegen waren wir nochmal wieder gekommen. Nun heißt der Zusatz „Egyptian time“, dass man nicht davon ausgehen konnte, dass die Zusage, etwas sei innerhalb von 24 Stunden gemacht, auch bedeutet, dass es sich dabei um 24 Stunden handelt, wie sie man sie mit einer präzis funktionierenden Uhr misst. Mehr so eine Uhr, die sich grob nach dem Wasserstand des Roten Meeres richtet. Jedenfalls bescherte uns das noch einen Besuch an der Tauchbasis, da wir dann das Geld vom Automaten holen mussten, um bar zu zahlen. Das war schon komisch, da wieder hinzugehen. Wir wurden freundlich begrüßt und sogar gefragt, ob wir nicht mitkommen wollen auf die heutige Tour. Nein, wir hatten doch das Schnorchelpaket gebucht und schon bezahlt.

Während wir dann in der Hotelhalle saßen und darauf warteten, dass unser Transfer zur Schnorcheltour kommen würde, schlich sich bei mir ein merkwürdiger Gedanke ein. Ich stellte mir vor, wie es wohl wäre, wenn unser Tauchlehrer plötzlich vorbeikommen und freudestrahlend verkünden würde: „He Leute, das Schiff von Eurer Schnorcheltour hat Mast- und Schotbruch, die Tour ist abgesagt. Aber Ihr könnt stattdessen bei uns mitkommen zum Tauchen!“ Ich wischte den Gedanken bei Seite. Unser Tauchlehrer würde so oder so nicht vorbeikommen, der hatte uns nämlich erzählt, dass er direkt im Anschluss an unseren Kurs als Begleiter auf eine Safari gehen würde.

Dann kam unser Bus. He, Hauptsache, raus aufs Meer… schwimmen, schnorcheln… ist doch auch was.

Scuba-Diver: Oberflächenpause und zweiter Tauchgang – Annettes Version

Wir waren gücklich aufgetaucht. Unverletzt. Unbeschadet. Wer hätte das gedacht!

Als ich die Treppe zum Tauchboot hochstieg nahm man mir die Flasche aus der Halterung. Oben angekommen entledigten wir uns erst mal der Tauchklamotte. Jetzt war relaxen angesagt. Wir sollten etwas essen, in der Zeit würden wir den zweiten Tauchplatz ansteuern, dann wäre der zweite Tauchgang dran.

Ich hatte diese Pause mehr als dringend nötig. Der Tauchgang an sich hatte mich nicht körperlich müde gemacht. Aber ich hatte meine „geistige Arbeit“ unterschätzt. Tatsächlich hatte mich das viele Denken und das Überwinden derart viel Kraft gekostet, dass ich ohne Umwege sofort in die Tiefschlafphase hätte übergehen können. So bin ich. Wenn ich geistig erschöpft bin, brauche ich Schlaf. 😀

Und den wollte ich auch. Das Essen interessierte mich nicht die Bohne. Thorsten wohl auch nicht. Wir stiegen aufs Deck, und ich legte mich auf einer Bank lang. Selbstverständlich als harmlose Sonnenanbeterin getarnt. Mußte ja keiner wissen, was in mir vor ging. Kaum hatte ich wohlverdient meine Lider von innen betrachtet da erklang schon die stets fröhliche Stimme unseres TLs. „Debriefing, Leute!“ De…was? Ach ja. Immer dieses Neudeutsch! Tauchnachbesprechung!

Ich hielt die Augen geschlossen. Unser Tauchlehrer hatte nicht wirklich viel an uns auszusetzen. Das war okay. Also hatte er nichts von meinen „Schwächen“ mitbekommen. Sehr gut. Er fügte noch hinzu, dass der nächste Tauchplatz ein (wrackfreies) Riff sei, und dass wir dort unsere Übungen machen würden. Aha. Darüber könnte ich nachher nachdenken, beschloss ich. Erst mal Ruhe.

Unser TL ging. Aber nicht lange. Nach zwei Minuten stand er wieder da. Ich wollte mich gerade fragen, ob er eigentlich kein zu Hause hätte, da rückte er mit der Neuigkeit heraus: „Planänderung, Leute! Wir waren hier länger als wir sein wollten (ganz meiner Meinung…) und daher steuern wir sofort den nächsten Platz an, gehen runter, und essen tun wir dann auf der Rückfahrt!“

Nachdem ich meine Ruhephase in Gedanken gestrichen hatte, ging es wieder treppab. Der nächste Tauchplatz war ganz in der Nähe. Ich zwängte mich in den nassen, kalten Neopren. Huh, war das ekelig. Dann ging es los.

Dieses Mal klappte alles problemlos. Thorsten sprang von der Plattform, und ich tauchte ab. Ohne mich ans Seil zu klammern. Ich kam mir schon vor wie ein Profi. Wir tauchen unserem TL hinterher, der uns zu einem sonnigen Riff führte. Hier war außer uns kein Mensch. Wir ließen uns für die Übungen auf den Meeresgrund sinken. Ich sah nach oben. Und auf  meinen Computer. Wir waren gute 12 Meter unter Wasser. Na, so schlimm ist das doch nicht. Mein Blick fiel auf den Meeresboden. Interessant… es sah aus wie Sand, weißer Sand, den man vom Strand her kennt. Aber… hier war er viel gröber. Ich ließ den Sand durch die Finger gleiten. Da erhielt ich mal wieder einen Stoß. Thorsten versuchte mir mitzuteilen, dass unser TL seit einiger Zeit erfolglos probierte, meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das ist auch so eine Sache. Ich lasse mich zu sehr von der Umgebung faszinieren.

Jetzt konnten wir aber endlich beginnen. Die Anfänge klappten ganz gut. Dann passierte es:

Ich sollte die Brille fluten und ausblasen. Ich ließ Wasser in die Brille, da merkte ich, dass ich unpassenderweise niesen musste. Einen dümmeren Zeitpunkt hätte ich mir gar nicht aussuchen können. (Für die Könner: Nein, ich hab kein Wasser in die Nase bekommen! Ich musste einfach nur niesen!). Mir schossen Gedanken durch den Kopf. Ich musste innerhalb einer Sekunde handeln, das war mir klar. Aber… wie ist das? Wenn man niest? Man holt tief Luft! Über den Mund? Oder reflektorisch auch über die Nase? Das wäre ja schlecht, denn meine Nase badete gerade im Meerwasser. Und wenn ich jetzt niese? Beschleunige ich den Regulator nicht auf 100 km/h und spucke ihn jemand anderen ans Hirn? Ich musste diesen blöden Niesreflex unterdrücken, soviel war klar. Und zwar schnell.

Ich sprang aus dem Schneidersitz auf die Knie und „rollte“ mich ein. Mit der rechten Hand presste ich mir den Regulator in den Mund (ja nicht verlieren, falls ich doch niesen muss), konzentrieren!!!! konzentrieren!!! Ja nicht über die Nase Luft holen, mit der linken Hand wollte ich mir gerade an die Nase fassen, um das versehentliche Luftholen zu unterbinden, da spürte ich die Hand meines werten TLs auf meinem Arm. Nett gemeint. Entweder wollte er mich beruhigen, oder er wollte mich festhalten für den Fall, dass ich nach oben preschen will. Aber leider hinderte er mich daran, mir die Nase zu zu halten. Ich versuchte, ihm meinen Arm wegzureißen, aber dummerweise war er den Umgang mit mir inzwischen gewohnt. Der Griff blieb eisern. Ich weiß nicht warum, aber auf einmal war der Niesreflex weg. Gott sei Dank. Ich konnte die Brille ausblasen und dann war die Welt in Ordnung.

Eine nicht ganz ungefährliche Situation. Aber ich bin stolz, dass ich sie so gemeistert habe. Und wisst ihr warum? Ich habe in dem Moment wirklich nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, panisch nach oben zu steigen. Nicht eine Sekunde.

Nachdem wir unsere Übungen beendet hatten, durften wir noch ein bißchen „herumtauchen“. Doch bevor es dazu kam, hatten wir noch ein Erlebnis der besonderen Art. Zwei Delfine kamen angeschwommen. Sie umkreisten uns und hielten an, neugierig um zu sehen, wer wir waren. Unser TL fing an, die Tiere zu animieren, und tatsächlich, ein Delfin schwamm direkt auf uns zu und tauchte zwischen uns durch. Der andere, ebenfalls neugierig, schwamm zu der Stelle, an der wir gesessen hatten und wühle mit der Schnauze auf dem Boden herum. Offenbar wollte er „nachgucken“, was wir dort getrieben hatten.

Dann schwammen sie weiter. Leider. Nun ja. Unser TL winkte uns zum Riff. Dort sahen wir „Nemo“, einen kleinen Clownfisch, der aus einer Ritze kam. Er legte den Kopf schräg, erblickte uns und verschwand sofort wieder in seiner Behausung. Er fand uns wohl nicht sonderlich interessant. Ich nutze die Gelegenheit und tauchte ein bisschen weiter. Beim Umdrehen sah ich unseren TL wieder winken. Er wollte uns noch etwas zeigen. Thorsten war bereits vor Ort. Ich wollte ebenfalls sehen, was da los war, befand mich aber ein Stück weiter über den beiden. Ich ließ Luft aus dem Jacket und tauchte ab, merkte allerdings, dass das zu schnell ging. Um nicht den beiden Herren „auf der Nase herumzutanzen“ ließ ich wieder Luft rein, um meinen Abstieg abzubremsen. Was es dort zu sehen gab, hab ich nie erfahren, dank meiner professionellen Tarierkünste entging mir dieses Ereignis.

Schließlich war das Ende des Tauchganges nahe. Wir mussten noch den kontrollierten Notaufstieg üben, aber das wollte der TL mit jedem einzeln tun. Daher ließ er mich am Abstiegsseil „hängen“ und stieg mit Thorsten auf.Fla ( Ich „Angeberin“ hatte nämlich noch mehr Luft in meiner Flasche, die ich für schlechte Zeiten aufgehoben hatte!)Ich baumelte am Seil. Gerade wollte ich mich fragen, wie es mir da unten so ganz alleine denn ging, da kamen die Delfine zurück. Sie entdeckten mich und hielten an. Neugierig beobachteten sie mich, wie ich so alleine da „rumhing“. Schließlich kam der TL zurück und wollte mit mir aufsteigen. Aber ich wollte noch bleiben. Also tat er mir den Gefallen und schaute ebenfalls noch ein Weilchen zu. Nachdem sich die beiden Delfine überzeugt hatten, dass das Alphatier unseres Rudels wieder bei mir war, hielten sie ihre Aufsichtspflicht für überflüssig und begannen mit der Balz. Dazu drehte sich ein Tier auf den Rücken, das andere schwamm direkt drüber und streichelte seinen Artgenossen mit den Flossen.

Schließlich musste ich mich doch losreißen. Ich stieg mit meinem TL auf. Oben angekommen, sollten wir noch die Abschleppübungen machen. Da merkte ich plötzlich, dass mir die Ruhe, die ich dringend vorher gebraucht hätte, jetzt fehlte. Ich spürte, dass ich unkonzentriert wurde und eigentlich den Wunsch hatte, so schnell wie möglich aus dem Wasser zu kommen. Ich war müde. Totmüde, um genau zu sein. Und… interessanterweise, hatte ich über Wasser plötzlich den Eindruck, dass ich Luftnot hatte. Schwachsinn, ich hatte meinen Schnorchel und meinen Regulator, und selbst wenn mir die Wellen ins Gesicht schlugen, ich konnte doch problemlos atmen. Sagte ich mir. Trotzdem ließ mich das Gefühl nicht los, dass ich mich irre anstrengen musste, um über Wasser zu bleiben. Dabei konnte ich nicht untergehen. Es ging nicht! Also kratzte ich mein letztes bißchen Vernunft zusammen und machte die Übungen mit. Da bekam Thorsten noch einen Wadenkrampf. Aber auch das Problem bekamen wir in den Griff. Und jetzt durften wir endlich aus dem Wasser. Ich ließ mich von der Taucherboje zum Boot ziehen. Nach außen hin sah es so aus, als ob ich Spaß daran hätte, die Leute vom Boot lächelten mir zu. Innerlich war ich gottfroh, dass ich nicht schwimmen musste. Ich wollte nur noch raus. Raus raus raus!

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