Autor: Thorsten Reimnitz (Seite 183 von 200)
Meine Bedenken zum Tauchen waren im Lauf der Zeit zu einer stattlichen Sammlung angewachsen. Nicht ungefährlich, klar. Besonders am Bodensee. Kaltes Wasser. Das Anschaffen der Ausrüstung verschlang ein Vermögen.
Dann jedoch kam der Moment, in dem das alles herausgefordert wurde. Eines Abends in der Haupthalle unseres Hotels saßen wir da und warteten, dass das Abendessen-Buffet eröffnet werden würde. Es arbeitete in Annette, das konnte ich sehr deutlich merken, wusste aber nicht genau, wieso. In der Hotelhalle, genau vor dem Buffet-Restaurant, stand eine Reihe von Tischen. An einem konnte man eine Immobilie in El Gouna käuflich erwerben, an einem anderen hatte die Tauchbasis des Hotels ihr Lager aufgeschlagen und versuchte, Ausflüge und Kurse an den Mann (und die Frau) zu bringen. Annette hatte sich ein Prospekt von der Tauchbasis geholt und studierte es. Plötzlich drehte sie sich zu mir um.
„Wolltest Du nicht auch schon immer mal tauchen lernen?“
Was bitte? Bevor ich meinen Katalog mit allen möglichen Bedenken auspacken konnte, fragte sie mich, ob ich wüsste, was bei den ganzen Tauchscheinen, die man machen kann, denn der Unterschied sei. Ja nun, äh… keine Ahnung. Ich hatte mich mit dem Thema zwar beschäftigt, aber so tief war ich in die Materie dann doch nicht eingedrungen. Annette jedoch wollte sich erkundigen und ging herüber zum Tisch der Tauchbasis, um mal nachzufragen. Ich war etwas verwirrt. Worauf lief das jetzt raus? Von schwimmen war die Rede gewesen vor unserem Urlaub, vom Schnorcheln… was sollte das werden? Annette kam kurz darauf zurück und hatte – offenbar unfreiwillig – einen Typ von der Tauchbasis im Schlepptau. Nachdem sie über eine Teppichkante gestolpert war, schaffte er es auch, sie einzuholen. Dann erklärte er uns, was genau der Tauchschein „Scuba Diver“ beinhaltete: Tauchgänge sind beschränkt auf eine Tiefe von 12 Metern und nur in Begleitung eines „Professional“, sprich: eines Tauchlehrers. Schön, jetzt wissen wir das ja. Und jetzt geh sch…
Hallo!
Was? Wer spricht da?
Hier spricht Dein Tatendrang. Wenn Du so fasziniert vom Tauchen bist, warum probierst Du es nicht mal? Jetzt hast Du die Chance dazu.
„Ich mach den Scuba Diver!“, verkündete Annette in dem Moment. „Machst Du mit?“
Na siehst Du. Und schon hättest Du die passende Partnerin dazu.
Was mich in dem Moment noch zögern ließ, verstand ich erst später vollständig. Mein ganzes Leben lang hatte ich mich auf eine bequeme Position zurückgezogen, was das Tauchen betraf. Immer hatte ich Gründe in den Vordergrund geschoben, warum es besser war, das nicht anzufangen. Gefahr, Kälte, Geld… Aber so? Hier in Ägypten könnte man es wenigstens mal soweit ausprobieren, dass man wirklich sagen konnte, ob es etwas für einen war oder nicht. Aber wie es so ist, der Rückzug auf die bequeme Position war eine alte Gewohnheit, und mit alten Gewohnheiten bricht man nicht so leicht. Auch wenn man spürt, dass eigentlich nur etwas Gutes dabei herauskommen kann. Man möchte den „sicheren Hafen“ lieber nicht verlassen. Annette merkte das und bohrte nach. Dabei konnte ich ihr zu dem Zeitpunkt nicht mal genau sagen, was mich zögern ließ. Mir fehlte der Einblick.
Komm schon, hör auf Deinen Tatendrang!
Was ist mit meinen Bedenken?
Oh, das ist kein Problem. Courage und ich, wir haben die Bedenken überwältigt, gefesselt und geknebelt. Die melden sich so schnell nicht wieder.
„Thorsten, man lebt nur einmal“, hörte ich Annette in dem Moment sagen. „Wenn du das genauso willst wie ich, dann mach es doch einfach. Was sollte dich denn daran hindern?“ Und sie streckte mir die Hand hin. Das war ein Wort. Ich nahm sie an und wir sprangen auf, um uns am Tisch der Tauchbasis für den Kurs anzumelden. Der junge Mann rechnete im Kopf durch. Wir sollten am nächsten Tag zur Tauchbasis selbst gehen und uns anmelden. Einen Tag später würde der Kurs selbst losgehen.
Wollte man unseren Zustand beschreiben, so ist „elektrisiert“ sicherlich das richtige Wort. Tatsächlich blieben meine Bedenken stumm. Wir überlegten uns, ob wir wohl die Schweizerin als Lehrerin bekommen würden und stellten fest, dass wir schon wieder die gleichen Gedanken gehabt hatten – die hatte eine angenehme, ruhige Art an sich, da wäre das sicherlich kein Problem für uns. Doch erstmal stand die Theorie an. Und die kam schneller, als wir gedacht hatten. Am nächsten Tag gingen wir gleich nach dem Frühstück zur Tauchbasis, kämpften uns durch die Anmeldeformulare, bevor es hieß: „And now theory!“ Damit begann alles einen Tag früher als wir gedacht hatten.
Tatsächlich hatte das was von Schule, als man uns die Lehrfilme über das Tauchen vorführte, insgesamt über zwei Stunden. Erfreulich für mich war, dass das meiste in der Theorie eigentlich Wiederholung dessen war, das ich schon gelernt hatte im Zusammenhang mit Tauchnotfällen, gerade was physikalische Vorgänge betraf. Da Annette und ich beide aus dem medizinischen Sektor kommen, sind uns gewisse Dinge sowieso eher vertraut. Dummerweise eben gerade die Negativen, aber dazu kommen wir noch.
Ausgerüstet mit dem Lehrbuch für den Kurs kehrten wir in unseren Bungalow zurück und fingen an, das gesehene zu verarbeiten, soweit uns das möglich war. Die Sache ist nun mal die, dass man das Tauchen nicht nur mit Theorie lernen kann. Man muss sich auch gewisse Fertigkeiten aneignen. Und der erste Pool-Tauchgang sollte schon an gleichen Nachmittag stattfinden. Dazu sollten wir etwas früher zur Tauchbasis zurückkehren, denn wir mussten noch die richtige Ausrüstung finden, Neopren-Anzug, Tarier-Jacket… all sowas.
Beim Nachlesen im Buch fielen mir besonders wiederum ein paar negative Dinge auf. Stichworte wie „Luftembolie“, „Lungenriss“ oder „Barotrauma“. Und auf einmal hörte ich eine leise Stimme in meinem Hinterkopf.
Worauf hast Du Dich da eingelassen?
Oh, hallo Bedenken. Habt Ihr Euch befreien können?
Aufgrund extremer Regenfälle ist es in mehreren Gebieten von Österreich zu Überschwemmungen gekommen und mehr als 60 Straßenverbindungen mussten daher gesperrt werden. Da sich die Situation laufend ändert, sollten Sie sich vor Antritt einer Reise genauestens informieren. Der österreichische Automobilclub ÖAMTC hat zu diesem Zweck eine Webseite eingerichtet, die laufend aktualisiert wird. Diese finden Sie hier: ÖAMTC Verkehrsservice.
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[singlepic id=189 w=320 h=240 float=left]Die Eislaufshows laufen seit vielen Jahren regelmäßig im Europa-Park. Im Lauf der Zeit entwickelte sich die Show immer mehr, das Eislaufstadion wurde in den griechischen Themenbereich integriert und entsprechend gestaltet. Die aktuelle Show, „Dreamotion“, wurde von Francis Demarteau choreographiert, der seit 2007 für den Europa-Park arbeitet.
Waren die ersten Shows ausschließlich auf Eiskunstlauf ausgerichtet, so hat sich das in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Wartezeit auf den Beginn der Vorführung wird von einem brasilianischen Künstler verkürzt, der es versteht, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Und auch dieses Jahr gibt es Nummern, die über im wahrsten Sinne des Wortes „über das Eis“ hinaus gehen, wie etwa die „Strapatenartistik“ von Fiona Kirk und Volodymyr Khodakivskyy. Die beiden Künstler hängen dabei an Seilen unter der Kuppel des Eisstadions, ohne Sicherung und ohne Netz. Außerdem gibt es eine Nummer des Artisten Maxim Popazov, die sich, wie ich mir erklären lassen musste, „Handstandequilibristik“ nennt, und die auf einer kleinen Extrabühne gezeigt wird.
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Auch die Eislaufnummern zeugen von hohem Können und die Nummern reichen von Einzelläufern bis zu Gruppen, mal faszinierend anzuschauen, mal witzig. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurde bei der musikalischen Untermalung eine leichte Änderung vorgenommen und zumeist auf instrumentale Stücke zurückgegriffen, wie etwa den Soundtrack des Disney-Films „Mulan“. Von anderen Stücken wurden spezielle Versionen verwendet, ich persönlich habe lediglich „You’re my first, my last, my everything“ von Barry White in der Originalversion wiedererkannt. Die Show bedient Eislauf- und Artistikfreunde gleichermaßen. Die halbe Stunde, die sie dauert, bietet gute Abwechslung und ist sehenswert.
Unser Urlaub in Ägypten sollte mit einer Zugfahrt beginnen. Und ich mag Zugfahrten, auch wenn ich immer wieder feststellen muss, dass was die Anbindung ans Schienennetz betrifft, mein derzeitiger Wohnort Brachland ist. Also wollten wir von Überlingen aus fahren… Pustekuchen. Genau an dem Tag war „Schienenersatzverkehr“ eingesetzt, weil die Strecke von Überlingen nach Singen (wo wir in Richtung Stuttgart umsteigen mussten) wegen Bauarbeiten gesperrt war. Aber zum Glück hatte ich eine freundliche Kollegin, die uns gleich bis nach Singen fuhr. Na, dann aber!
Auf dem Stuttgarter Flughafen war ich erst einen Monat zuvor gewesen, weil ich den Norden unserer Republik besucht hatte. Und siehe da, der Flughafen sah immer noch so aus wie damals. Wie langweilig. Selbst die nervtötenden Werbeleute, die einem unbedingt eine weitere Kreditkarte aufschwatzen wollten, waren noch da. Ich glaube, es waren sogar die gleichen Leute, die auf den gleichen Positionen standen. Annette und ich erreichten jedoch unbehelligt unseren Schalter zum Check-In. Vor uns in der Reihe stand eine Gruppe von Leuten, vielleicht vier oder fünf Personen, die offenbar zusammengehörten. Jeder von denen hatte neben dem Handgepäck und einem Koffer noch ein weiteres Gepäckstück. Auf letzterem waren groß Markennamen und manchmal auch ein Werbespruch abgedruckt, sowas wie „Mares – Just add Water!“ oder „seaQuest“. Offenbar Taucher. Das Rote Meer ist eine beliebte Tauchregion. Und nach den Wortfetzen, die zu uns herüberdrangen, unterhielten sie sich gerade über irgendwelche Tauchgänge. Tja.
Wie, „tja“? Das mögen Sie sich jetzt fragen. Und ich kann nur antworten: Ja – tja! Irgendwie war da zwar immer noch das leichte Gefühl der Faszination, aber hatte ich nicht für mich beschlossen, dass das alles zu gefährlich ist? Darauf werde ich noch zurückkommen, für den Moment jedoch hatte sich das Thema erledigt. Wir checkten ein, mussten unser Gepäck in der Sperrgepäck-Abteilung abgeben und überlegten uns, was wir mit der verbliebenen Zeit bis zum „Boarding“ machen sollten. Die Taucher hatte ich da schon wieder vergessen. Überhaupt, wer will den gleich tauchen lernen? Schnorcheln reicht doch auch.
Nun waren wir schon den ganzen Tag unterwegs gewesen und noch nicht so richtig gegessen. Bis wir an Bord des Fliegers kämen, würde es noch etwas dauern. Und mal ganz davon abgesehen würde die Essensausgabe dort nicht in der Sekunde beginnen, da die Räder den Boden nicht mehr berührten. Es galt also, Zeit zu überbrücken – und es fiel eine folgenschwere Entscheidung: Wir gingen in einen Fastfood-Tempel, um den Göttern des Frittierens ein Speiseopfer darzubringen. Sprich, wir nahmen ein Menü mit reichlich Fett zu uns. Annette noch mehr als ich (was sich im Nachhinein als Glücksfall für mich herausstellte), denn sie nahm irgendwas mit Käse. Ich jedoch mag Milch eher, wenn sie nicht durch das absichtliche Hinzubringen von Bakterien zum Verderben gebracht wird.
Übersättigt für den Moment ging es an Bord, durch die Sicherheitskontrolle. Und obwohl ich diesmal sogar meinen Gürtel ausgezogen hatte, piepte das blöde Teil und ich musste mich einer persönlichen Kontrolle unterziehen. Waren da etwa Schrauben in unserem Essen gewesen?
Der Flug war relativ unspektakulär, doch leider war es bereits stockfinster, als wir in Hurghada landeten. Und unser Hotel lag in El Gouna – das ist nördlich von Hurghada, eine halbe Stunde Busfahrt vom Flughafen entfernt. Noch dazu war unser Hotel das letzte, das angefahren wurde. Es war ziemlich spät, als wir dort endlich eintrafen. Allerdings wurden wir durch das Hotel selbst völlig entschädigt, zumindest soweit wir das sehen konnten ob der Dunkelheit. Wir wurden im Golfwagen zu unserem Bungalow gefahren, und der war ein Traum. Wir hatten einen Glücksgriff getan!
Allerdings stellte sich dabei schon eine Tücke der Anlage heraus – man konnte sich dort verlaufen. Okay, sagen wir, wir konnten uns dort verlaufen. Zu unserer Verteidigung: es war Nacht, es war dunkel und wir waren müde. Wir wollten eigentlich nur von unserem Bungalow zurück zum Haupthaus, wo es im Hauptrestaurant noch ein „Spätbuffet“ geben würde. Ja, schon wieder essen! Wir hatten Urlaub, was soll’s? Und nachdem wir unfreiwillig verschiedene Wege durch die Hotelanlage erkundet hatten (die sehr schön mit Pflanzen angelegt waren und über verschiedene Brücken gingen), fanden wir unser Ziel auch.
Am nächsten Morgen ließ mich mein Darm wissen, dass es eine im wahrsten Sinne des Wortes „beschissene“ Idee gewesen war, zuerst in Deutschland sich das Fastfood zu geben (das in dem Fall seinen Namen tatsächlich verdient hatte, „fast food“ = „schnelles Essen“, denn die Zeit drängte irgendwann und wir mussten uns beeilen), um dann noch Spätnachts was zu essen. Aber mein Darm war gnädig, er schien sagen zu wollen „mach das ja nie wieder!“, und blieb dann ruhig. An diesem Tag wollten wir gleich mal das Schwimmen im Roten Meer ausprobieren, und hatten auch hier Glück. Wir traten aus unserem Bungalow heraus, stolperten über ein Blumenrabatt und waren schon am Hotelstrand, der mit allem Komfort und -zurück ausgestattet war. Das war mal wirklich „Urlaub“.
Dann ab ins Wasser! Im November! Unser Enthusiasmus wurde allerdings etwas gebremst, aus irgendwelchen Gründen war das Wasser hier in Ufernähe recht kalt. Und mit Wassertemperaturen hatte ich auch schon immer ein Problem gehabt. Meine Klassenkameraden sprangen bei 17 ° Wassertemperatur ins Wasser des Bodensees wie nichts – ich brauchte meine Zeit. Na, das konnte ja heiter werden. Vor meinem geistigen Auge sah ich Annette, die mir bereits von einer Mangroveninsel aus zuwinkte, die unserem Badestrand vorgelagert war, während ich mich immer noch Stück für Stück vorarbeitete. Und selbiges war auch noch mit ein Grund, weswegen ich das Tauchen nie angefangen hatte. Die Gestörten gingen ja in richtig kaltes Wasser! Wasser, das gerade mal 11 oder 12 ° hatte! Nein, vielen Dank.
In der Situation drehte ich mich zu Annette um. Sie lächelte mich freundlich an. „Geh doch schon mal vor!“ Bitte? „Ja, ich brauch immer ein bisschen.“ Okay, das passte ja mal wieder, denn da ging es ihr nicht anders als mir. Auf unserem langsamen Weg ins Wasser wurden wir von einer anderen Touristin überholt, die sich einfach in die Fluten stürzte und losschwamm, bis sie die Mangroveninsel erreicht hatte und uns von da aus zuwinkte. Wir bekamen indessen Probleme anderer Art. Der Fischreichtum des Roten Meeres ist legendär, und selbst an jedem einfachen Hotelstrand kann man schon im flacheren Gewässer auf irgendwelche Meeresbewohner treffen. In dem Fall machten wir Bekantschaft mit einer Gattung, die man gemeinhin „Putzerfische“ nennt. Sie kamen und fingen an, an uns herzumzuzupfen. Und in meinem ganz speziellen Fall hätte man diese Tiere auch „Epilierfische“ nennen können, denn sie fingen an, an den Härchen an meinen Beinen herumzuzupfen. Also legten wir einen (kleinen) Schritt zu und irgendwann schwammen wir unsere Runden.
Nach dem Bad lagen wir auf unseren Strandliegen. Es ging nicht lang, und Annette entschuldigte sich, sie müsse mal wohin… Sie erinnern sich an meine obige Anmerkung zu der „beschissenen Idee“? Bei Annette schlug die Fastfood-Sünde völlig durch und setzte sie erstmal außer Gefecht. Essen konnte sie kaum was und den Sicherheitsradius von zwei Metern zur nächsten Toilette sollte sie nicht verlassen. Das hatte natürlich zur Folge, dass ich beim Essen im Restaurant erstmal allein aufkreuzte, wo sich die Kellner rührend erkundigten: „Where’s your wife?“ Ich überlegte kurz, ob ich wohl erläutern sollte, dass wir nicht verheiratet waren, ließ es aber. Darum ging es nicht. Ich erzählte von Annettes Erkrankung, bekam den hoteleigenen Arzt ans Herz gelegt und das Krankenhaus von El Gouna (das, soweit ich informiert bin, nach europäischem Standard eingerichtet sein soll). Und obwohl das nicht gern gesehen wurde, durfte ich sogar Essen vom Buffet aufs Zimmer mitnehmen.
Nachdem Annette zwei Tage später wieder genesen war, konnten wir unseren Urlaub in geplanter Weise fortsetzen. In den zwei Tagen hatte ich die Hotelanlage erkundet und mich auf die Suche gemacht nach einer Möglichkeit, in landnähe zu schnorcheln. Da war nur ein Problem: der Uferbereich war ziemlich flach und man musste recht weit rauslaufen, um in tieferes Gewässer zu kommen. Zwar war direkt neben dem Hotel ein Strand mit einem sehr langen Steg, der bis zum tieferen Bereich ging, aber der war gerade mit dem Hinweis „IT IS NOT SAFE!“ gesperrt. Und wenn in Ägypten irgendwo steht, „IT IS NOT SAFE!“, dann ist das so. Wir beschlossen also, den Hotelpool auszuprobieren und uns nach Schnorchelausflügen zu erkundigen, die irgendwelche Riffe im Roten Meer ansteuerten.
Der Hotelpool war sehr schön hergerichtet und nicht allzu tief. Richtig zum Schwimmen und ein wenig wärmer als das Meer. Und Komfort gab es hier auch. Allerdings kamen auch Vertreter von verschiedenen Veranstaltern her, um den Touristen irgendwelche Betätigungen schmackhaft zu machen. Zum Beispiel Gleitschirmfliegen. Begeistert erzählte uns einer der Werber, dass man hier an einem Fallschirm hängt, der von einem Speedboot gezogen wird. Hier möchte ich darauf hinweisen, dass ich seit frühester Kindheit an Höhenangst leide (behalten Sie das im Hinterkopf, das wird in einem späteren Kapitel nochmal wichtig). Die Aussicht, an einem Fallschirm in fünfzig oder siebzig Metern Höhe zu hängen, der von einem Speedboot gezogen wird, ließ mich nicht gerade spitze Schreie der Begeisterung ausstoßen. „You have a fantastic view!“, wurde mir versichert. Ja, was auch immer. Vielen Dank. Geh scheißen!
Und einmal kam ein Werber von der hoteleigenen Tauchbasis. Was sein Kollege vom Gleitschirmfliegen über die Luft erzählte, erzählte er über die Unterwasser-Welt. Damit traf er meinen Nerv schon eher. Aber so einen Tauchkurs zu machen? „You will see Nemo!“, wurde mir versichert. Der arme Clownfisch… erst darf ein Reh nicht mehr so heißen, sondern wird wegen Disney nur noch „Bambi“ genannt, jetzt heißen alle Clownfische „Nemo“. Ja, was auch immer. Vielen Dank. Geh… ach… hm.
Wie wir dann feststellten, wurde der tiefere Bereich des Pools von der Tauchschule für die Pooltraingsstunden benutzt. Erinnerungen wurden wach an meinen Schnuppertauchgang in Freudenstadt. Hm. Hatte der Werber nicht irgendwas gesagt, es gäbe da auch sowas wie Schnuppertauchen? Ach komm, warum willst Du Dich quälen? Du weißt doch schon, dass es Dir gefallen würde, das „Rumplanschen“ bringt auch nichts. Vergiss es doch einfach. Aber interessant war es schon, den Tauchschülern und ihrer Lehrerin zuzusehen. Diese Lehrerin, das war nicht zu überhören, kam aus der Schweiz. Sie war sehr ruhig und sehr geduldig. Das gefiel mir. Alles wurde erklärt, auch mehrfach, wenn es nötig war. Irgendwann, als Schüler und Lehrerin unter Wasser waren, fragte Annette plötzlich: „Was machen denn die da unten?“ Man konnte nicht viel erkennen, nur dass Schüler und Lehrerin auf dem Grund lagen, einander zugewandt. „Handzeichen üben?“, war meine schwache Vermutung. Das kannte ich noch von meinem Schnorchelkurs und ich wusste, dass Taucher eine ganze Reihe von Zeichen haben, mit denen sie sich verständigen. Ich selbst schwankte innerlich. Noch ein Schnupperkurs? Das erschien mir wenig sinnvoll. Aber dann hätte man wenigstens was besonderes im Urlaub gemacht. Einen „richtigen“ Kurs zu machen, das war hinter einem Vorhang von Bedenken verschwunden. Na ja, wer will den gleich das Tauchen lernen?
„Vier Wochen später las ich in der Illustrierten dann
völlig sprachlos, wie das alles mit mir begann!“
Reinhard Mey: „Die Homestory“
Wenn man den Werdegang betrachten will, wie wir zum Tauchen kamen, muss man natürlich zurückgehen bis an die Anfänge. Unser Tauchlehrer erzählte uns, er hätte schon Tauchschüler gehabt, die sich bis zum Tauchkurs noch nicht mal getraut hätten, den Kopf unter Wasser zu nehmen, aber unbedingt tauchen lernen wollten. Was Annette und mich betrifft, war das ein wenig anders und es ist ein Wunder, dass es so lange dauerte, bis wir dieses Hobby überhaupt anfingen.
Was mich betrifft, irgendwie hatte ich immer schon eine besondere Affinität zum Wasser. 1972 fanden die Olympischen Spiele in München statt und wie man mir berichtete (ich kann mich daran leider nicht mehr so genau erinnern), saß ich im zarten Alter von zwei Jahren mit meiner Mutter vor dem Bildschirm und feuerte Mark Spitz an, den bekannten amerikanischen Schwimmer. Beim nächsten Wannenbad versuchte ich, ihm nachzueifern und durchpflügte die Wanne in einer Art improvisierten Kraulstil. Stolz verkündete ich meiner Oma, die zu dem Zeitpunkt die Badeaufsicht hatte, ich würde schwimmen wie Mark Spitz. Nun war meine Oma während der Olympiade im Krankenhaus gewesen, und damals war es noch nicht so, dass es Fernseher in den Krankenzimmern gegeben hätte. Sie hatte die ganzen Spiele verpasst und wusste daher nicht, wer Mark Spitz war. Und ich war pickiert. Wie konnte sie sowas nicht wissen?
Tatsächlich bekam ich nur wenige Jahre später meine erste Schnorchelausrüstung, an die ich mich noch erinnere, als wär’s gestern gewesen. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es so war, aber ich vermute, sie war ein Merchandise-Artikel der Fernsehserie „Flipper„. Es war eine ovale, blaue Taucherbrille mit durchgehendem Glas, ein blauer Schnorchel und genauso blaue Flossen. Zumindest auf der Taucherbrille, ich glaube aber, auf den Flossen ebenso, war ein Logo angebracht, in dem der Schriftzug „Flipper“ stand. Außerdem benutzen die beiden Jungs aus „Flipper“ immer solche Masken, wenn sie tauchen gingen. Meine neue Ausrüstung eröffnete ganz neue Badewannen-Dimensionen, vom Schwimmbad mal ganz abgesehen. Schließlich auch im Bodensee, denn dort wohnten wir seit dem Jahr in dem besagte Olympiade stattgefunden hatte. Irgendwann jedoch war das Gummi der Maske so brüchig, dass das Maskenband riss, außerdem war sie undicht. Sie ging den Weg allen Irdischen.
Zum ersten Mal – ich war mittlerweile irgendwo zwischen sieben und zehn Jahren alt – erwachte in mir die Faszination für den Tauchsport. Damals lief im Fernsehen (zu einer Zeit, in der es nur ein paar wenige Sender gab) eine Serie, in der die verschiedenen Aspekte des Tauchens abgehandelt wurden, wie es funktioniert, was man so machen und sehen kann und welche Ausrüstung es gibt. Diese Serie verfolgte ich mit Begeisterung, nur die Folge über Tauchunfälle fand ich gruselig. Tauchen ist nicht ungefährlich, das lernte ich damals.
Und wie gesagt, wir lebten am Bodensee. Es verging kein Jahr, in dem nicht über mindestens einen Tauchunfall groß berichtet wurde, noch dazu, da das Gebiet um den so genannten „Teufelstisch“ damals noch nicht gesperrt war und dort immer wieder Taucher verloren gingen. Das flößte mir einigermaßen Respekt vor dem See ein. Meine Oma meinte mal, sie sei immer der Ansicht gewesen, dass ich irgendwann das Tauchen anfangen würde, aber auch sie hätte Sorge gehabt, wenn sie gewusst hätte, ich wäre im Bodensee unterwegs. Nun, immerhin sollte sie spät recht behalten, aber zu den Zeitpunkt leider nicht mehr lang genug leben, um es richtig mitzubekommen.
Zurück in die Vergangenheit: Mein Respekt vor dem Bodensee war groß genug, den Tauchsport nie ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Als Teenager hatte ich dann eine Jugendzeitschrift abonniert, in der es eine Serie über das Schnorcheln gab. Dort wurde einem alles erklärt, wie man mit Flossen richtig schwimmt, Druckausgleich macht… und so weiter. Seit meiner „Flipper“-Ausrüstung hatte ich immer nur Taucherbrillen gehabt, nun war aber wieder eine ganze Schnorchelausstattung fällig. Mit einem Freund erforschte ich die Unterwasser-Welt des Überlinger Strandbad West in Bereichen, wo ich mich sicher fühlte, nicht ahnend, dass dort auch eine junge Dame zum Schwimmen ging, die ich erst etwas später kennenlernen sollte.
Die junge Dame hieß Annette. Anfang der 1990er Jahre traf ich sie zum ersten Mal aus beruflichen Gründen: Ich war Zivildienstleistender beim Rettungsdienst, sie eine Ehrenamtliche. Aber wirklich kennengelernt haben wir uns damals nicht, ich wusste zwar, wer sie war, mehr aber auch nicht. Nach dem Zivildienst machte ich weiter beim Rettungsdienst und musste erst einmal die Ausbildung zum Rettungsassistenten absolvieren. Daher verloren wir uns aus den Augen. Und das Tauchen? Nun, eine gewisse Faszination war geblieben. Auf der Rettungsdienstschule gab es ein paar Pflichtbücher und ein paar „kann man sich anschaffen, wenn man sich dafür interessiert“-Bücher. Die Pflichtbücher bekamen wir natürlich alle. Und von den anderen Büchern schaffte ich mir neben einem fotografischen Atlas der menschlichen Anatomie ausgerechnet ein Buch über Tauchnotfälle an. Auch noch eins, das auf Spezialpapier gedruckt war – es war nämlich eigentlich für Taucher gedacht, die es für den Ernstfall dabei haben sollten (nicht unter Wasser, falls Sie das fragen! Es war aber wassergeschützt, damit ihm Spritzwasser nichts ausmacht).
Dann kam die Prüfungswoche auf der Rettungsdienstschule. Zu diesem Zeitpunkt feierte das Panorama-Bad in Freudenstadt gerade ein Jubiläum. Freudenstadt lag in der der Nähe der Rettungsdienstschule und ein paar der Azubis gingen eines Nachmittags zum Schwimmen. Just an diesem Nachmittag veranstaltete die örtliche DLRG im Hauptbecken des Bads ein „Schnuppertauchen“. Und diesmal packte es mich, es endlich mal auszuprobieren. Es war faszinierend, auf den Grund des Beckens abzusinken und einfach weiterzuatmen. Und dann schwamm ich – begleitet von einer Sicherheitstaucherin und einem weiteren Schnuppertaucher – die ganze Länge des Beckens durch uns wieder zurück. Ich war elektrisiert, aber offenbar nicht genug. Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass wir eben mitten in den Prüfungen waren, und ich andere Dinge im Kopf hatte, als auch noch das Tauchen anzufangen. Überhaupt – wo denn? Etwa im Bodensee?
Denn was den See betraf, da hatte ich bald drauf ein unschönes Erlebnis, als wir während meines Praktikums einen Notfall mit einem Taucher hatten. Wir übernahmen ihn von einer Rettungsbesatzung eines Polizeibootes und brausten mit Signal zum Krankenhaus nach Überlingen, während ich unablässig seinen Brustkorb komprimierte. Doch er schaffte es nicht. Tauchen war nicht ungefährlich, das wurde mir auf diese Weise wieder vor Augen geführt.
Meine folgende Karriere beim Rettungsdienst verlief aus verschiedensten Gründen, auf die ich keinen Einfluss hatte, etwas wirr. Doch ob es nun Schicksal war oder nicht, es führt dazu, dass sich mein Weg erneut mit dem von Annette kreuzte, wieder beruflich, doch diesmal an einem anderen Ort. Diesmal lernten wir uns besser kennen und merkten, wie wir auf einer Wellenlänge lagen. Im wahrsten Sinne des Wortes, nicht nur, dass wir die Nachtdienste davonreden konnten, wenn gerade nichts los war, sondern auch weil wir durch Zufall feststellten, dass wir beide rechte „Wasserratten“ waren (eine Bezeichnung, die man eigentlich nur Kindern zuteil werden lässt, da ich aber leider keine entsprechende Bezeichnung für Erwachsene gefunden habe, verwende ich sie hier einfach mal). Da sollte man doch eigentlich zusammen schwimmen gehen… irgendwann…
Jahr für Jahr im Flug verging. Nein, ich scherze nicht. Wir kriegten es nicht auf die Reihe. Bis plötzlich die Idee entstand, wenn schwimmen, dann vielleicht richtig. In einem Urlaub. Schwimmen, schnorcheln… Meer, Sonne… Malediven, Seychellen… so was in der Art. Das hatte sich allerdings ziemlich schnell erledigt, als die Preise für den Urlaub, den wir uns vorstellten, in astronomische Höhen schnellten. Unser nächstes Ziel war die Karibik, Venezuela. Dann jedoch brach der Georgienkonflikt aus und der Präsident Venezuelas wollte seine Verbundenheit zu Russland durch ein groß angelegtes Seemanöver demonstrieren – ausgerechnet in der Zeit, in der wir unseren Urlaub nehmen wollten. Außerdem gab es noch ein paar andere Dinge, die einen entspannten Urlaub stören könnten. Nun, das Manöver fand dann doch nicht statt, aber wir hatten bereits umgebucht auf Ägypten. Ägypten kannte ich schon, da war ich zuvor schon mal gewesen. Rotes Meer. Hurghada. Durch einen Zufall waren wir auf ein Hotel in El Gouna gekommen (mehr über den Zufall und das Hotel lesen Sie hier), das über einen eigenen Strand verfügte und mit einer Poollandschaft ausgestattet war. Schwimmen, schnorcheln, ausspannen. Das war der Plan. Ich musste mir da weiters keine Gedanken machen, denn ich hatte eine Schnorchelausrüstung. Zwar aus einem Angebot von einem Discounter, aber immerhin! Ich hatte diese immer mal wieder gebraucht, so etwa in den Schnorchelbädern der „Center Parcs“ Ferienparks. Die waren ideal, wenn man nicht weit fahren, aber doch tropische Unterwasser-Landschaften sehen wollte.
Annette musste sich ihre Ausrüstung noch holen. Ich staunte, als sie mir eine kleine, durchsichtige Plastikbox zeigte, in der die Taucherbrille steckte. Als mein Blick auf das Preisschild fiel, musste ich schlucken. Annette hatte sich eine Taucherbrille gekauft, wie sie Sporttaucher verwenden. In der Tat hatte sie mehr gekostet, als mein ganzes Schnorchelset. Völlig overdressed, fand ich. Wir wollten doch nur schwimmen und so ein wenig schnorcheln. Mehr nicht. Was Annette an der Taucherbrille mehr gezahlt hatte, machte sie dadurch wett, dass sie keine Flossen hatte. Aber kein Problem, dachte ich mir, die kann man sich im Zweifelsfall leihen.
Dann konnte es endlich losgehen. Ich freute mich auf diesen Urlaub, denn mein letzter „richtiger“ Urlaub war Jahre her. Ich war länger nicht mehr gewesen. Endlich mal wieder weiter weg, in eine andere Welt. Wie sehr sich letzter Satz bewahrheiten würde, ahnte ich nicht, als wir uns auf den Weg zum Flughafen machten.
Aus aktuellem Anlass gibt das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland für den Jemen folgende Sicherheitshinweise heraus und spricht eine Teilreisewarnung aus:
- Wegen des in Jemen bestehenden erheblichen Risikos terroristischer Anschläge, des ständig hohen Entführungsrisikos sowie der in einzelnen Landesteilen immer wieder aufflammenden Stammeskonflikte wird derzeit von nicht unbedingt erforderlichen Reisen in den Jemen abgeraten.
- Vor Einzelreisen über Land und vor Reisen in die Regionen Marib und Sa’ada (einschließlich angrenzender Bezirke), Abyan, Al-Jawf, Shabwa und Hadramaut wird ausdrücklich gewarnt.
- Derzeit besteht ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge in der gesamten Nah- und Mittelostregion. Die länderspezifischen Reise- und Sicherheitshinweise sollten sorgfältig beachtet werden.
- Am 12. Juni 2009 wurden mehrere Ausländer, darunter auch Deutsche, in der Region Sa’ada verschleppt. Es muss davon ausgegangen werden, dass drei Frauen aus dieser Gruppe brutal ermordet wurden. Über das Schicksal der übrigen Gruppenmitglieder und die Täter ist derzeit nichts bekannt.
- Am 15. März 2009 wurden bei einem Selbstmordanschlag, der auf das Terrornetzwerk Al-Qaida zurückgeht, bei Shibam (Provinz Hadramaut) vier Touristen aus Südkorea und ein jemenitischer Reisebegleiter getötet. Bei einem weiteren Selbstmordanschlag in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Sanaa am 18. März 2009 wurde der Attentäter getötet.
- Im Dezember 2008 und im Januar 2009 wurden mehrere deutsche Staatsangehörige in Jemen kurzzeitig entführt. Die Entführungen ereigneten sich in der Nähe der Hauptstadt Sanaa und bei Ataq (Provinz Shabwah).
- Alle Deutschen in Jemen und Reisende nach Jemen werden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.
- Die von Somalia ausgehende Gefahr von Piratenüberfällen erstreckt sich auch auf die Gewässer vor der Küste Jemens. Schiffsreisende werden um besondere Aufmerksamkeit gebeten. Bitte beachten Sie die Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Somalia und die Gewässer um das “Horn von Afrika”. Aktuelle Informationen gewährt das IMB Piracy Reporting Centre auf der Website www.icc-ccs.org
Genauere und aktuelle Informationen über die Situation und die Reisewarnungen erfahren Sie auf der Webseite des Auswärtigen Amtes über den Jemen (klicken Sie hier). Bitte informieren Sie sich vor Antritt einer Reise in die Region noch aus anderen Quellen über die genaue Lage. Die Betreiber des EP-Blog können keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit für die Angaben in diesem Bericht übernehmen, und auch keine Haftung für eventuell eintretende Schäden.
[singlepic id=179 w=320 h=240 float=left]William Shakespeare würde vermutlich Augen machen, wenn er sehen könnte, was heute alles in „seinem“ Theater dargeboten wird. Im Nachbau des „Globe Theater“ im englischen Themenbereich des Europa-Park, in dessen Vorbild zu Lebzeiten des britischen Dramaturgen seine Stücke aufgeführt wurden, wird dieses Jahr eine besondere Show gezeigt: „Musical on Board“. Nach dem „Kindermusical“ ist das die zweite Show, die den Schwerpunkt bewusst auf live gesungene Lieder legt. Begonnen hat es mit den Weihnachtsmusicals während der Winteröffnung, 2008 begleitete Ornella de Santis die „Magic Bubble Show“ mit ihrem Gesang während der Hauptsaison, dieses Jahr sind die Lieder die Hauptsache.
Die Geschichte von „Musical on Board“ handelt von einer Reisegesellschaft, die an Bord eines Traumschiffs geht, und in 25 Minuten geht es um das, was man aus der gleichnamigen Fernsehserie auch geht: Menschen, Beziehungen, Liebe, ausgedrückt in Liedern aus bekannten Musicals. Die Show wurde von Matthias Davids inszeniert, die Choreographie stammt von Kati Farkas.
[singlepic id=180 w=320 h=240 float=left]Ergänzt wird das Ganze durch zwei Artistiknummern, Sabrina Russo, einer Akrobatin mit Hula-Hoop-Reifen (eine Bezeichnung, die eigentlich falsch ist, denn „hoop“ bedeutet bereits „Reifen) und einen Kraftakt am Seil vom „Duo Impression“, das sind Julia und Wjatscheslaw Koshuchar. Der Europa-Park versteht es dabei immer wieder, sehr gute Künstler ausfindig zu machen, die solche Programmpunkte bestreiten, und es ist immer wieder erstaunlich, was Menschen können.
Nicht minder ausgezeichnet sind die Sängerinnen und Sänger, die die Musicalnummern vortragen. Die meisten von denen sind so stimmgewaltig, dass sie eigentlich kein Mikrofon bräuchten, aber gerade für die leiseren Nummern ist es doch effektvoller. Auch die Spielfreude, die die Darsteller an den Tag legen, ist überragend. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass diese bis zu vier Vorstellungen am Tag geben und auch bei der „Europa-Park Parade“ anwesend sind.
Die Lieder, die zum Besten gegeben werden, sind:
- Eine Seefahrt übers Meer
- Arthur am Nachmittag („Arthur in the Afternoon“, aus dem Musical „The Act“)
- How deep is your Love? (von den BeeGees)
- Footloose (von Kenny Loggins, aus „Footloose“)
- Hopelessly devoted to you (aus dem Musical „Grease“)
- Always look on the bright Side of Life (aus dem Musical „Monty Python’s Spamalot“)
- Your Song (von Elton John, unter anderem verwendet in „Moulin Rouge“)
- Can’t stop the Beat (aus dem Musical „Hairspray“)
[singlepic id=185 w=320 h=240 float=left]Leider habe ich bei Lied Nr. 1 nicht herausfinden können, woher es stammt. Sowohl von „Arthur in the Afternoon“ als auch „Always look on the bright Side of Life“ wird die deutsche Version gesungen. „Musical on Board“ ist eine Show von der Qualität, wie man sie vom Europa-Park gewohnt ist. Das mag pathetisch klingen, ist aber nun mal so. Es ist schön zu sehen, dass hier versucht wird, das Niveau, das man schon erreicht hat, zu halten oder zu steigern. Wenn Sie Musicals mögen, oder auch wenn Sie sich von sehr gut gesungener Live-Musik begeistern können, ist das hier definitiv die Show für Sie. Bei Ihrem nächsten Besuch im Europa-Park sollten Sie sie auf keinen Fall verpassen.
Die Sänger sind:
- Beatrice Reece („How deep is your Love?“, „Hopelessly devoted to you“, „Your Song“)
- O. J. Lynch („Footloose“, „Always look on the bright Side of Life“)
- Lilian Wilhelm („Arthur am Nachmittag“)
- Hannes Staffler („How deep is your Love?“, „Your Song“)
- Cornelia Löhr
- Oliver Timpe
Und falls Sie die Show schon gesehen haben und auf der Suche nach den Liedern sind, können Sie diese hier als MP3 bei AMAZON.de käuflich erwerben (und vorher auch mal Probehören):
Immer noch gibt es unter den deutschen Touristen Vewirrung über den Unterschied zwischen „Reisewarnungen“ und „Reise- und Sicherheitshinweisen“ und was welche Konsequenzen hat. Wir haben vor, in Zukunft – soweit keine Artikelreihe dem entgegen steht – den Freitag zum Tag für die Reisehinweise zu machen. Wir wollen uns dabei an aktuellen Ereignissen orientieren, soweit das möglich und nötig ist. Deswegen heute nochmal der Hinweis darauf, was genau eine Reisewarnung ist, was ein Reisehinweis und was ein Sicherheitshinweis, und was daraus folgt.
Was ist denn mit Krisengebieten? Kann man denn überall hinfahren? Die Antwort lautet wie die vom berühmten „Radio Eriwan“: Im Prinzip ja. Natürlich, wenn Sie eine Hinreise organisiert bekommen, dürfen Sie theoretisch überall hinfahren. Nur die Frage ist, ob sie dort auch ankommen. Eine Reisewarnung ist grundsätzlich kein Verbot, ein bestimmtes Ziel anzusteuern. Nur erklärt Ihnen die Reisewarnung sehr drastisch, was Ihnen passieren kann, wenn Sie diese nicht beachten. Und sollte Ihnen etwas passieren, sind Sie für die Konsequenzen letztlich selbst verantwortlich. Zwar wird man Ihnen von offizieller Seite aus auch helfen, aber Sie erhalten dann eine Rechnung für die Bemühungen, zum Beispiel, wenn Sie entführt wurden und ein Unterhändler für Ihre Freiheit verhandelt hat.
Wann berechtigt eine Reisewarnung zum kostenlosen Stornieren oder Umbuchen einer Reise? Grundsätzlich berechtigt eine Reisewarnung eigentlich nur auf Umwegen zur kostenlosen Stornierung oder Umbuchung, nämlich weil die Ereignisse, die zum Aussprechen der Reisewarnung führen, von Gerichten als „höhere Gewalt“ anerkannt werden, die ein Reisender nicht zu verantworten hat. Und das gilt nur dann, wenn die Reisewarnung zum Zeitpunkt der Buchung noch nicht bestanden hat. Buchen Sie einen Urlaub in einem Gebiet, für das bereits eine Reisewarnung besteht, wird davon ausgegangen, dass Sie sich informiert haben. Ein nachträgliches Berufen auf die Reisewarnung ist dann nicht möglich, respektive, Sie können es versuchen, aber ob sich Ihr Veranstalter darauf einlässt, bleibt ihm überlassen. Aber Vorsicht: Auch wenn eine Reisewarnung nach ihrer Buchung ausgesprochen wird, kann es sein, dass sich ein Reiseveranstalter querstellt. Dann müssen Sie Ihre Ansprüche auf dem rechtlichen Weg geltend machen.
Was muss ich machen, wenn während meines Urlaubs ein Fall eintritt, der das Auswärtige Amt dazu veranlasst, für mein Reiseziel eine Reisewarnung auszusprechen, während ich dort bin? Eine Reisewarnung ist nicht nur eine Warnung davor, in ein Land oder Gebiet nicht einzureisen, es ist gleichzeitig auch noch eine Aufforderung an alle dort befindlichen deutschen Staatsbürger, unverzüglich auszureisen. Nehmen Sie in dem Fall Kontakt mit der jeweiligen Niederlassung der Bundesrepublik Deutschland auf. Dort kann man Ihnen weiterhelfen.
Wann wird überhaupt eine Reisewarnung ausgesprochen? In besonders schweren Fällen, zum Beispiel bei Kriegen, großen Naturkatastrophen, Unruhen oder wenn das Auswärtige Amt der Ansicht ist, die Behörden und Staatskräfte vor Ort sind nicht in der Lage, für die Sicherheit ausländischer Besucher zu garantieren. Konkrete Reisewarnungen bestehen zum Beispiel für den Irak und Afghanistan; für den Iran als Nachbarland des Irak gelten nur Sicherheitshinweise.
Welche Konsequenz haben Sicherheitshinweise für die Buchung meiner Reise? Kurz gesagt: Keine. Ein Reiseveranstalter ist nicht gezwungen, aufgrund eines Reise- oder Sicherheitshinweises eine kostenlose Stornierung oder Umbuchung einer Reise anzubieten, die Gerichte erkennen das auch nicht als „höhere Gewalt“ an. Sicherheitshinweise sind zumeist auf Örtlichkeiten oder Situationen beschränkt.
Was genau ist eine Teilreisewarnung? Das bedeutet, dass nicht grundsätzlich vor der Reise in ein bestimmtes Land gewarnt wird, aber davor, bestimmte Regionen dieses Landes zu besuchen. So ein Fall ist beispielsweise Pakistan. Es wird nicht grundsätzlich vor Reisen nach Pakistan gewarnt, aber vor Reisen in das Grenzgebiet zu Afghanistan, wo eine erhöhte Entführungsgefahr besteht.
Welcher Quelle ist für eine Reisewarnung oder für Sicherheitshinweise zu vertrauen? Grundsätzlich ist als Quelle nur dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland zu vertrauen. Wenn Sie irgendwo (auch in diesem Blog) lesen, dass es für ihr mögliches Reiseziel Hinweise oder Warnungen gibt, sollten Sie das unbedingt mit den offiziellen Informationen des Auswärtigen Amtes abgleichen. Das können Sie auf der Länderinfoseite der Internetpräsenz machen oder indem Sie Kontakt mit dem Amt aufnehmen (Kontaktinformationen hier). Im Notfall ist zudem das Auswärtige Amt unter einer Notrufnummer zu erreichen. Diese erfahren Sie ebenfalls auf der Webseite.

