Reisen, Rätsel, Abenteuer.

Autor: Thorsten Reimnitz (Seite 182 von 200)

Reisehinweise: Europäische Union und Schengen-Abkommen

Wenn man in Europa reist, wird man immer wieder mit der Regelung der Grenzkontrollen innerhalb der Europäischen Union konfrontiert. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden: Ein Mitgliedsland der Europäischen Union hat nicht automatisch die Grenzkontrollen zu seinen Nachbarn abgebaut.

Geregelt wird der Grenzübertritt durch das so genannte „Schengen-Abkommen“. Staaten, die dieses unterschrieben haben, garantieren damit ihren Bürgern Grenzübertritte zu anderen „Schengen-Staaten“ ohne Kontrolle. Deutschland, Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, die Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn sind dem Schengener Abkommen beigetreten und gelten daher als „Schengener Staaten“.
Es handelt sich folglich um die bisherigen EU-Staaten, mit Ausnahme von Grossbritannien, Irland und Zypern, jedoch zuzüglich Island, Norwegen und der Schweiz. Die Länder (Bulgarien und Rumänien), die seit dem 1. Januar 2007 Mitglieder der Europäischen Union sind, treten dem Schengener Abkommen vorerst nicht bei.

Inhaber eines gültigen Schengenvisums (Text im Visumetikett: „gültig für Schengener Staaten“ in der jeweiligen Sprache des ausstellenden Staates) können sich im gesamten Schengenraum bis zu 3 Monaten pro Halbjahr aufhalten. Das gleiche gilt für Inhaber der meisten nationalen Aufenthaltstitel, die von den jeweiligen Schengen-Staaten für längerfristige Aufenthalte von über drei Monaten ausgestellt werden. Für die anderen EU-Staaten, die keine Schengen-Staaten sind, wird unter Umständen ein gesondertes Visum benötigt.

Es gilt allerdings zu beachten, dass unter bestimmten Umständen für einen bestimmten Zeitraum oder längerfristig wieder Kontrollen eingeführt werden könnten. So hat beispielsweise Österreich während der Fussball-Europameisterschaft 2008 solche Kontrollen durchgeführt und auch von Bürgern der „Schengener Staaten“ die Vorlage eines Reisepasses verlangt. Aktuelle und genauere Informationen über die Situation in Bezug auf Ihr spezielles Reiseziel erfahren Sie auf der Webseite des Auswärtigen Amtes.

Schnorcheln mit der Galatea, Thorstens Version

Nun sollten wir also auf eine Schnorcheltour gehen. Und bevor hier der falsche Eindruck entsteht: Es war ein sehr schöner Ausflug, gut organisiert mit netten Leuten und gutem Essen. Ich kann so eine Tour nur jedem empfehlen, der schnorchelt oder es mal probieren möchte (wenn Sie mal in El Gouna sind: das Schiff heißt „Galatea“, die Tour kann man sicherlich bei Ihrem Reiseführer buchen). Vor allen Dingen, da man so an Riffe kommt, die weiter von der Küste entfernt sind und es wirklich einiges zu sehen gibt. Unser Problem war, dass wir unter einem völlig neuen Eindruck standen. Wir hätten diese Tour besser vor unserem Tauchkurs machen sollen…

Wir wurden vom Hotel abgeholt, zum Hafen gebracht und gingen an Bord des Segelbootes. Plätze auf dem Deck, auf gepolsterten Unterlagen. Es war wirklich schön. Der Chef persönlich gab uns eine Einführung darüber, was wir zu beachten hatten, und er hatte einen Humor, der mir gefiel. Dann ging es los. Doch etwas war komisch. Annette und ich redeten schon wieder nicht. Teilweise hing das damit zusammen, dass wir einen phantastischen Blick über das Rote Meer hatten. Dass uns hier, auf dem Deck, der Wind direkt um die Nase blies. Segeln auf hoher See. Der andere Teil zumindest meines Schweigens war, dass ich immer noch an den Eindrücken vom Tauchkurs arbeitete. Und jetzt, genau auf diesem Ausflug, kamen wieder viele Gedanken in mir hoch. Vielleicht, weil es wieder ins Meer gehen sollte.

Wir steuerten ein Riff an und wurden mit dem Schlauchboot ausgesetzt. Dann umrundeten wir das Riff schnorchelnd. Wie schon bei unseren Tauchgängen gab es einiges zu sehen. Aber anders…

Korallen im Roten Meer

…wir hingen an der Wasseroberfläche rum und konnten nur ab und zu mal kurz runter, so lange eben der Atem reichte. Ich fotografierte drauflos, versuchte zu zoomen… und dann sah ich: Unter uns aber schwamm… ein Taucher. Jemand von der Besatzung des Segelbootes, der von uns Filmaufnahmen machte. Ja, der darf tauchen, und wir nicht. Komisches Gefühl. Abgelenkt wurde ich irgendwann, als ich merkte, dass Annette ziemlich weit draußen war. Ich rief ihr zu, dass sie doch ein Stück näher ans Riff kommen soll. Wir sollten das Riff umrunden wie gesagt, und so weit draußen würde sie natürlich eine weitere Strecke zu schwimmen haben als wir alle. Tatsächlich kam sie zurück – und übertrieb in die andere Richtung!

„Äh, Annette, Vorsicht, jetzt bist Du aber zu dicht am Riff!“

Rumpel! „Aua!“

Arrgh! Grad mach ich’s Maul zu!

Annette hatte bei ihrer Kollision mit dem Riff ein paar rote Striemen davon getragen. Was genau, konnte ich im Wasser nicht erkennen. Im Neoprenanzug wäre das nicht passiert.

Wir beendeten unseren Tauchg… Verdammt! Das war kein Tauchgang! Meine Gedanken schwirrten immer wieder ums Tauchen. Zurück auf dem Boot brauchte man mich nicht auffordern, die Ausrüstung mit Wasser aus einem Schlauch abzuspülen. War doch logisch! Ich mach sowas ja nicht zum ersten Mal.

Wir legten uns auf unsere Plätze und Annette sagte mir, dass ihr der Unterschenkel, wo sie mit dem Riff kollidiert war, immer noch weh täte. Ich sah mir das an und mein innerer Sherlock Holmes wurde wach. „Kombiniere!“, sagte er – obwohl, das ist eigentlich mehr Nick Knatterton – jedenfalls sagte er: „Kombiniere, das war kein gewöhnlicher Zusammenstoß mit einem Korallenriff.“ Annettes Verletzung wies ein Muster auf, es waren Pusteln, die sich über den Unterschenkel verteilten. Sie bluteten auch nicht, die Haut war gerötet und gereizt und Annette meinte, es würde immer noch brennen. Dem Bild nach schloss ich, dass meine Tauchpartnerin Schnorchelpartnerin offenbar nicht mit dem Riff selbst, sondern mit einem Riffbewohner, einer Seeanemone Kontakt gehabt hatte. Das machte mir etwas Sorgen, aber Annette versicherte mir, dass es ihr sonst gut ginge.

Sie wechselte das Thema. Ob ich denn auch den Taucher gesehen hätte. Was für eine Frage! Aber ich merkte, dass da mehr dahinter steckte. Tatsächlich fragte sie mich dann, ob ich nicht neidisch gewesen wäre.  Ich seufzte. Doch, schon. Aber war das nicht verrückt? Wir hatten den Urlaub angetreten, um schwimmen und schnorcheln zu gehen – dann machen wir den Tauchkurs, und schon ist reicht schnorcheln nicht mehr? Das ließ mich etwas bedeckt halten. Doch nur Sekunden später merkte ich, dass ich das gar nicht hätte sein müssen, denn Annette sprach davon, zurück in Deutschland vielleicht doch weiter zu machen. Regelmäßige Trainingstauchgänge im Schwimmbad. Damit wir im nächsten Urlaub alles immer noch beherrschten und nicht ganz so blöd aussahen, wenn wir zum ersten Mal wieder ins Freiwasser gehen würden.

Auf dem Weg zum zweiten Tauchgebiet Schnorchelgebiet gab es Essen. Das brachte uns auf andere Gedanken, es waren einheimische Spezialitäten, die sehr gut waren. Ja, das war wirklich Urlaub. Und wir fanden tatsächlich auch ein paar andere Sachen, über die wir reden konnten. Schließlich erreichten wir das Zielgebiet, wo unser zweiter Tauchgang Schnorchelgang stattfinden sollte. Annette wollte nicht mehr mit. Sie hatte bedenken wegen ihrem Unterschenkel, außerdem war mittlerweile ein kalter Wind aufgekommen und so angenehm das Wasser war, so unangenehm würde es sicherlich hinterher sein, wieder rauszukommen. Und so ganz allein mitgehen? Nö. Ich blieb an Bord und verfolgte den Tauch Schnorchelgang vom Boot aus. Aber wir waren nicht die einzigen, neben uns blieben noch ein paar andere Passagiere.

An der Stelle, an der wir uns befanden, lagerten noch andere Schnorchel …nein, diesmal waren es wirklich Tauchboote. Ich hielt Ausschau, ob vielleicht das Boot von „unserer“ Tauchbasis dabei war, aber ich zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dessen Name vergessen hatte. Nachdem bei uns alle wieder an Bord waren, ging es an den Heimweg. Wieder lagen wir schweigend nebeneinander, denn das Panorama, wenn man sich der Küste des Roten Meeres nähert, war faszinierend, vor allen Dingen, da hunderte von Kite-Surfern unterwegs waren. Als ich die sah, wurde ich an etwas erinnert, das Annette irgendwann, entweder vor unserem Urlaub oder während des Fluges nach Ägypten erwähnt hatte, nämlich dass sie das Kite-Surfen mal ausprobieren wollte. Das hatte sie gar nicht getan. Da wäre ich vermutlich nicht mitgekommen. Ich sah zu Annette, die auf ihrem Platz neben mir lag. Sie hatte ihre Sonnenbrille auf, von daher konnte ich nicht sehen, ob sie die Augen offen oder geschlossen hatte, aber ich fragte mich, was sie wohl dachte. Gerade im Bezug auf das Tauchen. Ihr schien es ja ähnlich zu gehen wie mir, aber wie ähnlich? Was genau dachte ich überhaupt? Oder was fühlte ich? Weitermachen mit dem Tauchen… das fand ich gut. Aber ich erinnerte mich schmerzlich daran, wie wir versucht hatten, uns nur zum Schwimmen zu verabreden und das nicht hingekriegt hatten. Und schwimmen war ja noch einfach. Tauchen, das würde bedeuten, wir müssten uns einen Lehrer organisieren, und Ausrüstung würden wir auch irgendwie leihen müssen. Und wo überhaupt würden wir die Schwimmbadtauchgänge machen können? Wir könnten ja nicht mal eben im Neoprenanzug ins nächste Erlebnisbad stiefeln. Große Hindernisse galt es zu überwinden und ich hatte die Befürchtung, dass wir das so einfach nicht hinkriegen würden. Ich merkte, wie ich melancholisch wurde. Und die Abendstimmung verstärkte das noch. Aber ich behielt es lieber für mich.

Abendstimmung am Roten Meer

Scuba Diver: Der Erhalt des Brevets – Thorstens Version

Wir hatten es also geschafft. Aber so einfach wollten wir das dann doch nicht machen. Nein, ein Beweisbild musste schon sein. Leider hatte ich – trotz der wasserdichten Verpackung – meine Kamera nicht auf die Tauchgänge mitnehmen können, da die Hülle nur bis 10 Meter Tiefe dicht hält, wir aber bei beiden Tauchgängen auf 12 Metern waren. Tja, vor dem Urlaub hatte sich das noch so toll angehört, bis 10 Meter Tiefe… tiefer wird man ja wohl kaum kommen. Wir wollten doch nur schwimmen und schnorcheln. So kann man sich irren.

Also wurde meine Kamera von einem Besatzungsmitglied des Tauchboots ins Wasser gereicht und unser Tauchlehrer bot sich an, das Bild von uns beiden zu machen. Nun muss man dazu folgendes sagen: Wir waren beide erledigt, physisch, psychisch und wir hatten gewisse Erfolgserlebnisse gehabt, die uns in eine gewisse Hochstimmung versetzten. Vielleicht war auch noch der Reststickstoff für letztes mitverantwortlich, wer weiß. Jedenfalls meinte unser Tauchlehrer, uns mit einem flotten Spruch zum Lächeln zu bringen fürs Foto. Er visierte uns an und meinte: „So, und jetzt sagt mal ‚Steuerrückerstattung‘!“

Zu viel des Guten - "lächeln", nicht "sich ausschüten vor Lachen"!

Sie finden das jetzt nicht soooo witzig? Mag sein. Aber wie gesagt, in der Situation, in der wir waren, brach es einfach aus uns heraus. Ich glaube, ich hätte in dem Moment alles lustig gefunden, selbst wenn der Tauchlehrer sowas gesagt hätte wie „Hinter Euch ist ein Hai!“ Aber er war gnädig und machte noch eins.

Summon the Heros!

Na gut, ich lächelte nicht so arg, weil mich die Sonne genau blendete, aber trotzdem, das Bild hat was. Der Beweis, dass wir wirklich tauchen waren. Na ja… okay… nicht wirklich ein Beweis fürs Tauchen, aber egal. Zumindest ein Beweis, dass wir Neoprenanzüge angehabt hatten und im Wasser waren. Dann raus aus dem Wasser, raus aus den Klamotten, fertig für heute.

Fertig für heute? Nein, nicht ganz. Theorie war nochmal angesagt, respektive das Abfragen derselben, Erklärungen und natürlich die obligatorische Tauchgangsnachbesprechung. Aber zuvor hatte ich noch eine Begegnung, die mein geistiges Fassungsvermögen etwas überstieg. Es waren sehr viel Eindrücke gewesen, die ich an diesem Tag gesammelt hatte. Und dann, gerade als ich wieder mal trocken und in „Zivilkleidung“ war, stürmte die Schweizerin auf mich zu und fragte mich aufgeregt: „Did you see the dolphins??“

Vermutlich setzte ich in dem Moment einen der dämlicheren Gesichtsausdrücke auf, über die ich verfüge. Das war etwas zu viel – eine Schweizerin, die sich in Ägypten mit mir – einem Deutschen – auf Englisch unterhält? Verstand, bitte hilf mir!

Nö, keine Lust. Sieh doch selbst zu, wie Du klarkommst! Ich hab heute schon genug gearbeitet!

Zum Glück kam unser Tauchlehrer dazu. „Die beiden wissen noch gar nicht, was sie für ein Glück gehabt haben“, meinte er. „Der zweite Tauchgang, und schon kriegen sie Delfine aus der Nähe zu sehen.“ Und einer der anderen Taucher, der mit dabei stand, meinte: „Stimmt, ich habe schon über hundert Tauchgänge hinter mir, und das ist das erste Mal, dass ich Delfine sehe.“ Wow. Zu mehr war ich in dem Moment nicht mehr fähig.

Irgendwann waren wir zurück an der Basis und der Tag neigte sich dem Ende zu. Aber Moment! Erst mussten noch Bilder gemacht werden für unser Brevet. Bilder? Ich sah bestimmt furchtbar aus. Tat ich auch. Und das Bild ist jetzt auf meinem Tauchschein drauf. Ganz Klasse. Ich lächle zwar freundlich, sehe aber aus, als ob ich in einen Fallwind geraten wäre. Und es gab keine Gnade – keine Wiederholung. Das erste Bild wurde genommen. Anders bei Annette. Ja, Madame hat mal wieder eine Extrabehandlung bekommen. Sie wurde zweimal fotografiert.

Zuletzt saßen wir an einem Tisch vor der Tauchbasis und bekamen unsere vorläufigen Brevets ausgehändigt. Wir hatten die Ausbildung bestanden und dürften von jetzt an tauchen gehen. Zum Beispiel auch zu Hause in Deutschland. Aber nicht doch… wer will das denn? Und dann gab uns unser Tauchlehrer noch ein paar Weisheiten mit auf den Weg.

  • Wollt Ihr nicht die nächste Stufe, den „Open Water Diver“, gleich noch mitmachen? – Ach ne, warum denn? Außerdem ging sich das zeitlich nicht mehr aus, wir hätten zwei Tage gebraucht, aber schon eine Schnorcheltour gebucht, und nach der Tour hätten wir nur noch einen Tag gehabt.
  • Es wird Euch aber bald nerven, „nur“ Scuba Diver zu sein und immer so einen Aufpasser dabeihaben zu müssen. – Nein, nein, ist schon ganz okay so, da ist wenigstens immer einer dabei, der Ahnung hat.
  • Ihr werdet bald anfangen, Eure eigene Ausrüstung anzuschaffen. – Wie kommst Du denn da drauf? Das Zeug kann man doch überall mieten, wer braucht denn schon eine eigene Ausrüstung, wenn man nur als Urlaubstaucher unterwegs ist? Na ja, vielleicht so ein paar Kleinigkeiten, wo’s schon nicht schlecht ist, was eigenes zu haben, aber sonst… nein.
  • Ihr solltet unbedingt auch in Deutschland weitermachen mit dem Tauchen, und sei es im Schwimmbad. Besser aber im Freiwasser. – Freiwasser? Du meinst, in Deutschland in so ’nen See? Trübe, kalt – nein Danke! Schwimmbad, okay. Mal sehen, was wir da hinkriegen. Vielleicht.

So gingen wir in unser Hotelzimmer zurück, machten uns etwas frisch und gingen direkt zum Abendessen. Im Gegensatz zu dem Zeitpunkt nach dem ersten Tauchgang hatten wir nun unsere alte Form wieder und redeten, was das Zeug hielt.  Wir könnten ja, schlug Annette vor, im darauffolgenden Jahr wieder einen gemeinsamen Urlaub machen und uns einen Ort aussuchen, wo es auch Tauchreviere gibt. Dann könnten wir schwimmen, schnorcheln und tauchen. Ich weiß noch genau an welcher Stelle das war: Unsere Hotelanlage war weitläufig mit vielen Wegen und Brücken. Von unserem Bungalow aus den „Hauptweg“ entlang kam man schließlich auf eine Kreuzung, von wo aus man entweder weiter in Richtung Strand und Tauchbasis gehen konnte (nach rechts) oder auf eine Brücke zu, die direkt zum Hauptgebäude führte, wo sich das Restaurant befand (nach links). Genau an der Kreuzung war es. Ich weiß das deswegen noch, weil ich begeistert von der Idee war. Manche Situationen speichern sich bei mir sehr deutlich im Gehirn ab, so auch diese.

An diesem Abend beim Essen wurde, so kann man das sicherlich sehen, der Grundstein für die Webseite der „Flat Flute Divers“ gelegt (Sie baden gerade Ihre Hände drin. – Im Internet? – Nein, bei den Flat Flute Divers!). Aber zu dem Zeitpunkt ahnten wir das noch nicht. Dadurch, dass wir jetzt fertig waren mit dem Tauchschein, fiel der Druck der letzten zwei Tage von uns ab und wir waren stolz auf unsere Leistungen. Und was machten wir? Wir wurden albern. Am Tisch malten wir uns Szenen aus, etwa wie unser Tauchlehrer an uns verzweifelt und ähnliches – und lachten uns darüber kaputt. Wir lachten über uns selbst. Darüber, wie wir uns angestellt hatten und wie wir uns wohl noch anstellen werden, wenn wir nächstes Jahr wieder aufkreuzen, so als Urlaubstaucher, und was unser Tauchlehrer dann sagen würde… „hm, ja toll, Leute, Ihr habt zwei Tauchgänge im Meer von Eurem Scuba-Diver-Kurs und zwei anschließend im Schwimmbad, und das innerhalb eines Jahres, suuuuuper!“ Überhaupt, unser Tauchlehrer. Der arme Kerl hat für mehr als eine ausgedachte Szene herhalten müssen, wie er an uns (und unseren nicht vorhandenen Fähigkeiten) den Glauben an die Menschheit verliert.

Wir waren so albern, dass nicht mal die Tatsache, dass uns fast der Tisch abgebrannt wäre, aus der Ruhe brachte. Im Gegenteil, wir fanden das ziemlich witzig. Nach dem Essen saßen wir noch auf dem Balkon unseres Bungalows, und noch immer lachten wir uns kaputt. Schön, das hatten wir also geschafft. Wir hatten tatsächlich einen Tauchschein gemacht. Jetzt wollten wir uns noch auf ein paar schöne Tage mit Pool und Schnorcheln konzentrieren, bevor es auch schon wieder heimging ins kalte Deutschland (es war ja immerhin November).

Wir mussten aber noch den Tauchkurs zahlen. Dazu mussten wir zweimal wiederkommen. Denn die Tauchbasis sollte ein neues Kreditkartenabrechnungssystem erhalten. „In 24 hours – Egyptian time!“, hatte der Leiter der Tauchbasis gesagt, deswegen waren wir nochmal wieder gekommen. Nun heißt der Zusatz „Egyptian time“, dass man nicht davon ausgehen konnte, dass die Zusage, etwas sei innerhalb von 24 Stunden gemacht, auch bedeutet, dass es sich dabei um 24 Stunden handelt, wie sie man sie mit einer präzis funktionierenden Uhr misst. Mehr so eine Uhr, die sich grob nach dem Wasserstand des Roten Meeres richtet. Jedenfalls bescherte uns das noch einen Besuch an der Tauchbasis, da wir dann das Geld vom Automaten holen mussten, um bar zu zahlen. Das war schon komisch, da wieder hinzugehen. Wir wurden freundlich begrüßt und sogar gefragt, ob wir nicht mitkommen wollen auf die heutige Tour. Nein, wir hatten doch das Schnorchelpaket gebucht und schon bezahlt.

Während wir dann in der Hotelhalle saßen und darauf warteten, dass unser Transfer zur Schnorcheltour kommen würde, schlich sich bei mir ein merkwürdiger Gedanke ein. Ich stellte mir vor, wie es wohl wäre, wenn unser Tauchlehrer plötzlich vorbeikommen und freudestrahlend verkünden würde: „He Leute, das Schiff von Eurer Schnorcheltour hat Mast- und Schotbruch, die Tour ist abgesagt. Aber Ihr könnt stattdessen bei uns mitkommen zum Tauchen!“ Ich wischte den Gedanken bei Seite. Unser Tauchlehrer würde so oder so nicht vorbeikommen, der hatte uns nämlich erzählt, dass er direkt im Anschluss an unseren Kurs als Begleiter auf eine Safari gehen würde.

Dann kam unser Bus. He, Hauptsache, raus aufs Meer… schwimmen, schnorcheln… ist doch auch was.

Scuba Diver: Oberflächenpause und zweiter Tauchgang – Thorstens Version

Nachdem die Ausrüstung also verstaut war, kam die so genannte „Oberflächenpause“. Zwangsweise, muss man sagen, denn für den zweiten Tauchgang wurde ein anderes Tauchrevier angesteuert. Nachdem wir einigermaßen trocken und in „ziviler“ Kleidung waren, saßen Annette und ich auf der Bank im offenen Bereich des Bootes und sahen aufs Meer hinaus. Und wir redeten…

…nichts.

Das kann man hier schon hervorheben. Wenn Sie die bisherigen Artikel in diesem Blog aufmerksam verfolgt haben, dann wissen Sie, dass Annette und ich stundenlang, tagelang und nächtelang über Gott, das Leben, das Universum und den ganzen Rest reden können. Sollten Sie die bisherigen Artikel in diesem Blog nicht gelesen oder nur überflogen haben, dann machen Sie zur Strafe eine zehnseitige Zusammenfassung über die bisherigen Artikel bis Samstag! Außerdem schreiben Sie hundert Mal: „Ich will nicht unaufmerksam sein, wenn mir die netten Leute von dem Blog da was erzählen.“

Wenn also zwei Menschen, die sonst über alles reden, nebeneinander sitzen und erstmal gar nicht reden, dann ist das ein Zeichen, das was passiert ist. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich in dem Moment sagen sollte. Annette kam mir zu Hilfe. Nachdem wir einige Zeit stumm nebeneinander gesessen waren, sagte sie zu mir… sie sagte… äh… ja, und darauf antwortete ich… äääääh… ich weiß es nicht mehr! Die Eindrücke waren richtig heftig. Und das nicht im negativen Sinne. Und darüber sprachen wir, auch wenn ich das Gespräch nicht mehr exakt wiedergeben kann. Allein mein Gesichtsausdruck sprach Bände. Ich konnte wieder lächeln.

Schließlich kam der Tauchlehrer zu uns, um „Manöverkritik“ zu machen. Aber so „hart“ war das gar nicht. Wir wären halt noch unbeholfen, aber das sei normal für Anfänger. Und dann lobte er, dass wir immer so schön nach einander geschaut hatten. Tatsächlich war das – zumindest von meiner Warte aus – so, zumindest nachdem ich nicht mehr so sehr mit mir selbst beschäftigt war. Und dass wir auch auf die Idee gekommen sind, wenn der Buddy nicht rechts oder links zu finden sei, auch mal woanders nachzusehen. Es erstaunte mich, dass das was besonderes sei. Aber es ist wohl Gewohnheitssache, denn an Land erwartet man nun mal nicht, dass eine Person, die man gerade aus den Augen verloren hat, vielleicht anderthalb Meter über einem schwebt. Der Vortrag des Tauchlehrers endete sinngemäß mit den Worten: „Und jetzt gibt’s Essen!“ Oh ja, Essen

…wie bitte?

Noch am Morgen war ich der festen Überzeugung, den ganzen Tag nichts essen zu können. Aber ich merkte doch ein aufkommendes Hungergefühl. Dann jedoch wurde spontan die Planung umgeworfen und wir sollten zuerst das Tauchgebiet anfahren. Die Zeit dahin würde nicht reichen, also mussten wir uns gedanklich auf den zweiten Tauchgang vorbereiten. Und auf die Übungen, die dort stattfanden.

Das Gebiet, das wir nun ansteuerten, hieß „Siyul Soraya“. Ein Riff diesmal. Gut, das erste Mal war auch ein Riff, aber auf diesem würde es kein Wrack geben. Auch gut. Als wir anlegten, sahen wir, dass wir nicht die einzigen waren. Ein Boot mit Schnorchlern war auch da. Und plötzlich rief jemand: „Seht mal, da sind schwule Haie im Wasser!“ Ich sah mich um. Wovon redeten wir hier? Schwule Haie? Ich sah nur Schnorchler und war einen Moment der Überzeugung, die Person meinte die, bis ich sah, was er wirklich gemeint hatte: Delphine, denen die Rechschreibreform das „ph“ geklaut hatte und die man jetzt „Delfin“ schrieb. Genauer gesagt waren es Rot-Meer-Tümmler (behauptete unser Tauchlehrer). Schön, hatten wir die also auch gesehen, wenn auch aus der Ferne.

Der Einstieg und Abstieg lief diesmal reibungslos. Soll keiner sagen, dass wir nicht lernfähig wären. Wir folgten dem Riff. Genauer gesagt folgten wir dem Tauchlehrer, der dem Riff folgte, denn diesmal war nix mit schieben. Eigenarbeit war angesagt. Wieder waren es unglaubliche Eindrücke. Fische, wohin man sah. Und die schien es nicht zu stören, dass da diese Krachmacher rumschwammen (für einen Fisch muss so ein Taucher eigentlich einen Heidenlärm veranstalten). Und so langsam lernten wir auch die eine oder andere Tücke des Tauchens kennen. Unser Tauchlehrer wies uns auf einen Platz etwas weg vom Riff, wo wir uns in den Sand setzen sollten. Das Problem war, dass Annette zu dem Zeitpunkt in eine andere Richtung schaute und die Anweisung nicht mitbekam. Unser Lehrer deutete auf sie und machte mir gestenreich klar, dass ich sie anstupsen sollte. Hm. Was hatte ich Lehrbuch gelesen? Den Buddy auf einen aufmerksam machen, indem man mit dem Tauchermesser an die Flasche klopft. Schön. Tauchermesser hatte ich keins. Wer braucht sowas schon? Hm. Vielleicht könnte ich aber mit den Fingerknöcheln an ihre Flasche klopfen, so wie man an eine Tür klopft. Ob sie das überhaupt hörte? Keine Ahnung. Wie sagt Aiman Abdallah in der Werbung immer so schön? „Finden wir’s raus!“ Ich schwamm also zu ihr rüber und wollte an ihre Flasche klopfen. Ich holte aus… und verfehlte sie um mindestens zwanzig Zentimeter. So viel zum Thema „Entfernungen unter Wasser einschätzen“. Das Problem war dann, dass ich sehr viel Schwung geholt hatte. Immerhin galt es, den Wasserwiderstand zu überwinden, zudem hatte ich damit gerechnet, dass meine Hand von ihrer Flasche gebremst wird. Sie tat es nicht, stattdessen bekam ich über meine linke Schulter Übergewicht und kippte nach vorne. Ich ruderte wie verrückt mit den Armen und konnte gerade noch verhindern, dass ich mich kopfüber in den Meeresboden bohrte. Ich möchte wetten, der Tauchlehrer hat gelacht. Oder die Augen verdreht. Oh Gott, wird er gedacht haben, Männer ohne Nerven.

Immerhin hatte das Manöver was gebracht, denn Annette wurde auf mich aufmerksam. Vermutlich hat mein wildes Gefuchtel eine Strömung verursacht, die sie gespürt hat. Nun setzten wir uns in Dreiecksformation auf eine Sandfläche und  machten den ersten Teil unserer Übungen. Es klappte eigentlich alles recht gut, bis auf einen Zwischenfall, den ich mir nicht ganz erklären konnte, als Annette sich plötzlich abwandte und die Hande vors Gesicht hielt. Unser Tauchlehrer war schnell bei ihr – und was auch immer es war, es war genauso schnell wieder vorbei.

Danach verlief es mehr oder weniger reibungslos, auch wenn man die Erfahung machen muss, dass das Meerwasser mehr in den Augen sticht, als das Poolwasser (das Rote Meer hat einen erhöhten Salzgehalt). Doch gerade als wir wieder aufbrechen wollten, deutete unser Tauchlehrer in eine Richtung, weg vom Riff. Was war da? Dann sahen wir es – zwei Delfine, die vorsichtig näherkamen. Offenbar waren sie neugierig geworden, was wir denn da machten. Unser Tauchlehrer schwamm ihnen ein Stück entgegen. Die Tiere blieben stehen, was sehr unwirklich aussah: sie schwebten im Wasser und „stellten“ sich auf die Schwanzflossen. Der Tauchlehrer begann nun, sehr improvisiert die Hüften zu schwingen in einer Art, wie Shakira das nicht tut. Aber der eine Delfin fühlte sich animiert, ihn nachzumachen. Was war das denn? Ein tanzender Delfin? Hatte ich einen Tiefenrausch? Auf zehn Metern? Der andere Delfin kam nun zu uns herübergeschwommen. Vielleicht dachte er sich, mal sehen, ob die auch so lustig sind. Ich fühlte mich unweigerlich an eine der typischen Episoden der alten „Flipper„-Fernseheserie aus den 1960er Jahren erinnert…

Bud: „Hallo Flipper! Du bist ja so aufgeregt!“

Fünf Meilen vor der Küste ist ein Boot in Seenot geraten! Ihr müsst schnell helfen!

Bud: „Was ist los? Willst Du Fisch?“

Ich will keinen Fisch! Da ist ein Boot in Seenot!

Bud: „Hier hast Du einen leckeren Fisch!“

Lies es von meinen Lippen ab: DA IST EIN BOOT IN SEENOT… Verdammt, Delfine haben ja keine Lippen! Und dieser Fisch… bah, wie alt ist der denn? Was glaubst Du, wer ich bin? So ’ne Art Müllschlucker der Meere?

Sandy: „Hey, Bud, was ist denn los?“

Bud: „Ich weiß auch nicht, Flipper ist ganz aufgeregt!“

Sandy: „Vielleicht will er Fisch?“

ICH WILL KEINEN FISCH! Es ist unglaublich, dass eine Spezies, die so himmelschreiend dämlich ist wie die Eure, den ganzen Planeten erobert hat. Pah, ich warte jetzt einfach 30 Jahre, dann kommt das Remake dieser Serie – da spielt nämlich Jessica Alba mit, so!

Hmmm… offenbar habe ich die Serie nicht mehr so ganz richtig präsent. Jedenfalls kam unser „Flipper“ näher…

ICH HEISSE NICHT „FLIPPER“! Schließlich heißt ja auch nicht jeder Clownfisch „Nemo“, oder? Mein Name ist Bartholomäus Evonion Adalbertus der Dritte, jawohl! So viel Zeit muss sein!

Der Delfin kam näher und schwamm zwischen Annette und mir durch. Annette streckte die Hand aus, da drehte sich der Delfin ein Stück zur Seite – gerade weit genug, dass sie nicht dran kam.

He, wie würde Dir das gefallen, wenn Du so durchs Rote Meer tauchst, und auf einmal stürzt sich eine Horde Delfine auf Dich und grabscht an Dir rum?

Ja, ist ja okay. Darf ich jetzt vielleicht weitermachen?

Bitte sehr!

Die Delfine umkreisten uns also; nachdem wir unseren „Übungsplatz“ verließen und ein Stück Abstand davon gewonnen hatten, kam eines der Tiere hin und grub den Sand durch – genau an den drei Punkten, an denen wir gesessen waren. Er schien neugierig zu sein, was wir da gemacht hatten. Vielleicht wollte er aber auch nur sagen: „Macht’s gut, und danke für den Fisch!“

Ich habe Duftspuren aufgenommen. Und ich kann nur sagen, der Typ mit den langen Haaren war wesentlich cooler als Ihr beiden. So ganz habt Ihr’s noch nicht im Griff gehabt mit der Nervosität, was? Und dann diese plumpe Anspielung auf Douglas Adams…. ts! „Macht’s gut und danke für den Fisch“. Was besseres ist Dir nicht eingefallen?

Ich mache jetzt einfach mal weiter. Beachten Sie den Meeressäuger einfach nicht weiter. Wie gesagt, wir machten uns auf den Weg zurück zum Boot. Unser Tauchlehrer zeigte uns noch ein paar Besonderheiten des Riffs, unter anderem einen Clownfisch – oder „Orange-Ringel-Anemonen-Fisch“, um genau zu sein. Damit hatten wir, wie uns von den Werbern der Tauchbasis versprochen worden war, auch „Nemo“ gesehen.

Auf dem weiteren Weg jedenfalls machten wir nochmal halt. Der Tauchlehrer deutete auf ein Stück Fels, das aus dem Riff aufragte. In dessen Oberseite war eine winzige Höhle, besser gesagt, ein Loch, vielleicht gerade mal ein bis zwei Zentimeter im Durchmesser. Aus dieser lugte ein ebenso kleiner Fisch hervor. Welche Art? Keine Ahnung. Ich sah nur einen winzigen Kopf mit zwei großen dunklen Augen. In dem Moment fiel mir was auf – wo war Annette? Ich sah mich um. Aha, der Tauchlehrer und ich betrieben meeresbiologische Studien, und Madame ist auf Exkursion, so so. Sie schwebte sozusagen über den Dingen, ein paar Meter von uns entfernt und etwas über uns. Und kam nicht näher. So verpasste sie die Entdeckung einer neuen Fischart, die ich spontan und in aller Bescheidenheit „Pescaria Reimnitzi“ genannt habe. Und vielen Dank für die Blumen. He, das war doch eine bislang unentdeckte Fischart, oder?

Die vorletzte Übung bei diesem Tauchgang sollte ein simulierter Notaufstieg sein. Respektive, das Wort „Notaufstieg“ ist eigentlich falsch, denn einen Notaufstieg führt man allein und mit Tempo durch. Was wir zu üben hatten, war ein Aufstieg während dem man an der alternativen Luftversorgung des Partners hing. Da wir beide diese Übung machen mussten, simulierte der Tauchlehrer für uns beide nacheinander den Partner. Der Aufstieg sollte aus fünf Metern Tiefe entlang der Leine, die am Tauchboot abwärts hing, stattfinden. Doch wer sollte zuerst aufsteigen? Der Tauchlehrer fragte nach dem Füllzustand unserer Flaschen. Arrgh! Annette hatte schon wieder mehr Restdruck als ich. Also war ich zuerst dran. Ich machte das Zeichen, dass ich keine Luft mehr hätte (natürlich nur zu Übungszwecken), ich bekam von ihm die alternative Luftversorgung und wir stiegen auf. Es klappte reibungslos. Oben hielt ich mich an der Boje fest, an der wiederum das Tauchboot hing. Schon wollte mir die Besatzung hilfreich zur Seite springen, weil sie glaubten, ich würde es nicht mehr bis zum Boot schaffen. Ich musste aber noch im Wasser bleiben, schließlich gab es immer noch Übungen zu absolvieren an der Oberfläche. Aber wo blieben eigentlich der Tauchlehrer und Annette?

Ich nahm den Regulator raus und den Schnorchel in den Mund. Einmal wollte ich auch Luft sparen! Dann sah ich nach unten. Da waren sie, in fünf Metern Tiefe. Der Tauchlehrer war bei Annette, die sich mit einer Hand an dem Seil festhielt und aufgeregt in eine Richtung deutete. Was war dort? Ich blickte hin – die Delfine waren wieder da!

Wir sind wieder hier, in unser’m Revier, war’n nie wirklich weg, hatten uns nur versteckt… Ätsch!

Was die beiden genau machten, konnte ich von meiner Position aus nicht sehen. Das ärgerte mich ein wenig, und das alles nur, weil ich ein bisschen mehr Luft verbraucht hatte als Annette. Na gut, eigentlich hatte sie fast doppelt so viel Restdruck wie ich. Jedenfalls machte dann auch sie die Aufstiegsübung und sie und der Tauchlehrer erschienen an der Oberfläche. Dann machten wir uns an die letzten Pflichtübungen: dem Buddy an der Oberfläche eine Hilfe sein. Dazu gehörte das gegenseitige Abschleppen oder das Helfen beim Wadenkrampf. Eigentlich sollten wir uns zuerst gegenseitig abschleppen, aber unfreiwillig warf ich die Reihenfolge durcheinander. Der Anfang klappte ja recht gut, ich drehte Annette auf den Rücken und ließ Luft in ihre Tarierweste. Dann sollte das eigentliche Abschleppen kommen. Dazu musste ich ihren Kopf festhalten und meine Beine in eine Position bringen, dass ich uns beide mit Flossenschlägen vorwärts bringen könnte. Das Problem war, dass ich mich dazu selbst halb auf den Rücken legen musste. Doch meine Flossen wollten nicht so wie ich, weil ihre Blätter durch den Wasserwiderstand gebremst wurden. Da machte ich den Fehler, dass ich unbedingt mit Gewalt in die richtige Position wollte. Ich spannte also die Wadenmuskeln an – und bekam einen Krampf. Na klasse, damit hatte ich das auch noch mitgenommen. Als der Tauchlehrer merkte, was los war, wies er Annette an, schnell die Übung mit der Hilfe beim Wadenkrampf zu machen. Es tat sehr gut, als der Schmerz nachließ.

Irgendwann hatten wir die Übungen beendet. Wir hatten es fast geschafft auf dem Weg zu unserem Tauchschein. Aber wir wollten noch ein Beweisfoto für unsere Heldentaten haben. Mindestens das! Und dann zurück ins Boot!

Reise- und Sicherheitshinweise: Iran

In Teheran und anderen iranischen Städten ist es unmittelbar nach Verkündung des vorläufigen amtlichen Endergebnisses der Präsidentschaftswahlen vom 12.06.2009 zu Protestkundgebungen von Anhängern der unterlegenen Kandidaten gekommen, die vielfach unter Anwendung von Gewalt aufgelöst wurden. Die Proteste halten trotz Verboten an. Es liegen Berichte über Übergriffe von Polizei und paramilitärischen Milizen auch auf Unbeteiligte vor. Deutschen, die sich in Iran aufhalten, wird empfohlen, inbesondere in den späten Nachmittags- und Nachtstunden größere Menschenansammlungen zu meiden und Begegnungen mit Sicherheitskräften aus dem Wege zu gehen.

Trotzdem hat das Auswärtige Amt zum aktuellen Zeitpunkt (noch) keine Reisewarnung ausgesprochen. Auch im Iran ist es zu mehreren Attentaten mit Toten und Verletzten gekommen. Dabei wurden allerdings nicht Ausländer angegriffen. Von nicht notwendigen Individualreisen in die Kurdengebiete (Nordwest-Iran) wird dringend abgeraten, genauso wie davon abgeraten wird, auf dem Landweg nach Pakistan oder Afghanistan zu reisen.

Es ist dringend zu beachten, dass ein Visum für den Aufenthalt im Iran vor Antritt der Reise bei der iranischen Auslangsvertretung beantragt werden sollte. Verstöße gegen die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen können sehr drastische Strafen nach sich ziehen, zum Teil mehrjährige Gefängnisaufenthalte. Deutsche Staatsangehörige können aber auch an den großen Flughäfen des Landes bei Einreise ein touristisches Visum erhalten, allerdings nur für eine Dauer bis zu sieben Tage. Das Auswärtige Amt weist besonders Geschäftsreisende darauf hin, dass es in den letzten Monaten immer wieder Beschwerden gegeben hat, dass von Einreisenden entgegen anders lautender Zusagen verlangt wurde, eine Einladung oder eine Buchungsbestätigung von einem Hotel vorzulegen. Teilweise wurde hier bei Nichtvorlage des entsprechenden Schreibens den Reisenden die Einreise verweigert.

Detailierte Sicherheitshinweise und Angaben zu den Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen erfahren Sie auf der offiziellen Webseite des Auswärtigen Amtes über den Irak. Klicken Sie dazu hier!

Bitte beachten Sie, dass wir für diese Hinweise in Bezug auf Richtigkeit und Aktualität sowie Vollständigkeit keine Gewähr übernehmen können. Informieren Sie sich unbedingt noch aus anderen, offiziellen Quellen, sollten Sie eine Reise in den Iran planen, im Zweifelsfall in der diplomatischen Niederlassung in Berlin.

Scuba Diver: Der erste Tauchgang – Das Wrack der Ghiannis D, Thorstens Version

Nun war das also geschafft, wir waren im Wasser. Ich war im Wasser. Unglaublich, aber wahr. Dann sollte es endlich losgehen. Unser Weg sollte uns also senkrecht fünf Meter nach unten führen, an einer Leine entlang, die dort hing, beschwert durch eine Reserveflasche. Ich nahm mir fest vor, nach Annette zu sehen, wie es sich für einen guten Buddy gehört, da ich ja um ihr Problem mit den Booten wusste, dieses noble Ansinnen durchkreuzte ich mir aber selbst, weil ich einen Anfängerfehler machte. Infolgedessen hatte ich – mal wieder – genug mit mir selbst zu schaffen. Wir tauchten ab und ich wartete zu lange mit dem Druckausgleich, nämlich bis ich Druck auf den Ohren merkte. Und das war zu spät. Also stopp, ein Stück nach oben, wieder Druckausgleich… endlich konnten wir weiter runter, bis wir tatsächlich das Ende der Leine erreicht hatten. Und das waren fünf Meter? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Der Rumpf des Tauchbootes schien so knapp über uns zu sein, das waren doch höchsten zwei oder drei Meter.

Hier sah ich zum ersten Mal wieder nach Annette, die mir aber völlig ruhig zu sein schien. Umso besser. Nun gab uns der Tauchlehrer das Zeichen: Los geht’s! Er schwamm über uns, packte uns an den Flaschen und schob uns in eine Richtung, weg  von dem Seil und dem Tauchboot. Zum ersten Mal fiel mir dabei bewusst das Wrack der Ghiannis D. ins Auge, das sich unter uns ausbreitete. Wenn man sowas noch nie zuvor gesehen hat, ist so ein Anblick überwältigend. Das Schiff war ungefähr hundert Meter lang und wir schwebten über dem, was früher mal der Frachtraum gewesen und schwammen weiter in Richtung Bug. Es ging ausgesprochen gut, was mit an der Tatsache lag, dass wir von hinten angeschoben wurden. Wir kamen tiefer, doch der Druckausgleich fiel mir nun eher leichter. Das lief fast schon „nebenher“, es gab viel zu viel zu sehen. Sie müssen das verstehen, ich kannte sowas entweder nur aus dem Fernsehen oder aus Aquarien. Jetzt aber aber waren wir an einem echten Korallenriff mit einem echten Wrack… ich war hin und weg. Hinzu kam das Tauchen selbst. Das Atmen durch den Regulator funktionierte und machte mir keine Probleme. Wie gut, dass man beim Tauchen nicht reden muss, denn ich war sowieso sprachlos.

Wir erreichten endlich den Bug, wo uns der Tauchlehrer das erste Mal losließ, so dass wir frei schwimmen konnten. Wir blickten nun über den Bug, der auf die Seite gekippt war, hinweg, das Wrack entlang bis fast zum Heck. Eine unglaubliche Sicht, die ich so noch nie erlebt hatte. Man konnte sogar die Aufbauten sehen und unser Tauchboot, das daran vertäut war. In dem Moment kam mir etwas wieder in den Sinn: Hatte es nicht geheißen, der Bug würde in zehn Metern Tiefe liegen? Ungläubig blickte ich auf meinen Tauchcomputer – doch: 10,2 Meter zeigte das Gerät an. Ich blickte zur Wasseroberfläche. Sie schien so nah zu sein. Hier lernte ich, dass man keinen Pfifferling auf das geben kann, was man unter Wasser sieht oder abzuschätzen glaubt. Bei Entfernungen spielt einem die Optik eindeutig einen Streich. Ich sah zu Annette. Doch der schien es nach wie vor gut zu gehen, was mich beruhigte. Ich gab ihr das „Okay-Zeichen*“. Ist bei Dir alles in Ordnung? Sie wiederholte das Zeichen. Alles in Ordnung.

Dann setzten wir unsere Tour fort, wieder geführt von unserem Tauchlehrer. Es ging nun an der Backbordseite des Schiffes zurück in Richtung Heck. Da das Meer hier abfiel, wurde das Wasser immer tiefer. Wir durften aber nur bis zwölf Meter, also mussten wir irgendwann etwa zehn Meter über dem Meeresboden schweben. Wir kamen an der Brücke vorbei, am Kamin und waren schließlich über dem Bug. In der Tiefe unter uns konnte ich andere Taucher erkennen.

Unser Weg führte uns am Bug entlang zurück auf die Steuerbordseite, wo wir die Brücke erneut umrundeten und schließlich von vorn an eines der Fenster heranschwammen. Unser Tauchlehrer machte uns vor, wie wir uns dort festhalten durften: An der Umrandung des Fensters, aber nur mit spitzen Fingern. Nicht mit der vollen Hand zugreifen, sonst konnte man sich an dem rostigen Metall schneiden. Der Tauchlehrer deutete ins Innere. Was gab es da zu sehen? Dann erkannte ich es: Die Ghiannis D. liegt etwas seitlich gekippt. Durch eine Öffnung, vermutlich ein Bullauge oder etwas ähnliches, fiel ein Lichtstrahl in den Raum, in den ich sah. Darin befand sich ein Fischschwarm, der den Lichtstrahl umkreiste. Ein faszinierendes Schauspiel, denn der Rest des Raums lag im Dunkeln.

Während ich das betrachtete, hatte der Tauchlehrer Annette zu einem Fenster weiter rechts geführt. Irgendwann kam er dann und gab uns ein Zeichen – Zeit zum Auftauchen. Tatsächlich hatte ich den Inhalt meiner Pressluftflasche, der zu Beginn bei 200 bar war, schon bis auf knapp unter 70 bar verbraucht. Wir machten uns an den Aufstieg, um die Aufbauten des Wracks herum zu der Leine und von dort wieder an die Wasseroberfläche. Als wir diese erreichten hatten, wurden mir mehrere Dinge gewahr. Erstens, meine Nase war voller Rotz. Bah! Zweitens, der Tauchcomputer zeigte eine Gesamttauchzeit von 40 Minuten – ich hätte gesagt, wir waren höchstens 20 Minuten unterwegs gewesen. Drittens, Annette hatte noch wesentlich mehr Luft in ihrer Flasche als ich. Die Angeberin hatte wieder mal gegeizt mit dem Verbrauch und sich was für schlechte Zeiten zurückgelegt. Viertens, ich war völlig sprachlos und völlig überflutet von den Eindrücken dessen was ich eben erlebt hatte. Ich vermute mal, dass der letzte Punkt der Grund ist, warum bei dem ersten Freiwassertauchgang innerhalb des Kurses keine gesonderten Übungen vorgesehen sind. Der Tauchgang dient dazu, sich mit der Ausrüstung und der neuen Umgebung vertraut zu machen. Gott sei Dank!

Als wir an der Leiter des Tauchbootes angekommen waren, kamen die Leute von der Besatzung und nahmen uns die Flaschen ab, so dass wir nicht mit diesen die Leiter hochklettern mussten. Auf der Plattform angekommen zeigte uns unser Tauchlehrer den nächsten wichtigen Schritt: Pflege der Ausrüstung. Wir waren in Salzwasser unterwegs gewesen und mussten Regulatoren und Tarierweste abspülen. Dann schälten wir uns aus den Neoprenanzügen. Als nächstes galt es dann, die Eindrücke zu verarbeiten. Aber für den Moment war das alles ein bisschen viel. Es war ein merkwürdiges Gefühl, eine Mischung aus Stolz und Faszination. Wir hatten es wirklich geschafft. Und es war nicht so schlimm wie befürchtet. Wow. Jetzt war ich wirklich gespannt auf den zweiten Tauchgang. Und der sollte noch eine besondere Überraschung bereithalten.

* „Okay-Zeichen“: Daumen und Zeigefinger einer Hand bilden ein „O“, die anderen Finger werden abgespreizt. Ganz wichtig: Niemals beim Tauchen „Daumen hoch“ für „alles okay“ machen, denn dieses Zeichen bedeutet „sofort auftauchen“. Es sorgt nur für Verwirrung und einen frühzeitig beendeten Tauchgang.

Scuba Diver: Zwischen Pool und Meer – Thorstens Version

Nun hatten die Poollektionen also gar nicht so schlecht geklappt, obwohl ich bei jeder neuen Übung wieder nervös war. An diesem Abend galt es, unser Wissen zusammen zu bringen, also das, was wir aus den Filmen und von unserem Tauchlehrer gelernt hatten, mit Hilfe des Lehrbuchs zu etwas vernünftigen zu vereinen. Erstmal jedoch gab es Abendessen, und ich hatte auch Hunger. Man merkte es zwar nicht so direkt, aber es heißt nicht umsonst „Tauchsport“ – es kostet Kraft, auch wenn wir nur im Pool herumgepaddelt waren. Während des Essens sprachen Annette und ich über unsere Erlebnisse und Erfahrungen und dass die Übungen so gut geklappt hatten. Und am nächsten Tag würde es wirklich ins Meer gehen. Auf mindestens zehn Meter Tiefe… Da wurden wir dann ruhiger. Nachdenklicher.

So langsam fingen meine Zweifel an zu wachsen. Das war doch alles viel zu glatt gegangen. Als wir dann auf unserem Zimmer waren und das Buch durchackerten, wurde es noch schlimmer. Und so langsam kamen mir wieder die Dinge hoch, die mich bisher eigentlich davon abgehalten hatten, das Tauchen ernsthaft anzugehen. Worauf hatte ich mich da eingelassen? Nicht nur, dass ich in aller Ausführlichkeit an die möglichen Gefahren erinnert wurde, es kam noch mehr dazu. Der Druck nahm zu, je tiefer man ging, das wusste ich schon. Aber das Lehrbuch machte einen darauf aufmerksam, dass das Atmen schwerer wurde, je tiefer man kam. Und was die Übungen für den nächsten Tag betraf, da gab es keine Ausreden mehr. Um für den Tauchschein gültig zu sein, mussten diese in mindestens zehn Metern Tiefe gemacht werden.

Als wir am Abend zuvor den Entschluss gefasst hatten, den Kurs zu machen, war natürlich auch die Überlegung, wofür man so einen Schein brauchen könnte. „Schön-Wetter-Taucher“, das war der Begriff, den Annette ins Spiel brachte. Das war letztlich auch das, was mir sympathisch schien. Wenn man im Urlaub ist, an einem netten, warmen Gewässer mit guter Sicht (wie dem Roten Meer), einfach eine Ausrüstung leihen und auf eine Exkursion gehen. Und da beim Scuba Diver der „Instructor“ immer noch mit dabei sein musste, wäre das ja alles kein Problem.

Doch je mehr ich mich in die Materie vertiefte, desto mehr beschlichen mich Zweifel, ob ich nach dem nächsten Tag überhaupt weitermachen würde. Immerhin würde ich dann wissen, ob es nichts für mich ist und ich könnte mich in Zukunft wieder auf meine bequeme Position zurückziehen, wenn das Gespräch darauf kommen sollte. Aber den nächsten Tag würde ich noch durchziehen. Krieg ihn einfach rum! Das sagte ich immer wieder zu mir selbst. Doch das wurde zunehmend schwieriger. Schließlich las ich, dass es Menschen gab, denen unter Wasser schwindlig wurde, wenn sie „schwebend“ in einigen Metern Höhe über dem Grund hingen. Vor allem, wenn die Sicht gut war. Wie zum Beispiel im Roten Meer. Na großartig. Ich bin bestimmt einer der Kandidaten, denen schwindlig wird, dachte ich mir. Immerhin hatte mein Gleichgewichtssinn mir früher dahingehend Probleme bereitet, dass ich beim Autofahren reisekrank wurde. Das verschwand zwar grundlos, als ich ein Teenager war, aber wenn ich von großen Höhen herunterblicke, kann es sein, dass mir immer noch schwindlig wird. Das hatte mit meiner Höhenangst zu tun.

Ich muss hier grundsätzlich mal etwas ausführen. Falls es Sie nicht interessiert, dann überspringen Sie diesen Absatz einfach. Aber ich möchte natürlich, dass Sie nach der Lektüre dieses Artikels zu sich sagen können: „Mensch, bei den FlutFluteDivers, da hab ich was gelernt!“ Es ist nämlich so, dass die Umgangssprache mit bestimmten Begrifflichkeiten der Psychologie sehr schludrig umgeht. Banal gesagt sind einige Dinge, die man so umgangssprachlich sagt, falsch. Zum Beispiel wenn man sagt, jemand wäre „manisch depressiv“. Die meisten Menschen denken, so jemand wäre „besessen“, also extrem depressiv (eben manisch). In Wirklichkeit bedeutet es aber, dass sich Phasen der Hochstimmung (Manie) mit Phasen der Niedergeschlagenheit (Depression) abwechseln. Ähnliches gilt, wenn jemand von „Platzangst“ spricht, und dabei die „Klaustrophobie“ meint, also die Angst in geschlossenen Räumen. Der Begriff „Platzangst“ ist ungenau und kann mit der Agoraphobie, der Angst vor großen, leeren Plätzen verwechselt werden.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Nun, mit der „Höhenangst“ verhält es sich ganz ähnlich. Bei der Akrophobie ist es nicht die Höhe an sich, sondern das Gefühl, abstürzen zu können, das die Angst auslöst. Wenn ich am Rand eines Abgrunds stehe und nach unten schaue, habe ich das Gefühl, die Schwerkraft sei hier stärker, als wenn ich einen Schritt zurück mache. Ich habe das Gefühl, die Schwerkraft hat mich am Kragen gepackt und versucht, mich herunter zu ziehen. Dabei ist es unerheblich, ob ich auf einer gerade mal zwei Meter hohen Mauer stehe oder auf einem vierzig Meter hohen Turm. Die „Höhenangst“ sollte daher vielleicht eher „Fallangst“ oder „Sturzangst“ heißen.

Und wenn ich versuche, trotzdem nach unten zu sehen, kann es passieren, dass mir schwindlig wird. Ich konnte mir daher sehr gut vorstellen, dass das gleiche auch passiert, wenn ich schwebend über dem Meeresboden hänge. Immerhin macht es ja nicht „plumps!“ und man ist auf zehn Metern Tiefe. Man muss ja irgendwie dahin kommen. Na, das konnte ja heiter werden.

Was Annette betraf, so merkte ich eine gewisse Aufgeregtheit, aber wenn wir uns unterhielten, hatte ich den Eindruck, es war nicht mehr als eine Aufgeregtheit, wie sie ein Schüler vor einer wichtigen Klassenarbeit hatte. Sie sprach zwar von den Booten und den Wracks, wegen derer sie Bedenken hatte, aber das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir waren Anfänger! Man würde uns doch nicht sofort auf ein Wrack loslassen! Und vom Boot aus lostauchen – wir fuhren doch zu einem Riff und würden dort irgendwo festmachen und dann von Land aus ins Wasser. Tauchboote landen doch an, oder? Bei irgendeiner Insel. Es gab doch Inseln im Roten Meer? Natürlich gab es die, aber wurden die auch angefahren?

Ich hatte keine Ahnung.

Irgendwann half alles nichts mehr. Es war zu spät und wir sollten schlafen. Immerhin würde es am nächsten Morgen beizeiten losgehen. Die Nacht war unruhig, aber ich wollte mir nichts anmerken lassen. Wir gingen zum Frühstück, allerdings nicht ohne uns gegenseitig noch nervöser zu machen, als wir schon waren. Die magische Zahl des Morgens war die „10“. So tief würde es heute runtergehen. War die Decke des Speisesaals wohl zehn Meter hoch? Schon ganz schön viel… Schließlich kam der Schweizer noch an unserem Tisch vorbei und fragte, ob wir auch so unruhig geschlafen hätten und aufgeregt wären. Und das fragte er, der nur auf fünf Meter gehen würde? Schön, dass andere Menschen auch Bedenken hatten, aber es beruhigte mich nicht wesentlich. Dann fiel mir der Tipp ein, den unser Tauchlehrer noch gegeben hatte – da wir einige Zeit mit dem Boot fahren würden, wäre es schlauer, nicht so schwer und viel zu essen, das fördert nur die Seekrankheit. Aber es war egal – ich konnte sowieso kaum was essen.

Mein Kreislauf lief entgegen seiner sonstigen Gewohnheit (ich bin Hypotoniker) schon den ganzen Morgen auf Hochtouren. Und so kamen wir bei der Tauchbasis an. „Jetzt geht es loo-os!“, grinste unser Tauchlehrer breit. Der hatte gut lachen. Unsere Ausrüstung war mittlerweile in Plastikkisten verstaut und wurde von uns an Bord unseres Bootes gebracht. Dann ging es tatsächlich los. Schnell ließen wir das Ufer von El Gouna hinter uns. Wir fuhren irgendwo aufs Rote Meer hinaus. Gleich zu Beginn der Fahrt gab uns unser Tauchlehrer jeder einen Tauchcomputer. Ich war froh, dass ich etwas hatte, an dem ich mich festhalten konnte. Wäre der Tauchcomputer ein Tier gewesen, ich hätte es wahrscheinlich aus Versehen mit meinem Griff erwürgt.

Nach einiger Zeit setzten wir uns in der großen Kabine des Bootes an einen Tisch. Theorie wurde wiederholt. Dann wurde das „Briefing“ gemacht. Nachdem die erfahrenen Taucher, die auch mit auf der Tour waren, ihre Einführung über den Tauchplatz schon erhalten hatten, kam unser Tauchlehrer zu uns. Er klappte eine in Plastik laminierte Karte auf, die…

…ein Schiffswrack zeigte.

Wenn mich in dem Moment jemand gefragt hätte, ob ich aus der Kirche austreten wollte – ich hätt’s gemacht. Das war ja mal wieder toll. Typisch für die Ironie des Lebens. Und dafür zahl ich auch noch Kirchensteuern? Das Schiff hieß, als es die Meere noch befahren hatte, Ghiannis D. Dann war es auf die Nordseite eines Riffs mit Namen Shab Abu Nuhas geprallt und gesunken. Ich äugte vorsichtig rüber zu Annette. Sie hatte mir von ihren Problemen mit Wracks erzählt, ließ sich aber irgendwie nichts anmerken. Oder war sie schon erstarrt? Doch es kam noch schlimmer. Unser Tauchlehrer deutete auf einen Aufbau mit Querträger, der von den Aufbauten hochstand und meinte, genau dort würde unser Boot festmachen. Es würde also genau über dem Wrack lagern. Wir würden vom Boot springen und an einem Seil, das unter dem Boot hing, senkrecht fünf Meter in die Tiefe in die Tiefe tauchen. Na klasse! Annette hatte Probleme mit Wracks und mit der Tatsache, unter einem Boot zu tauchen – und jetzt würden wir bei unserem ersten Freiwassertauchgang auch noch alles beides haben? Ich war bereits so in der Rolle des „Buddys“, dass ich nicht bedachte, dass auf mich eventuell auch die eine oder andere Herausforderung zukommen könnte.

Unser Tauchlehrer erklärte unsere Route, vom Startpunkt aus in Richtung Bug des Schiffes, der in zehn Metern Tiefe liegt. Von da wieder zurück Richtung Heck, einmal um die Brückenaufbauten herum. Das müssten dann so ungefähr 45 Minuten sein (mir schoss durch den Kopf: „Oh Gott, die längsten 45 Minuten meines Lebens!“). Anschließend auftauchen und Fahrt zum nächsten Tauchplatz für den zweiten Tauchgang, doch zwischen den beiden Tauchgängen würde es Essen geben. Essen? Ach, werft meine Portion doch gleich ins Meer. Ich würde sowieso nichts essen können. Und die Fische freuen sich bestimmt.

Der Kampf mit dem OktopusShab Abu Nuhas kam näher. Irgendwann mussten wir unsere Ausrüstung fertig machen. Und zwar möglichst bevor die Situation eintritt, dass alle anderen schon im Wasser sind und wir noch beim Aufbauen. Also machten wir uns irgendwann dran. Bei den erfahrenen Tauchern sah das irgendwie professionell aus. Doch das, was ich tat, ließ sich mehr mit „der Kampf mit dem Oktopus*“ umschreiben. Endlich saß die Tarierweste auf der Flasche und schließlich auch die Erste Stufe auf dem Ventil. Alle Schläuche waren dort, wo sie sein sollten. Schließlich sahen wir es. Genau genommen ist Shab Abu Nuhas nicht wirklich zu „sehen“, da sich das ganze Gebilde unter Wasser befindet, aber man konnte es trotzdem gut erkennen. In einiger Entfernung von uns lagen sogar Metalltrümmer auf dem Dach des Riffs und ragten in die Höhe.

Einer der Männer von der Tauchbasis sprang ins Wasser, um unser Boot mit den Aufbauten der Ghiannis D. zu vertäuen. Unser Tauchlehrer machte uns aufmerksam, dass man das Schiff schon sehen könnte – und tatsächlich! Obwohl das Wrack mindestens fünf bis zehn Meter unter uns lag, war es zu sehen. Ich hatte zwar von der guten Sicht im Roten Meer gehört, aber das übertraf doch alles. Nun mussten wir uns endgültig fertigmachen. Also zuallererst wieder den Neoprenanzug an. Das ging nicht wirklich besser als am Tag zuvor. Die Tarierweste nebst Flasche auf. Und so schwer bepackt gingen wir zum Heck des Tauchbootes, wo sich eine Plattform befand. Von hier aus sollte es losgehen. Der Tauchlehrer und Annette waren auch schnell im Wasser. Ich nicht.

Erinnern Sie sich, was ich oben über die Schwerkraft und Höhenangst sagte? Man hat das Gefühl, als sei die Schwerkraft aus irgendeinem Grund stärker, wenn man am Rand steht. Nun stand ich am Rand der Plattform und hatte eine exzellente Sicht nach unten. Zwanzig Meter in die Tiefe. Und womit ich nicht gerechnet hatte, trat ein: Noch bevor wir im Wasser waren, meldete sich meine Höhenangst lautstark zu Wort und pöbelte rum. Das Gefühl, nach unten gezogen zu werden, wurde durch die schwere Ausrüstung noch verstärkt. Und dann sollte ich tatsächlich mit einem großen Schritt reinspringen. Das ließ mich endgültig verkrampfen, denn das letzte, was jemand, der einen akuten Höhenangst-Anfall hat, möchte, ist springen! Genau davor hat man ja Angst.

Wenn ich jetzt versuche, mir ins Gedächtnis zu rufen, was genau der Tauchlehrer und / oder Annette mir in der Situation zuriefen – das gelingt mir nicht. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass irgendwann der Gedanke die Oberhand gewann, dass es jetzt weitergehen musste. Außerdem würde die mich von hinten bestimmt schubsen, wenn ich nicht bald freiwillig reingehe. Und das wollte ich auf keinen Fall. Wenn schon, dann von selbst!

Also dann! Tarierweste aufgepumpt, Regulator in den Mund, Regulator und Maske festhalten, uuuuund…

…ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für mich.

Meine Befürchtungen, wie ein Meteorit auf dem Deck der Ghiannis D. aufzuschlagen, bewahrheiteten sich nicht. Meine Tarierweste trug mich. Endlich war ich drin. Mir war auch schon warm geworden, so im Neopren in der prallen Sonne. Nun, unserem eigentlichen Tauchgang stand nichts mehr im Weg.

* Für die Nichtkenner: Als „Oktopus“ wird der Ersatzregulator bezeichnet, der im Notfall für den Partner gedacht ist, wenn diesem die Luft ausgeht. Auf dem Bild oben ist der Oktopus der Regulator mit dem gelben Schlauch, der ganz nach unten hängt.

Europa-Park Shows 2009: „Magia“

[singlepic id=194 w=320 h=240 float=left]Das Varieté im italienischen Themenbereich beherbergt die erste ständige Showbühne, auf der Jahr für Jahr ungewöhnliche und abwechslungsreiche Shows dargeboten wurden. Und „Magia“, die Show dieses Jahres, markiert für Fans die Rückkehr eines „alten Bekannten“: Housch-Ma-Housch, der im Europa-Park das erste Mal beim „Festival of Fools“ im „Globe Theater“ zu sehen war. Er führt durch „Magia“ und seine Attraktionen, von denen er selbst natürlich eine ist. Housch-Ma-Housch spricht, aber seine aus Gesten und Geräuschen (und wenig Worten) bestehende Sprache wird international verstanden. Und seine Darbietungen sind einfach köstlich, etwa wenn er in Gesten und Geräuschen einen Europa-Park-Besucher beschreibt, der wohl etwas zu viel getrunken hat und anschließend im „Silverstar“ mitfährt (dazu sage ich nur: „Börp!“).

Eine weitere Künstlerin der Show ist Mandy Mercedes, die ihren Körper verbiegt, während sie mit Tüchern jongliert. Den Begriff „Kontorsion“ („Verdrehung“) kannte ich bisher nur im Zusammenhang mit medizinischen Notfällen, hier wird es hohe Artistikkunst, über die man nur staunen kann.

[singlepic id=195 w=320 h=240 float=right]Die Hauptnummer der Show jedoch, deswegen heißt sie schließlich „Magia“, bestreitet der Magier Jay Niemi. Der Mann stammt aus Finnland, was vermutlich der Grund für die Art und Weise seiner Präsentation ist. Es handelt sich um eine Zaubershow, also wird gezaubert. Punkt. Mehr nicht. Wo Niemis Kollegen gern mal in Ankündigungssuperlative über den nächsten Trick verfallen, macht er einfach. Er redet nicht. Das braucht er auch nicht, und das gibt der Vorführung etwas erfrischend anderes. Und er braucht keine großen Kulissen und Requisiten, aus denen er seine Tauben und Papageien hervorzaubert. Letztere geben der Nummer nochmal einen besonderen Schliff, denn Niemi lässt die Papageien durch den Saal fliegen, über die Köpfe des Publikums hinweg.

Seit einiger Zeit halte ich es so, dass ich bei einem Europa-Park-Besuch die Show im „Teatro dell’Arte“ als letztes anschaue. Zum einen hat das rein praktische Erwägungsgründe: Der italienische Themenbereich liegt direkt neben dem deutschen, das heißt, quasi am Ausgang. Außerdem sind die Shows so geplant, das die letzte Show im „Teatro“ auch gleichzeitig die letzte Show an dem Tag überhaupt ist und kurz vor Parkschluss stattfindet. Zum anderen ist die Show aber auch für mich ein krönender Abschluss eines Parkbesuchs, bevor es wieder nach Hause geht. Und neben den Shows in der spanischen Arena waren und sind die Varieté-Shows für mich immer ein Höhepunkt (und dieses Jahr auch die Musicalshow im „Globe“). Wenn Sie den Park besuchen, planen Sie die auf jeden Fall ein! Sie werden nicht enttäuscht werden.



Neckermann Reisen

Scuba Diver: Der Pooltauchgang – Thorstens Version

Nachdem wir also die Theorie mit Selbststudium unterfüttert hatten, soweit uns das möglich war, machten wir uns erneut auf zur Tauchbasis, wo uns dann unser Tauchlehrer vorgestellt wurde. Nein, es war nicht die Schweizerin. Es war ein „Freelancer“. Im ersten Moment war mir das gar nicht so recht, denn so langsam merkte ich, dass ich nervös wurde. Und etwas wortkarg.

Die erste Hürde, die wir zu überwinden hatten, war die Ausrüstung. Wir mussten etwas finden, das uns passt, ein passender Neoprenanzug, eine Tarierweste, Flossen, Brille… Ich zog an, was man mir reichte und letztlich passte auch irgendwas. Gleichzeitig wurden wir unseren „Kurskollegen“ vorgestellt. Mit Annette und mir sollten noch ein Schweizer und ein Niederländer dabei sein. Der Schweizer hatte allerdings nur das „Discover Scuba Diving“-Paket gebucht, das bedeutete, er würde nicht alle Poollektionen mitmachen und am nächsten Tag nur einen Tauchgang machen, und nur bis fünf Meter Tiefe. Aber fünf Meter, das war ja nichts. Das hatte ich auch schon ohne Tauchausrüstung geschafft. Andererseits, 12 Meter, das war mehr als doppelt so tief…

Der Niederländer hingegen brauchte wohl nur noch einen „Auffrischkurs“, denn er hatte bereits einen Tauchschein. Während wir dann die Ausrüstung anprobierten, bekam ich auf einem Ohr ein Gespräch zwischen dem Niederländer und unserem Tauchlehrer mit, die sich auf englisch darüber unterhielten, dass Annettes Neoprenanzug nicht passte. „She gonna have problems with that“, sagte der Niederländer. „I know“, war die Antwort unseres Tauchlehres, „but she wants it that way.“ Hm, dachte ich mir, Annette wird schon wissen, was sie tut. Ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, als dass ich mir darum auch noch Gedanken machen konnte.

Sheraton Miramar Resort: Der PoolNach einer Wiederholung des Gelernten in Form von einen Test, wobei sich unter Tauchlehrer ausreichend Zeit nahm, alles mit uns durchzugehen, bis es klar war, wurde unsere Ausrüstung zum Pool gebracht. Ein wirklich komisches Gefühl, diesmal auf der anderen Seite zu stehen, denn nun sahen andere Hotelgäste interessiert zu, was wir denn da taten. Wir fingen also an, unsere Ausrüstung zu richten. Der Tauchlehrer stand uns zur Seite und erklärte den Anfängern geduldig, wie man das richtig macht, wie man die Pressluftflasche am Jacket befestigt, wie die Erste Stufe angeschlossen wird und so weiter. Poseidon sei Dank (oder wer auch immer im Pantheon dafür verantwortlich ist) hatte auch er, so wie seine Kollegin, eine angenehm ruhige Art an sich und erklärte die Dinge mit viel Humor. Das Problem war nur, zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht wirklich richtig darüber lachen. Die Nervosität war bereits viel zu groß. Immerhin sorgte unser Tauchlehrer so auf seine ganz eigene Art dafür, dass sie nicht überhand nahm.

Dann kam die erste neue Erfahrung – Neopren. Man muss kräftig dran ziehen, damit man reinkommt. Wenn man den Anzug endlich anhat und an Land steht, wird einem sehr schnell verdammt warm, vor allem in der Sonne Ägyptens. Sogleich kam die nächste Erfahrung, die ich bisher immer nur beschrieben bekommen hatte und die ich mir so gar nicht vorstellen konnte. Es sei nämlich, hatte man mir immer erzählt, gar nicht so schlimm, im Neoprenanzug ins Wasser zu steigen, wenn es eine gewisse Temperatur hatte. Diese Temperatur musste nicht mal sonderlich hoch sein. Und was soll ich sagen – es ist tatsächlich so. Nun hatte der Pool natürlich trotzdem noch angenehme Temperaturen, aber auch aus anderen Erfahrungen, die ich mittlerweile gemacht habe, kann ich bestätigen: Auch wenn man es nicht glaubt, das Neopren erfüllt seinen Zweck. Selbst wenn es nur 5 Millimeter hat.

Schließlich, ein paar Erklärungen später, kam der große Moment: zum ersten Mal unter Wasser gehen mit dem Regulator. Nun, eigentlich hatte ich sowas ja schon mal gemacht, aber das war zu dem Zeitpunkt etwas mehr als 15 Jahre her. Und die Situation war eine andere – diesmal wusste ich, was ich tat. Ungefähr jedenfalls. So’n bisschen. Trotzdem musste ich konzentriert bleiben, um nicht gewohnheitsmäßig die Luft anzuhalten. Siehe da, es ging. Es dauerte, bis ich mich zurecht gefunden hatte mit der Ausrüstung, oder sagen wir, bis die Ausrüstung nicht immer nur das machte, was sie wollte, sondern ab und an auch mal auf mich hörte. Dann kamen wir zu den spezifischen Übungen.

Der große Vorteil vom Pooltauchgang ist, dass man im Ernstfall schnell an der Oberfläche ist, falls etwas schiefgeht. Aber was soll ich sagen? Es ging nichts schief. Das war mir schon wieder unheimlich. Maske abnehmen, wieder aufsetzen und sie ausblasen – klappte beim ersten Mal. Hä? Regulator aus dem Mund nehmen, fallenlassen, wiederfinden und wieder zurück in den Mund – klappte. Selbst die Übung, bei der man die Maske abnehmen und mindestens eine Minute ohne diese durch den Regulator atmen musste, funktionierte. He, ich bin Anfänger! Ich verlange, Fehler zu machen! Ich will mich blöd anstellen! Okay, letzteres hätte ich vielleicht nicht so laut fordern sollen, denn das kam noch. Tatsächlich war meine Stimmung zum ersten Mal eher positiv. Aber Zweifel blieben. Kleine, niedliche Zweifel. Zweifel, die noch wachsen sollten. Und das schneller, als mir lieb war.

Wir machten die Poollektionen so ausführlich, dass es längst dunkel war, als wir zum letzten Mal aus dem Wasser stiegen. Die letzten Übungen hatten wir im gedimmten Licht der „kleinen“ Poolbeleuchtung durchgeführt. Jetzt, da wir rausgingen und uns des Neoprenanzugs entledigten, schaltete man die großen Unterwasserscheinwerfer ein. Arrgh! Warum jetzt? Warum nicht früher?

Die Bilanz des Tages war durchaus positiv. Der Tauchlehrer war sehr bemüht und manchmal konnte man den Eindruck bekommen, er machte bestimmte Dinge nur, um uns ein Lächeln zu entlocken. Selbst unter Wasser, aber lächeln Sie mal, wenn Sie einen Regulator im Mund haben. Was mich an dem Tag allerdings sehr irritierte, war der Punkt, dass wir dem Tauchlehrer demonstrieren mussten, dass wir in der Lage waren, nicht nur zu schwimmen, sondern das auch noch zehn Minuten ohne Pause. Dabei war schwimmen doch genau das, was ich so konnte. Leichteste Übung! Wie Mark Spitz! Na gut, wie ein in die Jahre gekommener Mark Spitz, der nie an Olympia teilgenommen hatte. Oder sagen wir, wie ein Badewannen-Mark-Spitz. Das trifft’s. Meine Frage, ob es denn was gebracht hätte, wenn ich mein Freischwimmerzeugnis (von 1983 oder so) mitgebracht hätte, wurde seitens des Tauchlehrers abschlägig beschieden. Der Tauchlehrer habe sich, so die Vorschriften, „persönlich“ davon zu überzeugen, dass die Schüler schwimmen können.

Im Dunkeln und der dadurch bedingten aufziehenden Kälte mussten wir uns unserer Sachen entledigen. Also das gleiche wie am Mittag, nur umgekehrt: Raus aus dem Neopren. Hmja. Also, den Reißverschluss kriegte ich auf. Und dann? Keine Chance – ich kam nicht raus (für die Kenner unter den Lesern: Mein Anzug hatte den Reißverschluss vorne). Ich drehte mich zu unserem Tauchlehrer um. „Gibt es da einen Trick?“, fragte ich und hoffte insgeheim, seine Antwort würde nicht lauten: „Nein, da gibt es keinen Trick. Jeder Idiot kommt aus einem Neoprenanzug raus!“ Doch tatsächlich lächelte er mild und meinte: „Ja, da gibt es einen Trick: Lass Dir vom Buddy helfen!“ Da Annette genug mit ihrem Anzug zu kämpfen hatte, sprang der Tauchlehrer kurzfristig in die Rolle des Buddys und zog mir das Neopren von den Schultern. Danach ging es ganz einfach ohne Probleme wie geschmiert zwar auch nur mit viel ziehen und zerren weiter, aber irgendwann war ich den Anzug los.

Nachdem wir wieder trocken waren, ging es direkt zum Abendessen und daran, das Erlebte zu verarbeiten und durch Bücherstudien zu vertiefen. Wir waren jetzt „Buddys“, das hatte ich heute gelernt – Tauchpartner, die auf einander zu achten hatten. Wenn sie nicht gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Ooookaaaay…

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