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Kategorie: Ägypten (Seite 6 von 9)

Sakwa Abu Kalawa – Ägypten – Rotes Meer – und die „Ohne Luft“ Situation

Sakwa – oder auch hin und wieder Sagua Abu Kalawa – ist ein wunderschönes kleines Riff im nördlichen Roten Meer zwischen El Gouna und Hurghada gelegen. Mit seinen 16 m Tiefe ist es ebenfalls sehr gut von Anfängern betauchbar. Strömungen kommen üblicherweise von Norden und waren an unserem Tauchtag nicht besonders stark.

Wir ankerten gegenüber einer kleinen Lagune, die 6 – 7 m tief ist. Dann erfolgte der Abstieg.

Thorsten: Dabei hatten wir die erste technische Schwierigkeit zu überwinden. Als wir abstiegen, fiel mir auf, dass von Annettes Flasche kleine Luftbläschen aufstiegen. Ich sah mir das näher an und stellte fest, dass sie aus der Stelle am Flaschenhals kamen, an der das Ventil in die Flasche reingeht. Ich signalisierte dem Guide, dass wir ein Problem hatten und er zeigte an, dass wir wieder aufsteigen sollten. Annette bekam eine neue Flasche, wir stiegen erneut ab, und diesmal war alles gut. Wir ahnten nicht, dass das nur der Anfang war…

Unser Guide führte uns an einem geraden, langestreckten Stück Riff entlang. Wunderschön mit Korallen bewachsen findet man hier massenhaft große und kleine Fische, angefangen von Napoleon-Babys bis hin zu Kaiserfischen. Ab und zu sollte man aber auch immer einen Blick in’s „Deep Blue“ werfen, denn hier kommt gelegentlich auch etwas „Großes“ vorbei. Wie zum Beispiel ein Manta. Leider hielten die sich aber bei unserem Tauchgang gut versteckt.

Die "tote" Wand an Sakwa Abu Kalawa

Folgt man dem Riff ein Weilchen erschrickt man fast. Plötzlich, fast ohne Übergang, erscheint das Riff plötzlich wie tot. Der Korallenbewuchs ist verschwunden, vereinzelt scheinen sich ein paar Fische dorthin verirrt zu haben. Aber davon sollte man sich nicht irritieren lassen. Auch wenn das Riff tot erscheint – auch hier existiert beim näheren Hinsehen sehr wohl Leben. Lauter kleine Höhlen hat es dort, und wenn man Glück hat, so wie wir, dann schauen aus den Höhlen auch die Muränen heraus.

Muräne

Muräne

Genauso plötzlich, wie das Riff „gestorben“ ist, erwacht es wieder zum Leben. Folgt man ihm noch ein Stückchen, dann wird man mit dem eigentlichen Highlight dieses Tauchganges belohnt. Am Ende mündet das Riff in eine Art Rondell, in dessen Mitte ein gewaltiger Block steht. Schwimmt man in das Rondell, bemerkt man bereits, dass es hier deutlich flacher ist, ich vermute mal 7 – 8 m. Hier ist es taghell, und man kommt sich vor, als ob man in ein Aquarium geschwommen ist. Man sollte sich die Zeit nehmen, einfach mal ein paar Minuten dem bunten Treiben zuzusehen. Dieser einzelne Block in der Mitte des Rondells ist voller Leben. Tausende von Fischen sämtlicher Arten und Größen wirbeln hier herum, ziehen in Schwärmen vorbei oder legen an dem Block ein Päuschen ein. Feuerfische mit sorgenvollen Mienen schwimmen umher. Und wenn man ganz viel Glück hat, dann kann man hier auch Schildkröten antreffen. Aber genau wie die Mantas hielten die sich leider sehr versteckt.

Fischreichtum bei Sakwa Abu Kalawa

Fischreichtum bei Sakwa Abu Kalawa

Auf dem Rückweg schwammen wir mit der Strömung und kamen so gut und schnell voran. Abgemacht war, dass wir noch einen Abstecher in die Lagune machen wollten um dort unseren Sicherheitsstop auf 5 m für 3 min zu machen.

Rotfeuerfisch

Rotfeuerfisch

Wir bogen also um die Ecke, um in die Lagune zu schwimmen, da zeigte Thorsten unserem Guide an, dass er nur noch 50 bar in seiner Flasche hatte. Dieser gab ein Zeichen, dass er verstanden hatte und es ging in die Lagune hinein. Insgeheim wunderte ich mich, denn wir hatten mal gelernt, dass man bei 50 bar mit dem Aufstieg beginnen sollten, aber gut. Zu unserem Entsetzen schwammen wir aber richtig weit in die Lagune hinein.

Die Lagune von Sakwa Abu Kalawa

Die Lagune von Sakwa Abu Kalawa

Prinzipiell spricht ja nichts dagegen, den Sicherheitsstopp für eine kleine Erkundung zu nutzen, anstatt an einem Seil rumzuhängen. Aber wir hatten den Rückweg zum Boot von der Lagune aus ja auch noch vor uns.

Mir wurde langsam unwohl bei dem Gedanken und ich fragte Thorsten, wieviel Luft er noch hatte. An seinem Blick merkte ich bereits, dass es wohl ernst war… und dann zeigte er mir an: 30 bar!

Da ist mir in der Tat erstmal das Gesicht runtergefallen. Und es war klar: zurück! JETZT! SOFORT!

Wir informierten den Guide, der nickte und kehrte um. Weit waren wir nicht vom Boot entfernt, wir konnten es quasi sehen, aber trotzdem… wir schwammen also Richtung Boot. So langsam wurde es mir immer mulmiger zu Mute, ich kenne doch unseren „Staubsauger-Thorsten“ und sein Luftverbauch… ich rechnete mit allem. Daher löste ich bereits meinen Oktopus aus seiner Halterug und hielt ihn in der Hand… sicher ist sicher wenn es schnell gehen muss. Und dann…

…kam die Situation. Die, vor der wir alle Angst haben auch wenn wir sie schon x Mal geübt haben. Dein Tauchpartner klopft dir auf die Schulter und zeigt dir an, dass er keine Luft mehr hat.

In Ruhe und im Nachhinein betrachtet gab es in dem Moment keine Ideallösung. Ich versuchte, normal weiter zu atmen, konnte aber natürlich nicht verhindern, dass mein Herz anfing, schneller zu schlagen. Außerdem war es nicht zu entscheiden, was besser war: Würde ich langsam schwimmen, um den Grundumsatz und damit den Luftverbrauch zu senken, würde ich länger brauchen bis zum Boot. Würde ich schneller schwimmen, damit wir das Boot schneller erreichen, würde das meinen Luftverbrauch steigern. Ja, und dann… Beim „Scuba Diver“ (und dementsprechend auch beim „Open Water Diver“) gibt es bei den Poollektionen eine spezielle Übung, die man genau für so einen Fall macht. Dabei setzt sich der Tauchschüler auf den Grund des Pools und der Instructor dreht ihm die Flasche zu. So spürt der Schüler, wie es sich anfühlt, wenn die Flasche leer geht, damit er in einer solchen Situation sich nicht erstmal fragen muss: „Was ist denn jetzt los?“ Ich hatte schon seit ich festgestellt hatte, dass ich auf 30 bar war, mein Finimeter fast pausenlos im Blick und so beobachtet, wie die Nadel immer weiter fiel. Dann sah ich das Boot schemenhaft auftauchen. Die Nadel hatte gerade die 10-bar-Markierung passiert und ich erlaubte mir eine kleine Erleichterung. Wir würden gleich da sein. Doch da merkte ich mit einem Mal, wie ich stärker „ziehen“ musste, um Luft zu kriegen. Das Boot in Sichtweite – aber es war zu spät. Die Zeit für Experimente war vorbei. Ich wollte sofort umsteigen und tippte Annette an.

Diesen Adrenalinstoß werde ich nie vergessen.

Auch wenn ich eigentlich damit schon gerechnet hatte. Ich drückte ihm sofort den Oktopus in die Hand… er nahm seinen Regulator aus dem Mund und ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „Bitte laß ihn genügend Luft haben, dass er den Oktopus ausbläst, oder lass ihn wenigstens daran denken, die Luftdusche zu betätigen, sonst haben wir ein Problem!!!“.

Ich weiß nicht, WAS er von beidem machte, aber er machte es. Zum Glück.

Ich weiß es selber nicht mehr. Ich nahm Annettes Oktopus in Empfang und dann fehlt mir ein Stück. Das nächste, das mir in Erinnerung ist, wie ich den ersten Atemzug daraus nehme und alles in Ordnung ist. Ich hielt mich an ihr fest und gleichzeitig gaben wir uns gegenseitig das Zeichen zum Aufsteigen. Kein Risiko! Und den Sicherheitsstopp hatten wir schon in der Lagune gemacht.

Nachdem mir Thorsten das Zeichen gegeben hatte, dass alles ok war, stiegen wir auf. Wir kamen am Nachbarboot hoch. Lächerliche 10 m wären wir noch von unserem Boot entfernt gewesen.

Als wir an der Obefläche ankamen, zog ich an meinem Tarierhebel und ließ den letzten Rest aus meiner Flasche ins Jacket. Es zischte ungefähr zwei Sekunden lang, dann tat sich gar nichts mehr. Die Flasche war nun wirklich LEER.

Unser Guide hatte die Situation beobachtet und uns nachher erklärt, dass wir problemlos auch zusammen an einer Flasche hängend hätten zurückschwimmen können. Wir hätten nicht unbedingt aufsteigen müssen. Das hat uns etwas verwirrt. Wir diskutierten dies hinterher intensiv, und kamen zu dem Schluss, dass wir – falls nochmal so eine Situation eintreten würde, – wieder so handeln würden wie wir. Man darf nicht vergessen, dass dort Strömungen herrschen, und zudem war der Tauchplatz gut besucht. Würden wir also durch eine Strömungswelle plötzlich getrennt werden oder sonst irgendwas passieren… das war uns zu unsicher.

Es stellte sich auch im Nachhinein heraus, dass Thorsten sehr überlegt gehandelt hatte. Er hatte auf seinem Finimeter noch 10 bar, als er mir das Zeichen gab, und er meinte, dass er den ersten, schwereren Atemzug spüren würde. Statt die Flasche komplett leer zu atmen gab er so rechtzeitig das Zeichen, so dass er noch genügend Luft an der Oberfläche hatte, um sein Jacket aufzublasen.

Es war nicht mehr viel Luft, aber sie reichte, um mir einen stabilen Auftrieb zu verschaffen. Darüber hatte ich mir mal Gedanken gemacht, nachdem wir im OWD-Kurs die Notaufstiegsübung gemacht hatten. Ich kam völlig außer Atem an der Obefläche an, musste strampeln, um an der Oberfläche zu bleiben und dann auch noch das Jacket mit dem Mund aufblasen. Wenigstens noch ein bisschen Luft aus der Flasche würde die Sache einfacher machen. Und dass wir nicht unter Wasser an einer Flasche hängend zum Boot zurück sind, sondern gleich aufgestiegen, war auch für mich völlig in Ordnung. Es war sicherer, weil ich nicht mehr von Annettes Oktopus abhängig war.

Alles in Allem war das keine ungefährliche Situation und wir mussten zum ersten Mal zeigen, ob wir wirklich unter Wasser harmonieren oder ob einer von uns die Nerven verlieren würde. Wir haben es gemeistert, und das gibt uns auch für die Zukunft ein gutes Gefühl.

Sakwa Abu Kalawa - Wimmelbild

Sakwa Abu Kalawa - Wimmelbild

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AOWD – Die Rückkehr nach Ägypten

Endlich war es so weit: Quasi zur Feier des 1jährigen Bestehen der „FlatFluteDivers“ waren wir wieder in Ägypten, wieder in El Gouna, und wieder im „Sheraton Miramar Resort„. Das brachte ein paar Vorteile mit sich, wir waren fast augenblicklich auch „geistig“ wieder dort angekommen, kannten uns aus und wurden außerdem während des Aufenthalts zu einer abendlichen Cocktailparty eingeladen. Gott sei Dank war der Dresscode für die Cocktailparty „smart casual“, was man mit „gehobene Gelegenheitskleidung“ übersetzen kann, wenn man wie ich gern mit Worten spielt. Soll heißen, Jeans ging in Ordnung, solange sie keine Löcher hatte. Was für ein Glück, denn ich hatte meinen nicht-existenten Anzug zu Hause gelassen – und für Annettes nicht-existentes Abendkleid gilt das gleiche.

Auch die Tauchbasis des Hotels war uns schon bekannt. Bei TGI kann man Tauchgänge und Kurse im Voraus im Internet buchen und dabei die genauen Tage festlegen. Das bringt preislich nochmal einen Vorteil und erspart einem die Organisation vor Ort. Wenn man ankommt, hat man bereits eine Nachricht der Tauchbasis vorliegen, die einen willkommen heißt und darauf aufmerksam macht, dass man die Ausrüstung vorbeibringen kann. Wir hatten diesmal den Urlaub etwas verlängert und daher ein „großes Paket“ genommen – 10 Tage mit je zwei Tauchgängen. Außerdem hatten wir den „Advanced Open Water Diver“-Kurs gebucht, was nochmal drei Tage mit je zwei Tauchgängen wären.

TGI-Tauchbasis im Sheraton Miramar Resort, El Gouna

TGI-Tauchbasis im Sheraton Miramar Resort, El Gouna

Noch am Tag der Anreise brachten wir unsere Tauchausrüstung auf der Basis vorbei. Das Mitnehmen eigener Ausrüstung im Flugzeug war bei unserer Fluglinie (Condor) kein Problem, man musste es lediglich im Voraus buchen. Auf der Tauchbasis selbst gibt es Möglichkeiten, die Ausrüstung aufzubewahren, auch an solchen Tagen, an denen man nicht taucht. Wir hatten unsere Tauchgänge so geplant, dass es in der Mitte einen Tag ohne Ausflug geben sollte, und es war praktisch, dass wir nicht wegen diesem einen Tag unsere Ausrüstung im Hotelzimmer deponieren mussten. Wir hatten bei der Basis bereits in der Online-Anmeldung das Angebot „Nitrox for free“ ausgenutzt, so dass wir wir statt mit Pressluft die ganzen Tage über mit „enriched air“ tauchen würden. Die Flaschen hatten eine Standardgröße von 12 Litern, was sich für manche von uns noch als verhängnisvoll herausstellen sollte.

Die Basis fuhr jeden Tag mit dem Boot raus – in El Gouna gibt es leider (noch) keine Hausriffe. Im Gegensatz zum Jahr zuvor war es aber nicht mehr getattet, die Tour vom Steg des Hotels aus zu starten, so dass wir jeden Morgen mit einem kleinen Bus an die Marina gefahren wurden, wo unser Tauchboot, die ABYDOS 2, auf uns wartete. Eine Tagestour lief so ab, dass in der Regel zwei verschiedene Tauchplätze nacheinander angefahren wurden. Dazwischen gab es von der Besatzung zubereitetes Essen, am Abend, auf der Rückreise, meistens noch einen kleinen Nachtisch.

Die Besatzung war extrem bemüht um die an Bord befindlichen Taucher und Schnorchler, sie halfen einem, die Ausrüstung, hauptsächlich das Jacket, anzulegen; wenn man vom Tauchgang zurückkehrte, nahmen sie einem noch auf der Plattform am hinteren Teil des Bootes die Flasche ab und versorgten sie. Sie nahmen auch Flossen und Kameras vor dem Aufstieg die Leiter hinauf in Empfang. Die Kameras wanderten sofort in einen Eimer mit klarem Wasser, damit sie ordentlich abgespült und vom Salz befreit wurden.

Die ABYDOS 2

Die ABYDOS 2

Die ABYDOS 2 ist ein Tauchboot, wie man sie auf dem Roten Meer häufig antrifft: Sie hat drei Decks, ein offenes Oberdeck, ein Zwischen- und ein Unterdeck. Auf dem Oberdeck sind Bänke und Matten, wo sich die Taucher zwischen den Tauchgängen aufhalten und ausruhen konnten, auf dem hinteren Zwischendeck befindet sich die Bank, wo die Taucher die Ausrüstung anlegten, wo die Flaschen und die Boxen mit der Ausrüstung gelagert und die Taucheranzüge aufgehängt werden, außerdem ist hier die Plattform, die als Ein- und Ausstieg ins Wasser dient. Das vordere Zwischendeck  ist geschlossen, hier ist ein weiterer Aufenhaltsraum mit Bänken und verschiedenen anderen Dingen, einem Fernseher, Büchern über das Rote Meer und seine Bewohner. Und die Kühlbox mit den Getränken wird hier aufbewahrt. Seitlich an dem Raum befinden sich zudem zwei Toiletten für den nach dem Tauchgang obligaten „Miktionsgang„. Das Unterdeck ist der Besatzung vorbehalten und nur über eine Treppe des geschlossenen Bereichs des Zwischendecks zu erreichen.

ABYDOS 2: Oberdeck und Führerstand

ABYDOS 2: Oberdeck und Führerstand

Auf dem Boot fahren bei den Touren verschiedene Divemaster und Instructors mit. Obwohl es eigentlich die Hauptaufgabe der Divemaster ist, Touren zu führen, machten das die Instructors auch, wenn sie keinen Kurs zu bertreuen hatten. Die Divemaster entschieden dabei auch, wen unter den Tauchern man eventuell auch ohne Führung auf einen Tauchgang lassen konnte. Ansonsten wurden Gruppen eingeteilt, die mit je einem „Guide“ unterwegs waren.

ABYDOS 2: "Rüstbank"

ABYDOS 2: "Rüstbank"

Unser geplanter Ablauf war, dass wir am nächsten Tag einen Tauchausflug mitmachen würden, um uns an das Tauchen im Roten Meer zu gewöhnen. Gleich im Anschluss sollten die drei Tage des nächsten Kurses kommen: „Advanced Open Water Diver“. Dabei handelt es sich um eine Art „Zwischenstufe“, die dazu dient, dass Taucher, die schon ein paar Tauchgänge gemacht haben, die Tiefenbeschränkung von 18 Metern auf 30 Meter verschieben können und außerdem einen Einblick bekommen, welche Spezialkurse PADI anbietet und was sie einem selbst bringen. Vorgeschrieben sind fünf Tauchgänge, von denen jeder ein bestimmtes „Thema“ hat, Pflicht und Kern des AOWD ist dabei der so genannte „Tieftauchgang“, die anderen Tauchgänge können vom Schüler in Absprache mit dem Instructor bestimmt werden.

ABYDOS 2: Taucherplattform

ABYDOS 2: Taucherplattform

Ich möchte mich hier auf den Tieftauchgang konzentrieren, der wie gesagt die Hauptsache des Kurses ist. Dabei soll dem Schüler klargemacht werden, was es bedeutet, tiefer als 18 Meter zu tauchen, und er soll lernen, was er zu beachten hat. Stichwort ist hier natürlich der so genannte „Tiefenrausch“. Unser Instructor hatte sich für den Tieftauchgang eine Stelle ausgesucht, an der man tatsächlich 30 Meter Tiefe erreichen kann, an einem Abhang bei Marsa Abu Kalawa. Das erste, was uns beim Abstieg in diese Tiefe auffiel, hatten wir schon beim Schnuppertauchgang in Horka erlebt: das Atmen wird zunehmend schwerer. Als uns der Instructor anwies, dass wir uns in den Sand setzen sollten, zeigte mein Tauchcomputer eine Tiefe von 29,6 Metern. Hier sollten wir verschiedene Aufgaben lösen.

Annette: In der Tat. Wie Thorsten schon sagte. Da es im Roten Meer auf 30 m noch genauso taghell ist wie an der Oberfläche entgeht einem die Tatsache, dass man so tief ist. Der Abstieg ging auch schneller, als ich dachte. Wir kamen über eine kleine Halde und dort merkte ich plötzlich, dass ich kurzatmig wurde. Zuerst war ich etwas irritiert, nach Blick auf meinen Tiefenmesser war mir alles klar. Ich ließ mich auf den Meeresboden sinken und machte mir klar, dass das jetzt völlig normal war und kein Grund zur Sorge bestand. Trotzdem empfand ich das Gefühl etwas beklemmend.

Aufgabe Nummer eins war noch relativ einfach: Der Instructor reichte jedem von uns eine Schreibtafel, auf der drei Kreise gemalt waren. Wir sollten in jeden Kreis ein „X“ malen, und zwar so, dass wir möglichst nah an den Kreis kamen, aber nicht über die Kreislinie hinaus. Das erforderte Konzentration, war aber machbar.

Aufgabe Nummer zwei erwischte meine Achillesferse – Mathematik. Auf der Tafel hatte der Instructor verschiedene „Bandwurm-Rechenaufgaben“ geschrieben (im Stil von „150 + 24 – 83 + 16…“ usw), die wir im Kopf ausrechnen mussten. Und ich war stets bemüht, die gestellten Aufgaben zu lösen.

…hatte sich stets bemüht! Du weißt, was das in Beurteilungen heißt. 😉

Aber Spaß beiseite. Ich bin immer gut in Mathe gewesen. Aber trotzdem merkt man in 30 m Tiefe, dass man sich richtig konzentrieren muss, um nicht den Faden zu verlieren. Wir mussten auch noch die 9er-Reihe rückwärts schreiben, (90-81-72…). Die 9er Reihe ist mit die Einfachste…aber selbst da merkte ich, wie ich hängen blieb als es in Richtung 54 und 45 ging. Dieser Zahlendreher verwirrte mich um ein Haar. 😉

Ja, und ausgerechnet ich Mathe-Legastheniker lief zur Hochform auf. Es gibt nämlich einen Trick bei der 9er-Reihe, den mir natürlich niemand bisher erklärt hat (in fast 40 Jahren!!). Deswegen ist die 9er-Reihe im kleinen Einmaleins eigentlich die einfachste. Aber warum auch sollte mir Mathe aus Versehen mal einfach gemacht werden? Dort, in 30 m Tiefe, fiel es plötzlich auf, als ich die Zahlen aufschrieb… 90 – 81 – 72 – 63… Ja, man muss nur die Zahlen von 9 bis 0 an die Zehnerposition schreiben, und dafür die Zahlen von 0 bis 9 an die Einserposition, schon stimmt’s. Vielleicht sollte ich Prüfungen, in denen Matheaufgaben gestellt werden, in Zukunft unter dem Einfluss von Stickstoff schreiben?

Aufgabe eins und zwei führte einem vor Augen, dass man keinen voll ausgeprägten „Tiefenrausch“ braucht, sondern dass das Denken und die Konzentration generell schwerer fiel, als an Land. Der Tiefenrausch, der sich weder bei mir, noch bei Annette einstellte, war in dem Fall „nur“ noch eine zusätzliche Gefahr, auf die man achtgeben musste.

Aufgabe Nummer drei hatte mit den Auswirkungen des Wassers auf die Optik zu tun. Wir sollten eine Frucht erkennen, die uns der Instructor präsentierte. Das Ding sah merkwürdig aus, es war eiereckig, prall und von schmutzig-grüner Farbe. Das Aussehen machte mich zunächst ratlos, bis mir der Fruchtstempel ins Auge fiel. Sollte das etwa…

…eine Tomate sein? Ja, so war es. Dadurch, dass das Wasser Farben resorbiert, ist die Farbe rot schon noch ein paar Metern Tiefe praktisch nicht mehr vorhanden. Deswegen erschien die Tomate grün, obwohl sie an der Oberfläche rot war.

Mathematik sehr gut, Biologie mangelhaft. Also ehrlich! Da sagt uns der TL, er würde uns unter Wasser eine FRUCHT zeigen. Sicher ist eine Tomate eine Strauchfrucht, aberrrrrr… ich setzte das Wort Frucht mit OBST gleich. Und in 30 m Tiefe war ich leider nicht mehr so flexibel, über die mehrfache Bedeutung des Wortes FRUCHT nachzudenken. Der Farbe nach hätte es für mich eine Kiwi sein können, aber Kiwis haben Haare. Sehr glatt war die Oberfläche. Nektarine? Zu elastisch dafür. Ich kam auf keinen grünen Zweig, haha. Da ich den Eindruck hatte, dass man auf mich wartete schrieb ich halt irgendwas hin. Auf Tomate wäre ich sowieso nicht gekommen.

Du hättest als letzte Möglichkeit noch die Geschmacksprobe machen können… das hätt ich gern gesehen. Nein, eigentlich hätt ich es gern gesehen und fotografiert, Annette, die in 30 m Tiefe eine Tomate isst. Genau genommen hätte ich es gern gesehen, fotografiert, und dann das Gesicht von unserem Instructor fotografiert. Und immerhin: Gesalzen wäre die Tomate schon gewesen.

Nachdem wir die Aufgaben mehr oder weniger gelöst hatten, machten wir uns auf den Rückweg, mit einem ganz entspannten Tauchgang. Wir waren froh, wieder weiter nach oben zu kommen, wo das Atmen nicht so anstrenged war. Nachdem wir unsere fünf Spezialtauchgänge und die Lektionen dazu erledigt hatten, war es amtlich – wir hatten die nächste Stufe erklommen in unserer Tauchausbildung. Damit hatten wir uns unter anderem das Privileg erarbeitet, irgendwann auch ohne Guide auf einen Tauchgang zu gehen. Stolz schickten wir unseren Erfolg per elektronischer Datenverarbeitung an die Heimat, an unsere heimatliche Tauchschule. Und dann sollte es so richtig losgehen – das Rote Meer stand uns offen, und wir wollten es erkunden. Wir hatten keine Ahnung, was wir noch so alles erleben würden…

Sheraton Miramar Resort, El Gouna: Noch mehr Eindrücke

Wer dem Wintersport nicht so ganz zugeneigt ist oder es im Urlaub lieber warm hat, der geht im Winter ganz gern in den Süden. Ägypten bietet sich da beispielsweise an, speziell das Rote Meer. Über das Sheraton Miramar Resort in El Gouna habe ich an dieser Stelle schon meine Eindrücke wiedergegeben. In diesem Beitrag finden Sie die ständig aktualisierte Bildergalerie:

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Noch mehr Bilder vom Hotel finden Sie auch in der EP-Gallery. Klicken Sie dazu hier!

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Shaab Abu Nuhas: Wrack der Giannis D – Rotes Meer, Ägypten

Giannis D – Ein Wrack für Anfänger und Fortgeschrittene

Im nördlichen Roten Meer, am Riff Shaab Abu Nuhas, liegen insgesamt 4 betauchbare Wracks. Die Giannis D, die Kimmon K, die Carnatic und die Chrisoula K. Die Giannis D (im Internet kursiert auch die Schreibweise „Ghiannis D“, obwohl der Name ohne „h“ offenbar richtig ist) liegt mit am flachesten und kann bei geeignetem Wetter auch von Anfängern betaucht werden. Gelegentlich treten am Wrack allerdings auch Strömungen auf.

Bei der Giannis D handelt es sich um ein Frachtschiff Baujahr 1969. Vom Stapel lief es in Japan unter dem Namen Shoyo Maru. Sie war 99,5 m lang, 16 m breit, Tiefgang knapp 7 m und wurde von einem 3000 PS 6 Zylinder Motor betrieben, der das Schiff auf 12 Knoten beschleunigte.

Shab Abu Nuhas: Wrack der Ghiannis D.

1980 wurde das Schiff an ein griechisches Unternehmen verkauft und es wurde auf den Namen „Giannis D“ umgetauft. Daher ziert der Kamin des Schiffes ein großes D.

Ghiannis D. - Der Kamin

Die Giannis D verunglückte im April 1983 auf der Fahrt von Kroatien in den Jemen. Sie hatte Weichholz geladen. Warum sie genau verunglückte, ist bis heute noch nicht geklärt. Bekannt für Hindernisse ist der Golf von Suez, und das kurz unterhalb davon liegende Riff Shaab Abu Nuhas wurde schon öfters „übersehen“, jedoch schien es, als ob die Giannis D bereits an diesem Riff erfolgreich vorbeigekommen war. Augenzeugen berichten, dass die Ghiannis D aus voller Fahrt vom Kurs abwich und auf das Riff auffuhr. Warum dies passierte ist wie gesagt unklar, die Gerüchte reichen von einem betrunkenen Kapitän bis hin zu versuchtem Versicherungsbetrug.

Die Giannis D sank nicht sofort. Nach Auffahren auf das Riff versuchte man mittels ausgeworfener Ankerketten das Schiff längs am Riff zu halten. Die Besatzung wurde komplett gerettet. Allerdings hielt das Schiff der Belastung durch die Wasserkraft nicht stand und zerbrach innerhalb von 6 Wochen in zwei Teile und versank.

Heute ist das Wrack wunderschön bewachsen und liegt in einer Tiefe von 8 bis 25 m. Bug und Heck sind durch ein Trümmerfeld, das die Holzplatten zeigt, voneinander getrennt. Das Schiff kam nicht „senkrecht“ auf dem Meeresboden auf, sondern liegt um ca 45° geneigt. Vorsicht, beim Betrachten kann hier gerne Vertigo* entstehen!

Ghiannis D.

Das Heck reicht bis einer Tiefe von 25 m. Die Schiffsschraube erkennt man nur von Steuerbord. Am Heck hängt noch eine Leiter, über die die Mannschaft das Schiff verlassen hat. Auf dem Schornstein ist noch das große „D“ zu erkennen. Unterhalb des Schornsteines kann man in den Maschinenraum gelangen, in dem noch der riesige Schiffsdiesel zu erkennen ist. Taucht man einmal um das Heck herum, sieht am das Riff hoch noch die inzwischen mächtig bewachsenen Ankerketten, mit denen versucht wurde, das Schiff zu halten. Über das Trümmerfeld hinweg kommt man zum Bug, der komplett auf der Backbordseite liegt. Auf dem Deck erkennt man Ankerspill und Motorwinschen.

Der Tauchplatz ist sehr hell und bietet gute Gelegenheiten, um Fotos zu machen. Ich war inzwischen das zweite Mal dort und war wieder fasziniert. Die bunte Fischvielfalt wurde dieses Mal durch eine Riesenmuräne ergänzt, die träge aus einem Wrackteil geschwommen kam.

Fazit: Für Anfänger und Fortgeschrittene ein wunderschöner Tauchplatz. Anfänger tauchen selbstverständlich nicht in das Wrack, das versteht sich von selbst, aber auch von außen ist es eine Augenweide.

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* = Drehschwindel

Schnorcheln mit der Galatea, Annettes Version

Wir wurden mit dem Bus zu dem Segelboot „Galatea“ gebracht, das uns an diesem Tag zweimal im Roten Meer zum Schnorcheln absetzen sollte.

Da wir spät dran waren, mussten wir die Plätze nehmen, die übrig waren. Das Segelboot verfügte über zwei Sonnendecks, auf denen man liegen konnte  eine Art Matratze wurde gestellt) bis das Schiff anlegte. Wir lagen ziemlich am Rand. Was sich als etwas lästig herausstellte, da ich ununterbrochen die Abgase des Schiffes einatmete. Es setzte erst auf hoher See die Segel.

Das Schiff fuhr aus dem Hafen. Wie der Zufall es so will, fuhren wir direkt neben unserer Tauchbasis aufs Meer hinaus. Ich warf einen Blick rüber. Das Tauchboot, das wir noch vor ein paar Minuten da hatten liegen sehen, hatte inzwischen auch abgelegt. Ich sah nach vorne. Es war aber nicht in Sicht. Ich legte mich auf die Matratze und genoss die Sonne und den Wind. Ich konnte mir nicht erklären warum, aber mir war nicht zum Reden zumute. Das hatte nichts mit Thorsten zu tun, der neben mir lag. Ich hatte einfach mit mir zu tun, ich suchte nach der Ursache für meine aufkommende schlechte Laune. Lag es daran, dass der Urlaub in zwei Tagen vorbei war, auf den wir uns so lange gefreut hatten? Dann ging das Arbeiten wieder los, und das ist sehr sehr anstrengend. Ich wusste es nicht. Also hielt ich lieber Augen und Mund geschlossen und versuchte, abzuschalten.

Wir fuhren eine ganze Weile, dann erreichten wir schließlich unseren ersten Schnorchelplatz. Nun war es so: Wir mussten ein motorisiertes Schlauchboot besteigen um zu dem Riff zu gelangen. Da wir ein Haufen Leute waren, gab es sozusagen 2 Fuhren. Thorsten und ich fuhren bei der ersten Fuhre mit. Wir ließen uns ins Wasser fallen und durften unter der Aufsicht eines Führers ein bisschen herumschnorcheln bis die zweite Fuhre eintreffen würde. Das taten wir auch. Neugierig blickte ich nach unten. Das Riff war so ähnlich wie das, was wir beim zweiten Tauchgang betaucht hatten. Nur… alles erschien so weit weg. In der Tiefe sah ich Zebrafische und noch viele andere Lebewesen, aber das war eindeutig zu weit weg. Ich hatte mir für diesen Ausflug extra eine Einmal-Unterwasserkamera gekauft. Ich knipste wie wild, aber ich konnte mir schon denken, dass die Fische im Nachhinein sehr klein herauskommen würden. Das hob meine eh schon angeschlagene Stimmung nicht sonderlich.

Zebrafische vor einem Korallenriff

So langsam trudelten die anderen ein. Ich trieb auf der Stelle, da kam Thorsten vorbei. Ich sagte irgendwas zu ihm, da unterbrach er mich plötzlich und schnellte nach vorne. „Vorsicht!“ , fiel er mir ins Wort, “ du bist zu dicht am…“ *ditsch. „Riff!“. Das war eine Sekunde zu spät. In der Bewegung war ich mit dem Unterschenkel an das Riff gekommen. Eigentlich nicht so schlimm, könnte man meinen, aber in dem Moment durchfuhr mich ein stechender Schmerz. Ich paddelte nach vorne. “ Könntest du das das nächste Mal vielleicht eine Sekunde früher sagen?“, fragte ich ironisch nach. “ Tut mir leid“, sagte Thorsten, „ich hab es auch gerade erst gesehen.“

Annette beim Schnorcheln

Inzwischen war die zweite Fuhre auch im Wasser. Unser Führer legte los. Wir schnorchelten. Ich sah wieder runter ins Wasser. Konnte mich aber erstmal nicht konzentrieren. Mein Unterschenkel brannte wie Feuer. Ich nahm an, dass ich mir am Riff irgendwas aufgeschnitten hatte und nun das Salzwasser sein Übriges dazu beitrug. Ich schnorchelte weiter. Es wurde nicht besser. Nach zehn Minuten dachte ich, dass der Schmerz jetzt vielleicht mal langsam nachlassen könnte. Entsetzt fiel mir ein, was unser TL sagte… es gäbe auch giftige Tiere und Pflanzen, daher: NICHTS ANFASSEN. Klasse, dachte ich, bei meinem Glück… aber den Gedanken verdrängte ich ganz schnell. Ich hatte keine Atemnot, ich konnte alles bewegen, da heißt mein Patentrezept: Aggressives Zuwarten. Wird schon weg gehen.

Ich blickte wieder nach unten. Und traute meinen Augen nicht. Da unten war ein Taucher! Mit Unterwasservideokamera! Er filmte die Schnorchler. (Es handelte sich um einen Angestellten, der anschließend die CDs verkaufte.). „Hat der es gut“, schoss es mir durch den Kopf, „der kann sich alles aus der Nähe ansehen“. Ich merkte, wie ich den Mann da unten zutiefst beneidete. Ich konnte doch auch schon auf die Tiefe, in der er war. Und ich musste jetzt hier oben an der Oberfläche rumschnorcheln. Meine Laune verschlechterte sich immer mehr.

Wir bogen um das Riff herum ab wieder Richtung Segelschiff. Plötzlich bemerkte ich, dass ich überhaupt nichts von dem Riff gesehen hatte, ich hatte tatsächlich die ganze Zeit auf den Taucher gestiert. Da wurde es mir klar. Das war der entscheidende Moment, in dem es mir bewusst wurde, dass DAS ganz sicher nicht das letzte Mal war, dass ich tauchen ging. Und dass ich auch keine Lust hatte, den nächsten Tauchgang lange vor mir herzuschieben.

Als wir wieder auf dem Boot waren, zeigte ich Thorsten meinen Unterschenkel. Er war entsetzt. Eine Qualle war das nicht gewesen. Ich hatte feuerrote Pusteln, mit roten Höfen drum herum, und es brannte immer noch höllisch. Da ich aber immer noch nicht reanimationspflichtig war, befolgte ich weiter mein Konzept. Aggressives Zuwarten. Sie wissen schon!

Jetzt war es soweit. Ich vertraute mich Thorsten an. Dazu muss man wissen, dass wir bis dato schon immer über Gott und die Welt geredet haben, aber den aktuellen Gefühlszustand und unser emotionales Erleben hatten wir bisher außen vor gelassen. Insofern war das Neuland. Ich fragte ihn, ob er den Taucher auch gesehen hätte und ebenfalls Neid empfunden hätte. Er bejahte. Dann sagte ich ihm, dass ich mich entschlossen hätte, sehr wohl in Deutschland das Tauchen weiter zu verfolgen. Nicht im Freiwasser. Aber ich würde gerne pro Monat einmal ins Schwimmbad gehen und die Technik üben üben üben, damit man dann im Falle eines weitern Urlaubs im darauffolgenden Jahr die Sache sicher beherrscht. Thorsten ging es genauso. Er rückte zwar damit nicht so emotional raus wie ich, aber man merkte sehr, dass ihn diese „überraschende“ Begegnung mit einem Taucher ebenfalls sehr nachdenklich gestimmt hatte.

Der Rest des Tages verlief unterschiedlich. Wir bekamen Essen, das sehr gut war, dann sollten wir den zweiten Schnorchelplatz aufsuchen. Leider sprang aber unser „Kahn“ nicht mehr an. Ein Tauchboot(!) kam uns zur Hilfe. Schließlich tuckerten wir los.

Inzwischen war eine Brise aufgekommen. Ich fing an zu frieren. Selbstverständlich hatte ich keine Jacke dabei. Hey! Wir sind in Ägypten! Da ist es warm!

Leider nicht. Ich fror wie ein Schlosshund. Als wir schließlich den zweiten Schnorchelplatz erreichten war mir so kalt, dass ich für nichts in der Welt nochmal ins Wasser gegangen wäre. Zudem reichte mir mein Unterschenkel immer noch, der zwar inzwischen nicht mehr so weh tat, aber ich wollte nichts riskieren. Thorsten blieb mir zu liebe auch auf dem Schiff. Ich starrte aufs Meer. Am zweiten Schnorchelplatz lagen 3-4 Tauchboote. Ich merkte, wie der Ärger in mir hochstieg. Na Gott sei Dank war ich nicht ins Wasser gegangen, wenn unter mir eine Armee Taucher herumgeschwommen wäre, dann hätte ich womöglich einen Überfall gestartet. Die anderen kamen zurück. Nun war die Heimfahrt angesagt.

Fazit: Ein schöner Ausflug. Ich bin mir zu 100% sicher, hätten wir diesen Ausflug VOR dem Tauchkurs gemacht, dann hätte ich ihn in vollen Zügen genossen. Das Essen war super, die Leute nett, die Schnorchelplätze gut ausgesucht. Aber ich konnte es nicht genießen. Es ging einfach nicht. Für mich wird dieser Ausflug trotzdem in die Geschichte eingehen als der Ausflug, bei dem ich feststellte, dass ich keine Schnorchlerin, sondern eine TAUCHERIN bin!

Schnorcheln mit der Galatea, Thorstens Version

Nun sollten wir also auf eine Schnorcheltour gehen. Und bevor hier der falsche Eindruck entsteht: Es war ein sehr schöner Ausflug, gut organisiert mit netten Leuten und gutem Essen. Ich kann so eine Tour nur jedem empfehlen, der schnorchelt oder es mal probieren möchte (wenn Sie mal in El Gouna sind: das Schiff heißt „Galatea“, die Tour kann man sicherlich bei Ihrem Reiseführer buchen). Vor allen Dingen, da man so an Riffe kommt, die weiter von der Küste entfernt sind und es wirklich einiges zu sehen gibt. Unser Problem war, dass wir unter einem völlig neuen Eindruck standen. Wir hätten diese Tour besser vor unserem Tauchkurs machen sollen…

Wir wurden vom Hotel abgeholt, zum Hafen gebracht und gingen an Bord des Segelbootes. Plätze auf dem Deck, auf gepolsterten Unterlagen. Es war wirklich schön. Der Chef persönlich gab uns eine Einführung darüber, was wir zu beachten hatten, und er hatte einen Humor, der mir gefiel. Dann ging es los. Doch etwas war komisch. Annette und ich redeten schon wieder nicht. Teilweise hing das damit zusammen, dass wir einen phantastischen Blick über das Rote Meer hatten. Dass uns hier, auf dem Deck, der Wind direkt um die Nase blies. Segeln auf hoher See. Der andere Teil zumindest meines Schweigens war, dass ich immer noch an den Eindrücken vom Tauchkurs arbeitete. Und jetzt, genau auf diesem Ausflug, kamen wieder viele Gedanken in mir hoch. Vielleicht, weil es wieder ins Meer gehen sollte.

Wir steuerten ein Riff an und wurden mit dem Schlauchboot ausgesetzt. Dann umrundeten wir das Riff schnorchelnd. Wie schon bei unseren Tauchgängen gab es einiges zu sehen. Aber anders…

Korallen im Roten Meer

…wir hingen an der Wasseroberfläche rum und konnten nur ab und zu mal kurz runter, so lange eben der Atem reichte. Ich fotografierte drauflos, versuchte zu zoomen… und dann sah ich: Unter uns aber schwamm… ein Taucher. Jemand von der Besatzung des Segelbootes, der von uns Filmaufnahmen machte. Ja, der darf tauchen, und wir nicht. Komisches Gefühl. Abgelenkt wurde ich irgendwann, als ich merkte, dass Annette ziemlich weit draußen war. Ich rief ihr zu, dass sie doch ein Stück näher ans Riff kommen soll. Wir sollten das Riff umrunden wie gesagt, und so weit draußen würde sie natürlich eine weitere Strecke zu schwimmen haben als wir alle. Tatsächlich kam sie zurück – und übertrieb in die andere Richtung!

„Äh, Annette, Vorsicht, jetzt bist Du aber zu dicht am Riff!“

Rumpel! „Aua!“

Arrgh! Grad mach ich’s Maul zu!

Annette hatte bei ihrer Kollision mit dem Riff ein paar rote Striemen davon getragen. Was genau, konnte ich im Wasser nicht erkennen. Im Neoprenanzug wäre das nicht passiert.

Wir beendeten unseren Tauchg… Verdammt! Das war kein Tauchgang! Meine Gedanken schwirrten immer wieder ums Tauchen. Zurück auf dem Boot brauchte man mich nicht auffordern, die Ausrüstung mit Wasser aus einem Schlauch abzuspülen. War doch logisch! Ich mach sowas ja nicht zum ersten Mal.

Wir legten uns auf unsere Plätze und Annette sagte mir, dass ihr der Unterschenkel, wo sie mit dem Riff kollidiert war, immer noch weh täte. Ich sah mir das an und mein innerer Sherlock Holmes wurde wach. „Kombiniere!“, sagte er – obwohl, das ist eigentlich mehr Nick Knatterton – jedenfalls sagte er: „Kombiniere, das war kein gewöhnlicher Zusammenstoß mit einem Korallenriff.“ Annettes Verletzung wies ein Muster auf, es waren Pusteln, die sich über den Unterschenkel verteilten. Sie bluteten auch nicht, die Haut war gerötet und gereizt und Annette meinte, es würde immer noch brennen. Dem Bild nach schloss ich, dass meine Tauchpartnerin Schnorchelpartnerin offenbar nicht mit dem Riff selbst, sondern mit einem Riffbewohner, einer Seeanemone Kontakt gehabt hatte. Das machte mir etwas Sorgen, aber Annette versicherte mir, dass es ihr sonst gut ginge.

Sie wechselte das Thema. Ob ich denn auch den Taucher gesehen hätte. Was für eine Frage! Aber ich merkte, dass da mehr dahinter steckte. Tatsächlich fragte sie mich dann, ob ich nicht neidisch gewesen wäre.  Ich seufzte. Doch, schon. Aber war das nicht verrückt? Wir hatten den Urlaub angetreten, um schwimmen und schnorcheln zu gehen – dann machen wir den Tauchkurs, und schon ist reicht schnorcheln nicht mehr? Das ließ mich etwas bedeckt halten. Doch nur Sekunden später merkte ich, dass ich das gar nicht hätte sein müssen, denn Annette sprach davon, zurück in Deutschland vielleicht doch weiter zu machen. Regelmäßige Trainingstauchgänge im Schwimmbad. Damit wir im nächsten Urlaub alles immer noch beherrschten und nicht ganz so blöd aussahen, wenn wir zum ersten Mal wieder ins Freiwasser gehen würden.

Auf dem Weg zum zweiten Tauchgebiet Schnorchelgebiet gab es Essen. Das brachte uns auf andere Gedanken, es waren einheimische Spezialitäten, die sehr gut waren. Ja, das war wirklich Urlaub. Und wir fanden tatsächlich auch ein paar andere Sachen, über die wir reden konnten. Schließlich erreichten wir das Zielgebiet, wo unser zweiter Tauchgang Schnorchelgang stattfinden sollte. Annette wollte nicht mehr mit. Sie hatte bedenken wegen ihrem Unterschenkel, außerdem war mittlerweile ein kalter Wind aufgekommen und so angenehm das Wasser war, so unangenehm würde es sicherlich hinterher sein, wieder rauszukommen. Und so ganz allein mitgehen? Nö. Ich blieb an Bord und verfolgte den Tauch Schnorchelgang vom Boot aus. Aber wir waren nicht die einzigen, neben uns blieben noch ein paar andere Passagiere.

An der Stelle, an der wir uns befanden, lagerten noch andere Schnorchel …nein, diesmal waren es wirklich Tauchboote. Ich hielt Ausschau, ob vielleicht das Boot von „unserer“ Tauchbasis dabei war, aber ich zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dessen Name vergessen hatte. Nachdem bei uns alle wieder an Bord waren, ging es an den Heimweg. Wieder lagen wir schweigend nebeneinander, denn das Panorama, wenn man sich der Küste des Roten Meeres nähert, war faszinierend, vor allen Dingen, da hunderte von Kite-Surfern unterwegs waren. Als ich die sah, wurde ich an etwas erinnert, das Annette irgendwann, entweder vor unserem Urlaub oder während des Fluges nach Ägypten erwähnt hatte, nämlich dass sie das Kite-Surfen mal ausprobieren wollte. Das hatte sie gar nicht getan. Da wäre ich vermutlich nicht mitgekommen. Ich sah zu Annette, die auf ihrem Platz neben mir lag. Sie hatte ihre Sonnenbrille auf, von daher konnte ich nicht sehen, ob sie die Augen offen oder geschlossen hatte, aber ich fragte mich, was sie wohl dachte. Gerade im Bezug auf das Tauchen. Ihr schien es ja ähnlich zu gehen wie mir, aber wie ähnlich? Was genau dachte ich überhaupt? Oder was fühlte ich? Weitermachen mit dem Tauchen… das fand ich gut. Aber ich erinnerte mich schmerzlich daran, wie wir versucht hatten, uns nur zum Schwimmen zu verabreden und das nicht hingekriegt hatten. Und schwimmen war ja noch einfach. Tauchen, das würde bedeuten, wir müssten uns einen Lehrer organisieren, und Ausrüstung würden wir auch irgendwie leihen müssen. Und wo überhaupt würden wir die Schwimmbadtauchgänge machen können? Wir könnten ja nicht mal eben im Neoprenanzug ins nächste Erlebnisbad stiefeln. Große Hindernisse galt es zu überwinden und ich hatte die Befürchtung, dass wir das so einfach nicht hinkriegen würden. Ich merkte, wie ich melancholisch wurde. Und die Abendstimmung verstärkte das noch. Aber ich behielt es lieber für mich.

Abendstimmung am Roten Meer

Scuba Diver: Der Erhalt des Brevets – Annettes Version

Es war soweit.

Endlich, endlich konnte ich das Wasser verlassen. Gott war ich froh. Runter mit dem schweren Zeugs. In dem Moment war ich wirklich froh, auch wenn ich die kleine, leise innere Stimme, die „schade schade“ sagte, hartnäckig überhörte.

Wir spülten grob unsere Ausrüstung ab, dann machten wir uns zum Imbiss fertig. Wir nahmen auf der Bank unten bei den Tauchflaschen Platz und aßen. Dabei schwärmten wir natürlich von den Delfinen. Die Freude war allerdings recht kurz, denn kaum dass wir den ersten Bissen im Hals hatten, erschien auch unser werter Herr TL wieder auf der Bildfläche. Mit einem riesigen Ordner. Er setzte sich auf den Boden vor uns und erklärte, dass wir mal wieder ein paar Fragen beantworten müssten. Hier möchte ich sagen, unser TL war ein wirklich lieber Kerl. Meine Sorgen, die ich anfangs hatte, hatten sich nicht bestätigt. Mit ihm zu tauchen war toll. Aber so langsam ging mir dieses Fragen-Beantworten auf den Zeiger. Hatte man denn nirgendwo seine Ruhe?

OK. Es verkürzte die Zeit der Rückfahrt. Schließlich legten wir wieder an der Basis an. Wir gaben unsere Tauchausrüstung zurück, dann warteten wir. Wir müssten doch noch zahlen? Unser TL erschien. „So Leute, jetzt müssen wir noch ein Foto von Euch machen. Für Eure Tauchscheine!“

WIE  BITTE? Ich erschrak. Fotogen wie ich nun mal bin… und dann noch nach 2 Tauchgängen! Das Bild, was jetzt entstehen würde, hätte ohne Weiters Platz auf dem RAF-Plakat gehabt. Hatte der Mann denn keine Augen im Kopf? „Muß das jetzt sein?“, widersprach ich vorsichtig. „Können wir das nicht morgen machen?“ Er grinste. Entweder kannte er das Problem der Damenwelt mit den Fotos oder er dachte sich, dass das „Morgen“ bei mir auch nicht mehr viel ändern würde. „Nein, jetzt!“ Er bestand darauf. Klasse.

Zuerst dachte ich, die Kamera sei mit mir gnädig, denn der Akku war leer. Doch ich freute mich zu früh. Tatsächlich besaß diese Basis einen Ersatzakku. Unser TL hatte inzwischen angefangen, unsere Papiere fertig  zu machen, da erschien der freundliche, nicht deutschsprachige Mensch vom Informationsdesk des Hotels. Mit Kamera. Thorsten stellte sich professionell auf, *blitz, und das Bild war im Kasten. Nun war ich dran. Der nette Mensch erklärte mir, dass er die Fotos den Damen hinterher nicht zeigen würde, denn sonst wäre er den ganzen Tag nur am fotografieren. Ein Bild, das wars. Super, dachte ich, dann trifft mich wenigstens zu Hause erst der Schlag. Ich stellte mich auf. *blitz. Ich wollte gehen. „Stop!“, rief der Herr, „I have to take another one!“ WAS? Hatte er nicht gesagt, dass er nur ein Foto…na, ich sah ja bestimmt toll aus. Es lag aber daran, dass ich zu früh weggelaufen war. 😀 Ich ging in die Geschichte ein als Frau, die von TGI Diving zweimal fotografiert wurde!

Die Zeit des Abschieds war gekommen. Natürlich nicht, ohne ein paar Ratschläge unseres TLs. Er erzählte noch eine Menge. Ob wir denn nicht gleich den OWD fertig machen wollten… (NEIN! Ganz sicher nicht!). Es würde uns schon bald auf die Nerven gehen, wenn wir immer einen „Babysitter“ dabei haben müssten… (NEIN! Ist doch gut so!). Schon bald würden wir anfangen, uns unsere erste eigene Tauchausrüstung auszusuchen… (NEIN!  Bin ich Krösus? Das Zeug kann man doch überall leihen!). Wir sollen in Übung bleiben, und wenn es nur Schwimmbadtauchgänge sind… (Was heißt hier NUR? Wer will denn ins Freiwasser?). Außerdem sollten wir uns mal im Bekanntenkreis umhören, es wäre interssant, wieviel Leute tauchen würden von denen wir das gar nicht  wüßten (KENNT er unseren Bekanntenkreis? KEIN Mensch taucht von den Bekannten!).  Schließlich mussten wir uns trennen. Am nächsten Tag sollten wir wieder erscheinen, denn leider hatte die Basis kein Kartenlesegerät für die Kreditkarte, so dass wir das bar bezahlen sollten. Und das Geld mussten wir erst einmal besorgen.

Auf dem Rückweg zum Hotelzimmer fiel eine riesige Last von mir. Ich hatte es geschafft! Ich besaß einen Tauchschein! Auch wenn er beschränkt ist, aber immerhin! Ich schwatze mit Thorsten. Auch er war völlig aus dem Häuschen. Trotzdem wunderten wir uns ein bisschen über die Ratschläge unseres TLs. Eigene Ausrüstung? Als Anfänger? Wo dachte der Mann denn hin?  Ok, einen Tauchomputer könnte man sich vielleicht gönnen, aber sonst… Und in den heimischen Gewässern tauchen? Nie im Leben! Im Bodensee sowieso nicht, da passiert ja ständig was. Zudem kennen wir keinen TL. Schwimmbad, ja. Das könnte man vielleicht noch organisiert kriegen. Vage machten wir beide Andeutungen, dass man ja eventuell nächstes Jahr irgendwo mal eine Woche hinfliegen könnte, in der man dann „auch“ tauchen gehen würde. Ich glaube aber, dass das zu diesem Zeitpunkt eher einfach daher gesagt war. Ohne ernsthaften Hintergrund. Wir waren ja schließlich nicht so hart drauf wie unser Tauchlehrer!

Wir gingen zum Abendessen. Wie sehr wir beide doch in den letzten Tagen angespannt waren, merkten wir erst jetzt. Nach zwei Tagen voller Konzentration und Selbstbeherrschung legten wir sämtliches „gutes Benehmen“, was wir uns in unserer Kindheit antrainiert hatten, ab. Die Kellner waren sicher sehr erstaunt über uns. Wir lachten  uns am Tisch kaputt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Über jeden Blödsinn. Und über reale Situationen. Wir hatten eine Kerze auf dem Tisch stehen. Die fing plötzlich an zu flackern und es drohte, ein Flächenbrand auszubrechen. Hat uns das gestört? Nein! Wir haben uns über die Kerze schief gelacht. Und sind aufgestanden, um  uns Nachschlag am Büffet zu holen! Ich kam als erste vom Büffet zurück und merkte gleich, dass die Kerze ausgetauscht worden war. Schade eigentlich. Wir waren wirklich albern. Und als wir abends auf unserem Balkon saßen, endete das Gelache nicht. Wir hatten den Eindruck, etwas Tolles getan zu haben. Zwar waren wir uns einig, dass wir sicher keine Hobbytaucher würden, die an jedem Wochenende irgendwo anders unter Wasser sitzen,  sondern eher sogenannte „Schön-Wetter-Taucher“, aber das würde uns auch reichen. So im Urlaub mal an ein schönes Riff… mehr braucht der Mensch doch nicht. Und natürlich bei warmen Wasser und guter Sicht.

Wie sehr wir uns täuschten! Oh ja! Das merkten wir erst zwei Tage später… beim Ausflug mit einem Segelboot. Wir hatten eine Schnorcheltour gebucht. Denn das war ja eigentlich unsere Absicht gewesen.

An dem Morgen, als wir zum Schnorcheln gehen wollten, mussten wir noch unseren Tauchschein bezahlen. Unser Hotel hatte einen Geldautomaten, aber leider… konnte man nur 500 ägyptische Pfund auf einmal herauslassen. Das heißt, um das Geld zu holen, mussten wir pro Person 7 Mal an den Automaten! Vor uns war ein Mann, der offenbar auch mehr Geld benötigte. Schließlich drehte er sich entschuldigend um mit den Worten, er müsse Geld für seinen Tauchschein abheben. Wir lachten. Genau das hatten wir ja auch vor. Schließlich hatten wir knapp eine halbe Stunde später unser Geld. Wir gingen zur Tauchschule zurück, um zu bezahlen. Da waren die Taucher. Sie beluden das Boot. Wir setzten uns und warteten auf den „Boss“. Ich ließ meinen Blick schweifen. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte, mich beschlich ein wenig das Gefühl des Neides. Mit Abstand betrachtet war das doch wirklich toll im Roten Meer gewesen. Und die alle durften jetzt tauchen. Hätten wir nicht doch lieber den OWD fertig gemacht?

Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als wir dann wirklich zahlen mussten. Oh weh, war das ein Hick Hack. Der Basisleiter musste die Geldscheine zählen. Er machte fast eine Doktorarbeit draus. Aber schließlich war es soweit. Wir bekamen vorläufige Brevets, PADI würde uns unsere endgültigen Brevets dann zuschicken. Jetzt mussten wir uns wirklich trennen. Ich weiß nicht, wie es Thorsten in dem Moment erging. Wir hatten es eilig, denn der Bus, der uns zu dem Segelboot bringen sollte, würde jeden Moment kommen. Aber Zeit, Bedauern zu empfinden, hatte ich allemal noch…

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