Reisevlogs und Social-Media-Reiseberichte gelten gemeinhin als harmloser Zeitvertreib – eine Mischung aus Fernweh, Abenteuerlust und ästhetischer Inszenierung. Doch was passiert, wenn Reise-Content gezielt als Werkzeug politischer Propaganda eingesetzt wird? Der Artikel von Bell Tower News zeigt auf, wie Influencer*innen wie Kurt Caz und Michelle Gollan die scheinbare Unschuld des Reisens nutzen, um rassistische, nativistische und rechtsextreme Narrative zu verbreiten – und damit gesellschaftliche Krisenbilder zu konstruieren.
Kurt Caz: Vom Abenteurer zum rechtsextremen Provokateur
Caz, ein südafrikanischer Reise-Influencer mit Millionen Followern, inszeniert sich als furchtloser Entdecker, der „gefährliche“ Stadtteile und soziale Brennpunkte aufsucht. Doch hinter der Fassade des Abenteuers verbirgt sich eine gezielte politische Agenda: In Videos wie „Inside Germany’s Zombieland“ filmt er Obdachlose und Drogenabhängige im Frankfurter Bahnhofsviertel, kommentiert abwertend und konstruiert ein Bild des „untergegangenen Deutschlands“. Seine Sprache ist voller rassistischer Dogwhistles – etwa wenn er Schwarze Menschen pauschal als „unqualifiziert“ darstellt oder Migration als „Störung“ des ethnisch homogenen „Volkskörpers“ framt.
Caz’ Videos sind kein harmloser Dark Tourism, sondern politische Kampagnen. Sie bedienen sich der Ästhetik des Voyeurismus, um Sozialneid, Rassismus und die Sehnsucht nach autoritären Ordnungen zu schüren. Besonders perfide: Er nutzt die Gegenwehr seiner Opfer – etwa wenn Obdachlose ihn auffordern, das Filmen zu unterlassen – als „Beweis“ für die vermeintliche Aggression von Migrant*innen.
Michelle Gollan: Lifestyle als Tarnung für rechtsextreme Botschaften
Während Caz mit aggressiver Provokation arbeitet, setzt die Berliner Influencerin Michelle Gollan auf subtile Ästhetik. Ihre Instagram-Stories zeigen sie als „Mädchen von nebenan“ – doch zwischen Selfies und Modefotos platziert sie gezielt politische Symbole. Ein Beispiel: Auf einem Balkan-Roadtrip posiert sie vor kroatischen Nationalflaggen mit dem Kommentar „In Deutschland unmöglich“, um eine vermeintliche Unterdrückung des Patriotismus in Deutschland zu suggerieren.
Gollan nutzt Reise-Content, um Nostalgie nach einem „normalen“ Deutschland zu wecken – ein zentrales Motiv der AfD. Ihre Ironie („Umweltfreundliches Reisen ist mir wichtig“) dient dazu, progressive Werte zu verspotten und rechtsextreme Positionen als „selbstverständlich“ zu normalisieren.
Warum Reise-Content politisch gefährlich ist
Beide Influencerinnen zeigen: Reise-Content ist kein neutrales Format. Er konstruiert Realitäten, indem er selektive Bilder zeigt und emotionale Narrative schafft. Caz und Gollan nutzen die Glaubwürdigkeit des „Eigenen Erlebens“, um rassistische und rechtsextreme Ideologien als „Authentizität“ zu verkaufen. Die Gefahr liegt in der Normalisierung: Ihre Videos erreichen auch unpolitische Zuschauerinnen, die durch affektive Bilder und scheinbar harmlose Unterhaltung für rechtsextreme Ideen empfänglich werden. Plattformen wie YouTube und Instagram tragen eine Mitverantwortung – denn Algorithmen belohnen genau diese Art von „Grenzerfahrungen“.
Fazit: Reise-Content ernst nehmen
Der Artikel macht deutlich: Reisevlogs sind längst zu einem politischen Schlachtfeld geworden. Journalistische Einordnungen, Medienbildung und regulatorische Maßnahmen sind nötig, um die schleichende Radikalisierung durch scheinbar harmlose Inhalte zu stoppen.
Wer mehr wissen will, sollte den Originalartikel lesen – denn die Details zeigen, wie gezielt und perfide diese Strategien funktionieren.
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