Mal wieder ein Beitrag in eigener Sache: Unsere Webseite bekommt ein eigenes Logo. Halessa hat es auf der Basis eines realen Bildes erstellt und eine Menge kreative Energie reingesteckt. Nun wird es Zeit, das Werk der Öffentlichkeit vorzustellen, das bald auch dauerend hier zu sehen sein wird. Also, Applaus für Halessa – hier ist es:
Autor: Thorsten Reimnitz (Seite 178 von 200)

Ein Fahrradparkhaus in Amsterdam.

Die Festung von Malcesine am Gardasee.
50 % der Flat Flute Divers hatte die erste Nacht in Horka damit verbracht, Mücken zu jagen. Die anderen 50 % hatten geringfügige Einschlafschwierigkeiten aus Gründen, die wie immer nicht ausreichend genug erforscht wurden. Wahrscheinlich, weil es so ruhig war im Zimmer.
Annette: 50% der Flat Flute Divers schlugen am nächsten Morgen die Augen auf und sahen auf die unzähligen Leichen an den Wänden. Erschreckend, dass ein Flat Flute Diver zu so etwas überhaupt fähig ist. Das schlechte Gewissen kroch in mir hoch, dass ich so viele Leben in nur einer Nacht auslöschen musste. Mit dem Vorsatz, meinen Weg nicht mit noch mehr Leichen zu pflastern, stand ich auf und beschloss als Zeichen meines guten Willens nicht auch noch Majki umzubringen für sein Geschnarche, sondern ausnahmsweise mal Gnade vor Recht walten zu lassen…
Doch am nächsten Tag ging es los! Gestärkt durch ein Selbstversorgerfrühstück machten wir uns an die erste praktische Einweisung des „Enriched Air Diver“-Kurs. Muss ich erwähnen, dass wir beide die Kursunterlagen in den Wochen vor dem Kurs förmlich aufgesogen hatten (das Resultat davon sollte sich am gleichen Abend zeigen 🙂 )? „Nitrox“ oder „enriched Air“ ist Luft, deren Sauerstoffanteil erhöht wurde, wodurch der Stickstoffanteil verringert wird. Da es sehr wichtig ist, genau zu wissen, mit was für einer Mischung man taucht, ist das erste, was der Taucher macht, die Luft in seiner Flasche zu analysieren. Zwar kann man sich bei einem guten Gasmischer darauf verlassen, dass er keinen Pfusch baut, Kontrolle ist aber trotz allem besser. Und sogleich bekamen wir demonstriert, warum es wichtig ist, ein eigenes Analysegerät zu haben. Majki hatte eine 32%-Mischung bestellt und es sollte eigentlich auch eine sein. Nachdem das Gerät auf 21 % kalibriert war, konnte man sehen, wie die Anzeige, sobald es an die Flasche angeschlossen war, stieg: 25 %… 30 %… 32 %… 33 %… okay, noch innerhalb der Toleranz… 34%… hä? In der Tat blieb die Messung erst bei 37 % stehen. Wie sich bei einem Vergleich herausstellte, funktionierte das Gerät nicht richtig.
Dann machten wir uns daran, unsere Ausrüstung anzulegen. Dabei stellte sich heraus, dass an Annettes Anzug ein Faden hing; eine Naht an der Schulter war aufgegangen. Aus der Spurenlage kombinierte ich folgerichtig, dass der Faden wohl nicht so fest saß und vom Klett des Nackenverschlusses aufgerissen worden war.
(Also wenn ich dich nicht hätte… Sherlock… dann wüßte ich wirklich nicht, was ich tun sollte. Deine detektivischen Fähigkeiten sind unglaublich. Es wäre jedoch praktischer, wenn du dir mal handwerkliche Fähigkeiten aneignen würdest. Dann hättest du den Faden gleich mal wieder annähen können.)
Frauen! Mit nichts zufrieden. Immerhin habe ich mich eingebracht.
Dann aber stand die erste Herausforderung an: in voller Montur (die über 20 kg wiegt) die Treppe am Steinbruch heruntergehen, um zum Wasser zu gelangen.
Ein Frühsport der besonderen Art, eine Kombination aus Gewichtheben und Hindernis-Gehen. Schließlich aber kamen wir unten an. Die Treppe führt bis ins Wasser und dort sogar noch weiter bis in drei Meter Tiefe. Neben der Treppe befindet sich eine Schwimmplattform, die… äh… ja… ganz nett ist, um Sachen drauf abzulegen (bei Bedarf auch fotografierende Schweizer). Und für andere nützliche Zwecke.
Wir richteten uns, um die Ausrüstung in Position zu bringen und…
„Geh doch da rein je-hetzt!“
Okay, Madame hatte ihr Blei noch nicht gerichtet. So wurde es zu meiner Aufgabe, mit HANDSCHUHEN (!!!!) (und zwei linken Händen, hast du vergessen zu erwähnen) ihr Trimmblei in die entsprechenden Taschen im Jacket zu stecken. Nun, nicht dass nicht gern an ihr rumfummle, wenn man mich schon dazu auffordert, aber die Tatsache, dass ich Handschuhe trug und sie in einem Neoprenanzug steckte, dämpfte die erotische Komponente erheblich.* Noch dazu, da dieses Hagel-und-Granaten-Blei einfach nicht in die Tasche reinwollte!! Mit Eidgenössischer Hilfe in Form des AOWD-Schülers Jonathan, der mit an die Plattform gekommen war, schafften wir es aber dann doch, die Gewichte in sämtlichen Taschen zu verstauen.
*Ich wußte ja schon immer, dass Du anders bist als alle anderen Menschen. Aber wie man doch auf diesem Bild erkennt, (danke übrigens, ich liebe es, mit dieser bekloppten Kopphaube abgelichtet zu werden) befindet sich das Trimmblei hinten in meinem Jacket. Insofern würde ich gerne mal wissen, was daran EROTISCH sein soll! Dein heißer Atem in meinem Genick? 🙂
Nicht mal das funktioniert ja, wenn man die ganze Ausrüstung anhat. Ich sagte es ja. Jedenfalls, dann ging es ab ins Wasser. Beim Abtauchen hörte ich das Surren eines Motors – es waren Aquascooter-Fahrer unterwegs. Sowas. Und wir mussten uns mit Muskelkraft fortbewegen.
Der „Enriched Air Diver“ ist eigentlich – zumindest für den Lehrer – ein relativ undankbarer Kurs. Wenn man mit Nitrox richtig umgeht, merkt man nämlich eigentlich keinen Unterschied zu einem anderen Tauchgang. Es ist die Vorbereitung, auf die es ankommt und die aufwändiger ist, außerdem muss man auf die für die eigene Mischung geltende Tiefe achten. Aber während des Tauchens ist eigentlich nichts anders. Den „Effekt“ von Nitrox kann man nicht vorführen, und mal einfach so die Sicherheitstiefe unterschreiten, um dem Schüler zu zeigen, wie sich so ein Krampfanfall anfühlt, ist keine gute Idee. Andererseits ist es auch entspannt, weil man sich auf den Tauchgang konzentrieren kann. Und so erforschten wir den Tauchsee von Horka.
Die Sicht war an diesem Tag gut, aber nicht ganz gut. Nachdem wir ein paar Meter getaucht waren, nahm ich in der Ferne einen Schatten war. Und dann brach er durch die Diese und kam auf uns zu: der König der Meere, Carcharadon carcharias, der „große weiße Hai“, das Maul halb geöffnet und seine gewaltigen Zähne präsentierent. Zur Sicherheit bewegte ich mich in eine aufrechte Position, um diesen schnellen Jäger nicht zu provozieren und legte meine linke Hand an mein Tauchermesser, wohlwissend, dass ich diesem Giganten damit nichts entgegenzusetzen hatte, aber es gab mir ein beruhigendes Gefühl. Ich hatte Glück, es war ein kleines Exemplar, nur ungefähr zwei bis zweieinhalb Meter lang; sollte es zu einer gefährlichen Situation kommen, würde ich vielleicht doch eine Chance haben. Ich positionierte mich vor Annette, um ihr im Notfall Schutz zu geben. Dann achtete ich darauf, ob der Hai Zeichen zeigte, dass er uns aus seinem Revier haben wollte.
Bereits vor dem Tauchgang erklärte uns Majki, dass in dem Tauchsee Haipuppen installiert worden waren, und bei schlechterer Sicht kann man erschrecken, denn sie tauchen urplötzlich aus der Dunkelheit auf. Wir tauchten ein Weilchen, bis wir sie erreichten. Aus der Entfernung sahen sie richtig echt aus. Ich ließ mich absinken und begab mich auf Augenhöhe, um die Attrappen zu fotografieren, da schoss plötzlich Thorsten mit einem Messer bewaffnet an mir vorbei und schlug mir fast die Kamera aus der Hand. Mir war nicht klar, was ihn in diesem Moment gebissen hatte, der Hai konnte es nicht sein, Attrappen beißen ja nicht. Leider trug sein merkwürdiges Verhalten dazu bei, dass mir die Bilder verwackelten.
He, ich bin ein Held! Bisse von Plastikhaien können ganz schön gefährlich sein, weil… weil… darum eben! Zur Deiner gepflegten Information, ich habe Dich unter Einsatz meines eigenen Lebens und meiner Gesundheit gerettet! Ich habe die Haie in Schach gehalten, damit Du sie fotografieren konntest. Und weil Du dabei vor Aufregung so gezittert hast, deswegen sind die Bilder verwackelt!
Ich habe höchstens vor Wut gezittert weil die Bilder nichts geworden sind!
Dieser Tauchgang war jedenfalls eine ziemliche Abwechslung zum Schluchsee, nicht nur wegen der völlig anderen Unter-Wasser-Landschaft, auch wegen der Sichtweiten. Nachdem wir unsere erste Erkundungsrunde beendet hatten, durften wir die Stufen wieder nach oben steigen und uns an der Basis unserer Ausrüstung entledigen. Danach wurde der Tauchgang nachbesprochen. Wir legten eine Pause ein, während Majki sich um seinen AOWD-Schüler kümmerte.
Dann brachen wir zu einem „normalen“ Tauchgang auf. Die erste Überraschung brachten unsere beiden Tauchcomputer, die sich weigerten, von Nitrox auf Luft zurückgestellt zu werden. Wir mussten sie auf „Nitrox 21 %“ einstellen (21 % = normaler Sauerstoffgehalt der Umgebungsluft), wie wir erfuhren, ist das Absicht. Dann erkundeten wir den See auf eigene Faust. Es gibt einige Installationen für Taucher, die Haie sind nur eine davon. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber es gibt diverse Figuren, in größerer Tiefe auch ein Fahrrad und ein Motorrad. Mal ganz davon abgesehen ist die Umgebung faszinierend, die steil abfallenden Wände, die gebrochenen Steine, die so daliegen, als hätte man die Arbeit an dem Steinbruch einfach eingestellt – und bei genauerer Betrachtung ist ja genau das passiert. Und natürlich jede Menge echte Fische, die sich wiederum als sehr geduldig für Taucher herausstellten.
Da ich nun endlich meinen Kompass hatte, fiel mir die ehrenhafte Aufgabe zu, die Führung zu übernehmen und zu navigieren. Auf der Basis unseres Nitrox-Tauchgangs hatte ich einen Bogenkurs (WAS? Das ist mir ja das Neueste!) berechnet und geplant, der uns ein Stück in den See hinein-, und dann wieder in Richtung der Basis zurückführen sollte. Punktgenau wie ich es berechnet hatte, landeten wir eine Bucht links neben dem Ein- und Ausstieg, ungefähr fünfzehn Meter von der Treppe weg.* Das war eine kleine Herausforderung, die ich in meine Kursberechnung mit aufgenommen hatte. Zurück zum Ausgangspunkt zu navigieren, das wäre ja einfach gewesen. Ich wollte es etwas schwieriger haben und hab es auch geschafft. Ja-ha, das hab ich wohl.
*So. Dann darf der werte Herr heute mal navigieren. Der Mann, der Bauchkrämpfe vor Lachen hatte, weil ich im Schluchsee Schwierigkeiten hatte. Der Mann, der keine Gelegenheit ausläßt, mich mit meinen Schwächen aufzuziehen. Na dann… ICH hab Navigationspause! ER hat ja jetzt einen eigenen Kompass. Und kann ja eh alles besser als ich! Ich schwimme nur deinen Flossen hinterher! Jaja. Öhm… wo sind wir denn jetzt? Das hier kenn ich noch nicht! Aha, und jetzt kommt das Auftauchzeichen. Kenn ich. Hab ich auch immer so gemacht, wenn ich nicht mehr wusste, wo wir waren. Aber, aber… Herr Supernavigator, was machen wir denn hier in der Bucht NEBEN dem Ausstieg! Sind wir vom Kurs abgekommen? Und das in einem so begrenzten Gewässer wie der Tauchsee Horka? Ach nein, oben schriebst du ja was von einem „Bogenkurs“. Punktgenaue Berechnung… ist klar.
Sabotage! Ich habe alles genau berechnet! Es muss sich um technisches Versagen handeln! Ja genau, das Eisen in der Treppe am Ein- und Ausstieg hat die Kompassnadel abgelenkt!
Bestimmt sogar. Aber es könnte auch ein Tauchkollege gewesen sein, der sich zufällig in deiner Nähe aufhielt und auch noch ein stark eisenhaltiges Mittagessen zu sich genommen hatte. Erbseneintopf zum Beispiel… Das Leben ist ja richtig gemein zu dir!
Ja. *Schluchz!
Am Abend war die Theorie dran. Sie erinnern sich, dass ich was davon schrieb, dass wir die Theorie schon vorher aufgesogen hatten? Wir bekamen einen Vortrag, rechneten Beispiele durch – und dann machten wir die Prüfung, die wir mit Bravour bestanden. Hat mich nur ein paar Nerven gekostet, aber mein Gott, jeder Mensch hat 760.000 Kilometer Nervenfasern in seinem Körper, was bedeuten da schon ein paar weniger? Aber sie war geschafft. Nun mussten wir die Theorie mit Praxis so weit wie möglich unterfüttern. Und dazu sollten die nächsten Tage dienen. Da man uns einen Tauchgang mehr als eigentlich für den Kurs vorgesehen war angedeihen lassen wollte, würde wir auch Notfallmanöver üben.
Kurzbericht des Notfallmanövers 1: Flat Flute Diver (männlich) in Panik (die größte Anzahl an Tauchunfällen erfolgt ÜBER Wasser, Lehrbuch „Rescue Diver“ Seite sowieso)
Am Abend diskutierten wir die Theorie. Ich habe gerne Prüfungen hinter mir, deshalb bestand ich drauf, die Prüfung sofort zu machen. Der Tag war lang gewesen und anstrengend, und leider war es auf der Basis auch laut. Das lenkte zugegebenermaßen ab, aber ICH, das Konzentrationsgenie, hatte damit keine Probleme. Im Gegensatz zu Thorsten. Von Minute zu Minute sah man seine Stirnadern anschwellen, weil er sich „verzettelt“ hatte. Leider hatte er den kritischen Punkt bereits überschritten, in dem er sich durch einen Moment Ruhe hätte wieder fangen können. Bei den Diskussionen hallte seine Stimme immer lauter von den Wänden wider, und inwischen sah ich sogar das Mobiliar in Gefahr. Zusammengeballte Fäuste, pochende Stirngefäße, wutverzerrtes Gesicht! GEFAHR! STOPPEN, DENKEN, HANDELN! / Lehrbuch PADI Rescue Diver Seite sowieso). Da hilft nur eins: Bergen aus der Gefahrenzone, Unterbringung in einer Isozelle (Tür zu!) und Ablenkung. Beruhigende Stimme. Sanfte Worte. Bei Bedarf auch Psychopharmaka, bereits in der Fertigspritze aufgezogen in meiner Hosentasche. Mit Notfallsituationen kenn ich mich aus! Aber dank meiner psychologischen Fähigkeiten konnte ich die Situation ohne medikamentöse Hilfe in den Griff bekommen. Die Tür wurde wieder geöffnet und die Prüfung war bestanden!
Sie erwarten nicht allen Ernstes, dass ich dazu was sage? Nö. Tu ich nicht. Ich bin die Ruhe selbst…. grrrrrrrrrrrrrrrrr… *Zähneknirsch
Notfallmanöver 2: Flat Flute Diver (weiblich) NICHT in Panik (oder: vorbildliches Verhalten in einer kritischen Situation)(Lehrbuch: Rescue Diver für Flat Flute Diver, Seite sowieso)
Die Situation: Ein Mädchen geht nach erfolgreicher Prüfung in ihre Schlafunterkunft und wird mit einer Spinne konfrontiert. Gelassen klopft sie an die Türen der männlichen Mittaucher und bittet einen, die Spinne zu entfernen. Ach, Jonathan… mein Held! *schmacht
An dieser Stelle könnte ich mich lang und breit darüber echauffieren, dass „Madame Ungeduld“ es nicht abwarten konnte, bis ich das Problem gelöst hätte (6 Wochen später bei deiner „ausgeprägten Ruhe….“, bis dahin wäre die Spinne längst von selbst verstorben und ich hätte eine weitere Leiche in meinem Zimmer gehabt!) , sondern gleich Rotalarm auf der ganzen Basis ausgelöst hat. Ich tu’s aber nicht, denn ich bin die Ruhe selbst. Denn wissen Sie, wenn Madame dann beim Schreiben aus Versehen ein Bild aus einem Artikel unserer Webseite löscht (oder so), dann bin ich wieder der Held, der es richten darf. Ja, bin ich. Ich hab ja schließlich auch Narben (man beachte die Mehrzahl: Narben). (von Plastikhaien wohlgemerkt…)
Immerhin, so weit waren wir den Kurs mit Erfolg angegangen. Und zwei Tauchtage warteten noch auf uns. 🙂

Strandszene in Kenia.
Unser erster Tauchgang „ohne Aufpasser“ hatte uns (mal wieder) eins vor Augen geführt: Aller Anfang ist schwer. Immerhin hatten wir schon gesehen, dass wir als Team zumindest in so weit gut zusammen arbeiteten, dass wir uns in grenzwertigen Situationen an das hielten, was abgemacht war und kein Risiko eingingen, wo es nicht zu verantworten war.
Für den zweiten Tauchgang hatten wir uns dann eine andere Route ausgesucht. Nachdem wir beim ersten unser Ziel glorreich verfehlt hatten, wollten wir eine Stufe zurückgehen: Wir wollten einmal quer durch die Bucht bei Seebrugg navigieren. Respektive, das Navigieren sollte Annettes Aufgabe werden. Ich hatte ja noch keinen Kompass. Die Rolle des Chefnavigators übernahm sie mit großer Ernsthaftigkeit und bei diesem Tauchgang lieferte sie gleich zwei Punktlandungen: einmal quer durch die Bucht zur anderen Seite und wieder zurück zum Einstieg! Genau wie geplant. Meine Bewunderung hatte sie damit – und meinen Neid. Ich wollte auch so toll navigieren*. Nun, dass ich keinen Kompass hatte, habe ich schon erwähnt, und den von Annette konnte ich nicht nehmen, da sie eine Konsole hat, wo Finimeter, Tauchcomputer und Kompass fest zusammengebaut sind. Ich wollte mir eigentlich dann ein Angebot für eine solche Konsole machen lassen, aber – um hier mal vorzugreifen – daraus wurde nichts.
*Annette: ich erröte gleich vor Scham! Und das kommt selten bei mir vor! Das kann ja nur ironisch gemeint sein. Ich trau dir nicht…aber war auch nicht nötig. Vor lauter Neid wolltest du mir ja erschwerte Bedingungen verschaffen und hast einfach das Licht ausgeknipst. (Flat Flute Adventure Dive No 1: Navigieren in der Dunkelheit!) Sie erinnern sich an die Bilder vom Schluchsee? Thema Nachttauchgang am Tag? Dann können Sie sich vorstellen, dass Kompasslesen ohne Licht nicht so einfach ist. Ich habe die Situation auf meine Art gelöst. Eine schallende Ohrfeige später leuchtete die Funzel wieder 😀
HE, normalerweise haut man das Gerät, das nicht mehr funktioniert, und nicht den, der es trägt! So weit ist es gekommen, ich bin der Funzelträger für Madame und darf mich auch noch schlagen lassen. Nicht genug damit, dass die Lampe selber einiges Gewicht hatte. Mein armes Handgelenk!
Eine Woche später war unser nächster Tauchtag, und wieder musste Annette den Chefnavigator machen. Das Wetter war diesmal wesentlich schlechter und wir erfanden spontan den „Flat Flute Diver Adventure Dive No. 2: Tauchen im Regen“. Ich vermute mal, dass sich Annette nach dem Erfolg der Woche zuvor keine Blöße geben wollte und war noch konzentrierter, als wir wieder quer durch die Bucht tauchten. Nun ist es so: Auf der Strecke quer durch die Bucht liegt die Übungsplattform der örtlichen Tauchschule. Diese tauchte plötzlich vor uns auf. Ich sah sie rechtzeitig und wich aus, doch Annette war so auf den Kompass konzentriert, dass es zu folgender Situation kam, die auf Video festgehalten ist:
So. Dieses Mal genau nach der Nadel schwimmen…ich werde sie keine Sekunde aus den Augen lassen, damit sie keine Chance hat, sich heimlich in einem schwachen Moment zu verstellen um mich in die Irre zu führen…
In letzter Sekunde konnte ich Annette warnen, bevor sie mit dem Kopf genau an die Stahlumrandung der Plattform gerumpelt wäre.
Wäre ein kurzer Tauchgang geworden. Das jedenfalls steht fest. Hätte sicher eine nette Platzwunde gegeben. Quatratisch in Form des Metallträgers. „Wo hast du die Platzwunde her?“ – „Vom Tauchen!“ – „Ja klaaaaar….“ . Eigentlich müsste ich dir dankbar sein. Aber mir kommt so spontan eine Frage: Mußt du eigentlich jeden Scheiß filmen? Seltsamerweise bekomme ich immer die Patzer nachher auf Video vorgeführt, ich glaube, das besprechen wir nochmal unter 4 Augen Freundchen…
Fürher gab’s mal so Fernsehsendungen, die haben Geld für solche Szenen gezahlt… „Pleiten, Pech und Pannen“ und so… man kann ja nie wissen, wenn die wieder Konjunktur haben, dann werde ich reich… äh… ich meine, WIR werden reich.
Davon abgesehen war es aber wieder eine Punktlandung (logisch!). Im strömenden Regen tauchten wir auf der anderen Seite der Bucht auf. Wir besprachen den Weg, dann visierte Annette den Ausstieg an und wir machten uns auf den Rückweg. Auf dem Weg kamen wir an einem Fisch vorbei, der sich an einem Torfballen versteckt hatte und machten einen Halt für Fotos.
Dabei fiel mir etwas unangenehm auf: So richtig konnte ich die Position nicht halten. Den Fisch störte es zum Glück nicht, aber ich hatte nun definitiv das Gefühl, mit der eigenen Flasche viel zu schwer zu sein.
„Fischus Geduldicus“. So war die genaue, lateinische Bezeichnung. Diese spezielle Sorte eignet sich definitiv nicht für Seebebenwarnungen, denn sie sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Noch nicht mal durch dich!
Tarieren in Perfektion sah anders aus. Und dann noch die schwere Lampe dazu, die ich für Madame tragen durfte. Doch angespornt von dem Erfolg des „Quer-durch-die-Bucht-Tauchens“ versuchten wir beim Wiederholungstauchgang nun noch einmal das versunkene Boot zu finden. Um es kurz zu machen – nein, wir haben es wieder nicht gefunden.
Aber die Galerie! Die haben wir gefunden. Auf der Basis fragte man taktvollerweise schon gar nicht mehr nach, ob wir „DAS BOOT“ gefunden hätten. „DAS BOOT“ kann mich langsam mal am…
…am Seegrund liegen bleiben, wolltest Du wohl sagen, oder? Nun, unsere weiteren Pläne standen zu dem Zeitpunkt schon ziemlich fest: Als nächstes kam der „Enriched Air Diver“ dran, da wir vorhatten, beim nächsten Aufenthalt in Ägypten, eine ziemliche Anzahl von Tauchgängen zu machen und wollten die Stickstoffbelastung etwas reduzieren. Unser Tauchlehrer hatte uns schon beim Pooltauchgang vom OWD zu einer Tauchtour in einen Ort mit Namen „Horka“ eingeladen. Im Rahmen dieser Tour würden wir nun den neuen Kurs machen. Für unseren Ägypten-Urlaub stand der „Advanced Open Water Diver“ fest.
Red doch nicht so geschwollen daher! Von wegen, „wir wollten die Stickstoffbelastung in Grenzen halten….*flöt!“. Du warst doch nur scharf auf ein Kärtchen von PADI! Damit du, wenn du nach deinem Brevet gefragt wirst, gleich mal ne Palette Karten rausholen kannst…“Welches möchten Sie denn sehen…?“
Na und? In Amerika brauchst Du ja schließlich auch mehr als eine Kreditkarte, und… he, Moment, was red ich denn da? Natürlich lag mir nur Deine Gesundheit am Herzen. Ich rette Dich vor Kopfplatzwunden, bin ein Licht in der Dunkelheit und sorge mich um Deine Stickstoffbelastung – und wie dankst Du mir das? GAR NICHT! So, bäh!
Außerdem ist das mit den Kärtchen ganz nett, je mehr Gold im Logbuch ist, desto…
Ich bin gerührt, dass Du Dich so sehr um mich sorgst… mmmhhhhhppppffwuahaha…. Nein ehrlich… buahah… STOP jetzt. Ich werde ausnahmsweise mal einen Pluspunkt für dich in mein „schwarzes Buch“ notieren…
ÄHM! Zurück zu den wichtigen Dingen: Den nächsten Tauchgang machten wir wieder mit meinem Kollegen, um uns der als OWD erlaubten Tiefe von 18 Metern etwas mehr zu nähern. Danach gingen wir getrennt auf Tauchgang – Annette verbrachte mit einer Freundin einen Kurzurlaub in Ägypten und nutzte diesen für einen Ausflug.
Ja! Ich bin dir entkommen! Und es war trotzdem schön. So! Mein Buddy beim ersten Tauchgang hieß Kamel, und der Buddy beim zweiten Tauchgang stellte sich an wie ein Kamel! Wie du siehst, hab ich dich gar nicht vermisst! 🙂
Ach so?? Pah, ich hab Dich noch mehr nicht vermisst als Du mich, ich ging nämlich wieder an den Schluchsee und machte diesmal einen Tauchgang mit Babsi, Majkis Frau. Das ehrgeizige Ziel war, diesmal endlich das versunkene Boot zu finden. Okay… es war Babsis Ziel, ich hatte ja noch immer keinen Kompass (Himmelherrgottnochmal! Zensiert!). Aber was soll ich sagen? Wir fanden die Galerie – und das Boot!
War ja klar! Aber „DAS BOOT“ ist ja lächerlich gegen „DAS BOOT„, was ICH in Ägypten betaucht habe….*angeb 😀
Wie sie sich aufplustert… zu Deiner gefälligen Information, „DAS BOOT“ hab ich auch schon mal betaucht, wie Du Dich vielleicht erinnerst. Aber nur vielleicht.
Vielleicht erinnerst DU dich, dass ich zu dem Zeitpunkt andere Sorgen hatte als darauf zu achten, ob du bei dem BOOT dabei warst oder nicht…
(Das Foto ist leider nicht sehr gut geworden.) (Wen wunderts? Du bist Hobbyjournalist nicht Fotograf.)
Auf dem Rückweg kamen wir wieder an der Galerie vorbei, tauchten ein Stück weiter und… kamen wieder an der Galerie vorbei… hä? Wann bitte sind wir denn die Schleife geschwommen? Visuelle Navigation kann man hier wirklich vergessen. Na ja, macht nichts, dank meiner großen Flasche reichte mir die Luft und schließlich kamen wir auch beim Ausstieg wieder an – nach einem Tauchgang von 61 Minuten. Ich hatte bei diesem Tauchgang das Trimmblei weg gelassen und lag wesentlich besser im Wasser. Aber noch nicht so ganz gut.
Ich würde mal spontan sagen, dass du die Situation wieder mal typisch männlich völlig missverstanden hast. Babsi hat sich nicht vernavigiert. Sie war lediglich dein ewiges Gejammer leid. „Ich find noch nicht mal die Galerie…“ Daraufhin ist sie in einer Endlosschleife um die Galerie getaucht. „Da ist sie, siehste, DA!“
Das hast Du jetzt typisch weiblich völlig missverstanden. Ich hab ja nichts von „vernavigiert“ gesagt. Ich war nur überrascht, weil mir meine Orientierung wohl auch einen Streich gespielt hatte. Doch damit sollte nun Schluss sein! Denn es stand Horka an. In der Zwischenzeit hatte ich Kontakt zu einer ehemaligen Taucherin gefunden, die Teile ihrer Ausrüstung verkaufte – darunter eine Schreibtafel und – ein Kompass! Na endlich!
DU hast einen Kompass…wenn’s hilft…da bin ich ja mal gespannt… 😉
Ja-ha, das hab ich wohl! Muss ich navigieren – soll ich?
Österreich: Bergütte im Schnee
Nahe der sächsischen Stadt Crostwitz, beim Teilort Horka, gab es einen Steinbruch, der nach der Wende 1989 in private Hand kam. Doch der neue Betreiber hatte kein Glück mit dem Geschäft, so dass diesem schließlich das Geld ausging und die Stromversorgung des Steinbruchs gekappt wurde. Damit standen auch die Pumpen still, die kontinuierlich Wasser aus dem künstlich geschaffenen Talkessel abpumpten. Das Resultat war, dass das ganze Gebiet überflutet wurde. Der so entstandene See wurde schließlich als Tauchrevier entdeckt, es wurde eine Treppe installiert, die den Zugang erleichtert, sowie einige Dinge mehr.
Bei dem See befindet sich eine Basis mit Unterkünften, einem Aufenthaltsraum und einer ausgestatteten Küche. Des weiteren gibt es Unterrichtsräume, Räume zum Anlegen der Ausrüstung bzw. zum Aufhängen derselben nach dem Tauchgang sowie eine Station zum Flaschenfüllen. Es sei hier allerdings darauf hingewiesen, dass sowohl die Benutzung der Küche als auch der sanitären Einrichtungen den Gästen vorbehalten sind, die in der Unterkunft direkt wohnen.
Die Unterkunft ist mit mehreren Zimmern ausgestattet, die zweckmäßig eingerichtet sind. Das Übernachten hier ist günstig, wer es noch günstiger möchte, reist mit dem eigenen Zelt an: direkt neben dem Gebäude der Basis ist eine große Wiese zum Campen. Im Außenbereich des Hauptgebäudes gibt es zudem einen großen Tisch, sowie Bänke zum Ab- bzw. Anlegen der Ausrüstung, und eine Möglichkeit, diese zum Trocknen aufzuhängen.
Von der Basis aus muss man nur eine Straße überqueren, doch dann geht es an den Abstieg: Eine Stahltreppe führt an der Felswand entlang hinab in den Talkessel bis ins Wasser. Neben einer Schwimmplattform befindet sich der Einstieg. Die Treppen gehen unter Wasser sogar noch weiter bis in eine Tiefe von ca. 3 Metern. Wer den Weg mit der kompletten Ausrüstung zurückgelegt hat, wird nun belohnt: Mit dem eigentlichen Tauchgang.
Als Tauchgebiet ist der See für Taucher aller Erfahrungs- und Ausbildungsstände geeignet: Am Rand ist er bis zu 9 Meter tief, geht über 18 Meter bis zu seinem tiefsten Punkt, der laut der Karte, die mir vorliegt, bei 29 Meter ist. Die Sicht ist sehr gut, und zu sehen gibt es einiges. Da ist zu allererst einmal die Landschaft selber zu erwähnen – schroffe Felswände und Geröllhalden, die einen faszinierenden Anblick bieten. Dann haben sich einige Fischarten in diesem Gewässer niedergelassen, zur Hauptsache Barsche und Zander. Und dann gibt es da noch verschiedene Installationen für die Taucher, wie mehrere Haie, eine Biertischgarnitur, oder das alte Pumpenhaus, das völlig überflutet wurde und heute auf etwa 25 Meter Tiefe liegt. Es gibt noch viel mehr, aber ich möchte gar nicht zu viel verraten – es ist auch spannend, immer wieder neue Entdeckungen zu machen.
Auch bei einer weiteren Anreise lohnt sich ein Besuch in diesem Tauchgebiet. Und ob man nun Anfänger ist, der seine Fertigkeiten verbessern oder erweitern möchte, oder bereits fortgeschritten, ist egal. Der See bietet für jeden etwas. Er ist zudem gut mit dem Auto zu erreichen, liegt gleichzeitig aber außerhalb der Ortschaft. Wer in der zugehörigen Unterkunft übernachtet, muss sich auf Selbstverpflegung einstellen, aber die Küche ist mit allen Gerätschaften, die man zum Zubereiten von Essen so benötigt, ausgestattet. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der näheren Umgebung.
In der Füllanlage der Basis kann man eigene Flaschen mit Pressluft füllen lassen, in der unmittelbaren Nähe befindet sich zudem eine Tauchschule, bei der man Nitrox bestellen kann. Noch mehr Informationen und Bilder über Horka und das Team der Tauchbasis findet sich im Internet unter www.tauchsee-horka.de.
Anfahrt
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