Vor nicht allzu langer Zeit, genauer gesagt, am 20. Juli diesen Jahres, habe ich einen Beitrag geschrieben über das geheimnisvolle Verschwinden des YouTube-Kanals von Funtime Arena. Ich war damals sehr pessimistisch, was diesen Kanal betraf und brachte die Idee mit ein, dass man sich langsam nach etwas anderem umschauen müsste. Die Situation hat sich seit damals noch verschlimmert. Und das nicht nur für Funtime Arena und viele andere Kanäle, die ohne Vorwarnung und ungerechtfertigt aufgelöst wurden, sondern für alle, die auf YouTube kreativ tätig sind. Die Ursache: Gier. Die Gier des Monopolisten. Zeit, dass sich etwas ändert.

Falls jemand die Hoffnung hegt, sich vielleicht mit YouTube eine Existenz oder zumindest ein Nebengewerbe aufzubauen:

Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren!

Dante alighieri: „inferno“, inschrift über dem portal, das in die hölle führt

Ganz ursprünglich waren die Kanäle vom Phantastischen Projekt auch monetarisiert. Es war nicht viel, aber es half. Es kostet schließlich Geld, Videos zu produzieren und Webseiten aufrecht zu erhalten. Dann kam das Jahr 2018 und YouTube beschloss, dass man Bedingungen zu erfüllen habe, um ins Monetarisierungsprogramm aufgenommen zu werden. Für kleine Creators war es extrem schwierig, diese Hürde zu nehmen, vor allem, wenn man Videos in einer anderen als einer der großen Sprachen (Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Chinesisch…) produzierte. Gefordert war, dass man in einem Jahr eine bestimmte Anzahl an „Watchtime“ erbrachte, sprich: In einem Jahr mussten Zuschauer von den Videos eines Kanals 4.000 Stunden angeschaut haben. Außerdem musste man 1.000 Abonnenten vorweisen. 4.000 Stunden sind viel. 2018 wurden allen Creators, die die Bedingungen nicht erfüllten, sofort die Monetarisierung entzogen. Keiner der Kanäle des Phantastischen Projekts hat die Bedingungen seither erfüllt. Und jetzt wird es noch schlimmer, YouTube setzt die Stunden auf 8.000 Stunden hoch. Damit ist klar, dass nur noch ein kleiner, elitärer Kreis überhaupt für die Monetarisierung in Frage kommt.

Drew Daniels sagt es in diesem Video sehr deutlich und erklärt die Situation (auf Englisch):

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Es wird wirklich Zeit, dass sich was ändert. Ich habe Ben, der Funtime Arena betreibt, vorgeschlagen, dass er einen zumindest provisorischen Kanal in einer PeerTube-Instanz einrichtet, um wenigstens irgendwie Videos veröffentlichen zu können. Er möchte das nicht, sieht die Kosten für einen eigenen Server1 und natürlich die Reichweite. YouTube ist der Platzhirsch, so viel Reichweite kriegt man nirgends. Auf der anderen Seite muss ich aber sagen: Wenn keiner anfängt, dann wird sich nie etwas tun. Wie man am Beispiel von Funtime Arena sind, sind wir jetzt schon auf Gedeih und Verderb dem Monopolisten YouTube ausgeliefert. In meinem zweiten Kommentar habe ich Ben geschrieben, dass er sich mit dem Gedanken anfreunden muss, dass er seinen Kanal nicht zurückbekommt.2 Gegen YouTube vorzugehen, wenn man nicht die riesige Reichweite hat (also wie die größten YouTuber), ist ungefähr so, als wie wenn ich dem Matterhorn einen Tritt verpasse, weil der Weg zum Gipfel so steil ist. Das Matterhorn wird sich deswegen nicht bewegen und mir tut der Fuß weh.

Aber ich habe auch eine schöne Metapher für den Kampf gegen die Monopolisten, und sie kommt aus einer meiner Lieblingsserien, nämlich „Star Trek – The Next Generation“. Ich musste sie etwas abwandeln (sie handelt im Original von den Borg, wobei der Vergleich zwischen YouTube und den Borg auch sehr treffend ist), aber sie lautet:

Natürlich sind wir gegenüber YouTube nur klein. Aber haben Sie mal versucht zu schlafen, wenn sich ein Moskito in ihrem Zimmer befand? Wenn wir es schaffen, YouTube zu stechen, muss man sich dort die Zeit nehmen, sich zu kratzen.

Wichtig ist halt: Es muss mal angefangen werden. Ich habe das für die Serie ASTROCOHORS SOLAR bereits getan, diese wird auf einem eigenen PeerTube-Kanal veröffentlicht. Ich habe mir Newsletter eingerichtet, um nicht von den – mittlerweile sehr unzuverlässigen – YouTube-Benachrichtigungen abhängig zu sein. Ich bin gerade dabei, alles das noch weiter auszubauen, auch wenn es schwieriger ist und mehr Anstrengungen benötigt. Da hat uns YouTube zur Faulheit erzogen: meld‘ Dich einfach an und Du kannst Videos ins Internet laden. Aber ich denke, die Mühe wird es irgendwann wert sein.

Aber wenn man sich immer auf den Standpunkt „bringt doch nichts“ zurückzieht, erzeugt man eine selbsterfüllende Prophezeiung. Denn wenn man nichts macht, wird dabei auch nichts herauskommen.


Zeit, dass was getan wird!

  1. Ich habe ihm in einem zweiten Kommentar erklärt, dass ein eigener Server nicht unbedingt nötig ist, da es auch Instanzen gibt, wo man sich anmelden kann. Vielleicht ist das ein Argument. ↩︎
  2. Falls jetzt jemand denkt: „Ist ja kein Problem, dann meldet Ben einfach einen neuen Kanal bei YouTube an!“, muss ich sagen: Falsch! Dieser Kanal würde sofort gelöscht werden, wenn YouTube dahinter kommt. Denn einen neuen Kanal aufzusetzen, wenn der alte gelöscht wurde, egal aus welchen Gründen, verstößt gegen die AGBs von YouTube. ↩︎