Seit ein paar Tagen sind die YouTube-Videos des Kanals Funtime Arena nicht mehr abrufbar. Wenn man auf einen Link klickt, bekommt man die blanke Mitteilung, dass das Video nicht mehr verfügbar sei, weil der Kanal, auf dem das Video gepostet worden sei, gekündigt wurde. Und das ist alles. Keine weitere Erklärung. Aber das macht YouTube sowieso nie. Auf seinem Instagram-Account hat Ben, der hinter Funtime Arena steht, nun eine Erklärung gepostet:
HINWEIS
Funtime arena auf instagram / https://www.instagram.com/p/Da6IQTnI6Cv/
YouTube hat mit am 14.07. meinen YouTube Kanal ohne Angaben von Gründen gesperrt. Daher könnt ihr meine Videos auf der Plattform aktuell nicht finden. Momentan befindet sich das Thema in Klärung. Natürlich lasse ich mir nicht einfach so das wegnehmen, was ich mir über 11 Jahre mühsam und mit viel Leidenschaft aufgebaut habe. Natürlich bin ich weiter für euch unterwegs. Alle Videos, die in dieser Zeit entstehen, werden nachgereicht wenn YouTube gnädig ist und mir meinen Kanal zurückgibt. So lange heißt es: geduldig sein. Wie ich erfahren habe, geht YouTube hier mit Willkür vor. Auch andere Kanäle, die nichts verbrochen haben, hat es in den letzten Monaten erwischt. Der Übeltäter ist wohl meist die eingesetzte KI. So lange ich keine Videos bei YouTube veröffentlichen kann, wird es hier auf Instagram mehr Stories und Kurzvideos geben als üblich. Das Ganze ist für mich nicht leicht zu verarbeiten und ich versuche mich abzulenken, daher bitte ich euch auf Rückfragen und Ratschläge zu verzichten. Ich weiß, dass eure Nachrichten zu diesem Thema lieb gemeint sind, aber ich muss mich gerade wirklich ablenken, sonst frisst mich das Thema auf. Ich danke für euer Verständnis. Sobald es neue Infos gibt, werde ich sie hier mit euch teilen! Drückt mir die Daumen, dass alles gut geht.
Liebe Grüße Ben
Ja, ich weiß, es ist ein schlechter Moment, um klugzuscheißen, aber vielleicht ist es doch der richtige Moment, nochmal auf die Plattform-Problematiken aufmerksam zu machen. Ben sagt, er weiß nicht, warum er gesperrt wurde und das zeigt den Kern des Problems: die Plattform hat die absolute Macht. In einem anderen YouTube-Video wurde von einer Rechtsanwältin der Satz gesagt: „Auf YouTube Videos zu veröffentlichen ist kein Recht, es ist ein Privileg. Die Plattform macht die Regeln und sie kann ausschließen, wen sie will.“ Das hat man in den letzten Wochen sehr häufig erfahren. Selbst diejenigen, die einen Grund erfahren haben, sagen, man habe ihnen „Verstöße gegen die AGBs“ vorgeworfen, ohne dass genau gesagt wurde, worin diese Verstöße eigentlich bestanden. Und das ist ein Problem. Viele diese Kanäle, wie auch der Kanal Funtime Arena, bestanden seit Jahren und hatten unzählige Videos hochgeladen. Einfach zu sagen, es gab ein Problem mit einem Video, das gegen die AGBs verstoßen hatte, hilft genau gar nicht.
Es kommt noch hinzu, dass YouTube in den letzten Wochen sehr schnell zum scharfen Schwert der Löschung greift, ohne den jeweiligen Benutzer vorzuwarnen. Normalerweise wird ein Kanal erst gelöscht, wenn der Besitzer vorher verwarnt wurde und eine Chance hatte, seinen Fehler zu korrigieren. Aber wie wir gehört haben, die Plattform kann manchen, was sie will.
Das nächste Problem ist: bei YouTube sind keine Menschen zu erreichen. Wenn man die Möglichkeit hat, einen Widerspruch einzulegen, wird der Widerspruch in den meisten Fällen von einer künstlichen Intelligenz bearbeitet. Die gleiche künstliche Intelligenz, die schon für die fehlerhafte Kanallöschung verantwortlich war. Es gibt Fälle von Benutzern, die davon berichten, dass sie Widerspruch eingelegt hatten und nach nur Minuten eine Antwort bekamen, in der es hieß, man habe sich den Inhalt des Kanals nochmals sorgfältig angeschaut und die Löschung sei gerechtfertigt und werde aufrecht erhalten. So ein Urteil wird nach wenigen Minuten gefällt. Kein Mensch hat sich das je angeschaut.
Was die größte Frechheit bei der Erreichbarkeit von YouTube ist: Ausgerechnet auf der Höllenplattform „X“ (früher „Twitter“) kann man unter Umständen wirklich jemanden erreichen. Aber: YouTube reagiert nur, wenn man eine entsprechende Anzahl Follower / Abonnenten hat, ansonsten sitzen sie das Problem einfach aus. Und wer aus verständlichen Gründen nicht (mehr) bei „X“ ist, kann gar nichts machen.
Und was jetzt? Was ist jetzt vorschlage, wird wieder spöttische Kommentare hervorbringen, aber wisst Ihr was? Das ist egal! Also, was gerade auch große YouTuber dringend machen sollten, ist alternative Strukturen zu unterstützen. Im Fall von YouTube geht das sogar erschreckend einfach, bei anderen Plattformen leider (noch) nicht so. Das Problem ist nämlich: ein YouTuber kann seine Follower nur über YouTube erreichen. Und ist der Kanal weg, dann ist auch der Kontakt zu den Followern weg. Ben z. B. hat jetzt gar keine Möglichkeit, seine ehemaligen YouTube-Follower zu erreichen und ihnen eine Alternative z. B. in Form eines Newsletters anzubieten.
Eine Alternative zu YouTube ist das offene System PeerTube, das ein Teil des Fediverse ist. Ja, ich weiß, Reichweite, blabla… Aber wenn keiner irgendwas macht, dann bleiben wir auf ewig abhängig von den Konzernen. Vor allem kommt hier das zum Tragen, was ich eben mit „erschreckend einfach“ meinte: ein/e YouTuber/in muss ja gar nicht weg von YouTube, wenn er/sie nicht will. Man kann aber auf PeerTube eine Parallelstruktur einrichten. Das ist extrem einfach, man kann nämlich den PeerTube-Kanal mit dem YouTube-Kanal verbinden. Und dann wird jedes Video, das man bei YouTube hochlädt, auch automatisch in den PeerTube-Kanal rübergezogen. Man muss sich nicht ums zweite Hochladen kümmern, das geht alles automatisch, einschließlich Beschreibung und Thumbnail. Wenn jetzt überraschend der YouTube-Kanal weg ist, gibt es für die Abonnenten immer noch eine Anlaufstelle. Und vor allem: im schlimmsten Fall bleibt der YouTube-Kanal weg, aber die Videos sind immer noch auf PeerTube zu finden.
Ganz wichtig wäre hier als Ergänzung ein Newsletter-System aufzubauen. Das ist sowieso eine gute Idee, denn was die Benachrichtigung von Abonnenten betrifft, ist YouTube auch immer schlechter geworden. YouTube hat hier sein eigenes Geschäft im Vordergrund, es geht nicht darum, YouTuber beim Aufbau einer Community zu unterstützen, sondern Zuschauer auf der Plattform zu halten. Und das geht am ehesten über Content, der möglichst viel Anspruch findet, nicht nur bei den eigenen Abonnenten, sondern quer über die Plattform. YouTube benachrichtigt die Abonnenten seither noch schlechter, als das vorher schon der Fall gewesen war. Ein Newsletter kann hier Abhilfe schaffen. Der Newsletter hat noch einen zweiten Vorteil: Auf YouTube kann man einen Kanal nur abonnieren, wenn man selber einen Account hat. Für einen Newsletter braucht man nur eine eMail-Adresse. Und selbst hier hat PeerTube einen Vorteil: Um einem Kanal über PeerTube zu folgen, braucht man nämlich nicht unbedingt ein Konto. Man kann auch dem RSS-Feed des Kanals folgen und wird so über neue Folgen benachrichtigt. Und falls man einen Account hat über eine andere Plattform im Fediverse (Mastodon, Pixelfed o.a.), dann kann man damit auch einem PeerTube-Kanal folgen.
Überhaupt, andere Fediverse-Plattformen: es gibt noch mehr Alternativen zu großen Konzernen. Mastodon ist die Alternative zu X, Friendica zu Facebook und Pixelfed zu Instagram. Das Ding ist nur: die Benutzer sind bequem geworden, weil die Konzerne sie eingelullt haben. Der Einstieg ins Fediverse ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann läuft alles wie man es schon von woanders her gewohnt ist. Teilweise sind die Alternativen die Versionen von Plattformen, wie man sie von vorher gewohnt war, als sie etwas übersichtlicher waren. Nehmen wir nur Facebook, hier zeigt mir mein Stream mittlerweile mindestens zu 85 % irgendwelche Facebook-Seiten an, die ich nicht abonniert habe. Benachrichtigungen von meinen Freunden gehen komplett unter. Auf Friendica sehe ich dagegen nur die Benachrichtigungen von meinem Freunden – also genau so, wie Facebook einmal konzipiert war.
Es geht sogar so weit, dass diese Webseite vom Quadruvium Club ins Fediverse integriert ist. Jeder Beitrag, der hier publiziert wird, landet im Fediverse und kann von dort aus angesehen und kommentiert werden.
Also, es wird Zeit, dass sich was ändert! Denn das, was gerade begonnen hat, wird nur noch schlimmer werden. Vielleicht ist es geradezu symbolisch, dass ausgerechnet dieser Artikel auf diesem Blog die Nummer 12.000 trägt. Solche runden Jubiläen sollen ja nicht nur ein Blick auf Vergangenes sein, das man erreicht hat, sondern auch einen Blick in die Zukunft bieten. Und vielleicht leistet dieser Artikel genau das.
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